Die HHVM und ihre Folgen

PHP is more than its engine
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Facebooks HHVM ist im Moment in aller Munde. Doch wie reagiert die Community?

Ein Tweet des Release Managers von PHP 5.5/6, Julien Pauli, zeichnet ein Bild davon, was wohl in vielen Köpfen der PHP-Community vorgeht. Vor allem das Core-Team scheint in der Außenwahrnehmung nicht unbedingt gut dazustehen.

Ausgangspunkt war besagter Tweet Paulis mit einem Zitat von Sara Golemon, ihres Zeichens ebenfalls ein sehr aktives Mitglied des PHP-Teams sowie eine der Entwicklerinnen von Facebooks HipHop Virtual Machine.

Die Köpfe hinter der HHVM scheinen gar nicht die Intention zu besitzen, tiefer in das Hoheitsgebiet eindringen zu wollen. Zwar seien einige der zuletzt eingereichten RFCs in den PHP internals HHVM-Features, so Golemon in der Diskussion, aber alles in allem dienten auch diese Vorschläge nur dazu, PHP weiter voran zu bringen. Vielmehr sieht sie die HHVM als starken Partner für die Sprache:

„PHP.net future will depend on core team behavior“

Relativ deutlich sind jene, die nun das Core-PHP-Team in der Verantwortung sehen. So schreibt Victor Brechet, dass seiner Meinung nach die HHVM die von Sara Golemon angesprochene kritische Masse erreichen würde – und das die Zukunft von PHP nun vom Verhalten des Core-Teams abhängen würde. Deutlicher formuliert es Konstantin Kudryashov:

Darüber kann man nun trefflich streiten –  das Core-Team hat die Sprache in den letzten Jahren deutlich verbessert, sorgt für viele Innovationen und arbeitet auch kontinuierlich an der Performance. Ihnen vorzuwerfen, die Situation zu verkennen, schiesst etwas über das Ziel hinaus.

Die HHVM als Zukunft von PHP 6?

Doch nicht nur auf Twitter sorgt die HHVM für Verunsicherung, wie wir immer wieder in Kommentaren merken. So wird seit einiger Zeit in der Community recht offen darüber diskutiert, ob die HHVM zum Beispiel in PHP 6 die Zend Engine als Basis der Sprache ablösen könnte – wir berichteten über ein Beispiel. In den Kommentaren zeigte sich auch hier schnell, wo Probleme gewittert werden: Eine mögliche Fragmentierung von PHP scheint eine der größten Sorgen zu sein. Ralf Eggert – vielen als wichtiger deutscher Autor um Zend-Framework-Themen bekannt, zu diesem Thema:

[Wir können also gar nicht verlieren.]

Vielleicht doch, wenn es zukünftig zwei PHP6 geben wird. Eines auf Zend Engine Basis und eines auf HHVM Basis?

Der User John geht in seinen Überlegungen noch ein Stück weiter. Er befürchtet, dass jedes Projekt bei einer solchen Ausgangslage, also eine Zukunft der zwei PHP-Versionen, sein eigenes Süppchen kochen könnte:

Die eine Supportet das eine besser, die andere das andere, Probleme mit Inkompatibilität untereinander. Ich denke in 98% der Fälle hat man keinen Vorteil davon aber mehr Aufwand und Unsicherheit bei der Planung.

Dennoch gibt es auch Stimmen, die auf die Möglichkeiten verweisen. So schreibt Johannes Schlüter, selbst Release Manager von PHP 5.3, dass ein Wettstreit durchaus auch innovationsfördernd sein könne. „Eine andere Alternative ist eine eigenständige Spezifikation für die Sprache und konkurrierende Implementierungen mit verschieden Vorteilen“, so Schlüter weiter.

Auch Tim Wagner sieht Vorteile: „Ich bin auch der Meinung, dass Konkurrenz das Geschäft belebt und die Entwicklung von HHVM Zend hinsichtlich ihrer Strategie hinter PHP vielleicht zur ein oder anderen, durchaus positiven Veränderung, veranlassen könnte.“

Steht sich HHVM selbst im Weg?

Dennoch ist die Community verunsichert. Zum einen ist da natürlich die Sache mit dem Ökosystem an sich. Während sich das PHP-Team generell sehr offen gibt und in den letzten Jahren eine regelrechte Evolution durchlebt hat, ist die HHVM eben doch ein Produkt eines einzelnen Unternehmens – und noch gebe es kaum verwertbare Erfahrungen, so Schlüter weiter:

Was derzeit ein Problem für HHVM ist, ist das das Wissen und die Entwicklung in einer Firma steckt die primär den eigenen Use-Case im Blick hat. Erfahrungen mit Production Environments gibt es kaum, Leute, die das bei Problem debuggen und weiter entwickeln können sind rar. Zumindest noch. PHP/ZE hat mit dem Vendor-Unabhängigen Ansatz und die vergleichsweise einfache Architektur dort Vorteile.

Außerdem treibt die Community ganz grundsätzliche Fragen, was beispielsweise die Meldung über die Veröffentlichung von Version 2.4.0 der HHVM gezeigt hat: Zwar ist ein Framework wie CodeIgniter nun zu 100 % mit der HHVM kompatibel; wenn man es aber in Verbindung mit mysqli nutzen möchte, schaut man momentan noch in die Röhre. Außerdem, so der Nutzer Estigy, herrscht generell Unsicherheit darüber, warum die HHVM die Kompatibilität mit verschiedenen Frameworks überhaupt herstellen müsse – die seien schließlich auch „nur“ in PHP geschrieben.

Und nun?

Die Situation stellt sich im Moment also so dar, dass es mit Facebook einen Player gibt, der durchaus das Potenzial hat, einen nicht unbeträchtlichen Teil der PHP-Welt auf den Kopf zu stellen. Und das scheint die Community zu spalten.

Wie die Kommentare auf Twitter gezeigt haben, scheint das PHP-Core-Team in einigen Köpfen noch immer einen zweifelhaften Ruf zu genießen. Und jene, die darüber hinweg sind, scheint die Sorge über eine Framentierung der Sprache voran zu treiben. Es gilt also, viele offene Fragen zu klären. Dazu bereiten wir übrigens mit einigen Autoren einen Schwerpunkt im PHP Magazin vor. Schließlich geht uns das alle an.

Am Ende jedoch könnte es durchaus so kommen, wie Johannes Schlüter prophezeit:

„Aber mal sehen was die Zukunft bringt … wohl eine Langeweile :-)“

Lassen wir uns also überraschen. Und wir sind noch immer der festen Überzeugung, dass wir als Community gar nicht verlieren können.

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