Fragen zur ungewissen Zukunft beim Zend Framework

Zend: Der Anfang vom Ende für das PHP-Framework?
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Mit Zeev Suraski, Matthew Weier O’Phinney, Enrico Zimuel und Dmitry Stogov kündigten bekannte Mitglieder der PHP-Community an, die Firma Zend, seit 2015 Teil von Rogue Wave, in nächster Zeit zu verlassen. Grund ist wohl die strategische Entscheidung von Rogue Wave, sich zukünftig auf die Entwicklung von Zend Server zu konzentrieren. Die weitere Zukunft des Zend Frameworks steht damit in den Sternen. Wir haben den ausgewiesenen Zend-Experten Ralf Eggert (Travello) zu den jüngsten Entwicklungen befragt.

Wie sieht die weitere Zukunft des Zend Frameworks aus? Wie sind die jüngsten Entwicklungen zu bewerten? Ralf Eggert (Geschäftsführer der Travello GmbH), Buchautor und Experte für das Zend Framework, ordnet die ereignisreichen Geschehnisse der letzten Tage und Wochen ein.

Entwickler.de: Matthew Weier O’Phinney spricht in seinem Blogbeitrag von 200 Millionen Downloads der Zend Framework-Pakete in den letzten 18 Monaten. Trotzdem möchte sich wohl Rogue Wave demnächst aus der Entwicklungsarbeit und Unterstützung für die Zend Engine und das Zend Framework verabschieden. Hast Du eine Erklärung für diesen, doch sehr überraschenden Schritt?

Ralf Eggert: Ich könnte natürlich nun behaupten, dass ich es schon immer gewusst habe. Aber das wäre gelogen. Ein gewisses ungutes Gefühl bei dem Kauf von Zend Technologies durch Rogue Wave hatte ich damals schon. Bis vor wenigen Tagen war das aber unbegründet.

Die Erklärung für den überraschenden Schritt liegt irgendwie auf der Hand. Rogue Wave hat nach der Akquisition einfach alles erst einmal laufen lassen und nun eben auf die Zahlen geschaut. Profitabel scheint offenbar nur die Zend Server Sparte gewesen zu sein. Zudem hat Rogue Wave anscheinend kein großes Engagement in Sachen Open-Source Software bzw. möchte sich selber weiterhin in der Weiterentwicklung von Open-Source Software engagieren. Da der Zend Server aber ohne PHP und OSS gar nicht existieren würde, hat dies zumindest ein gewisses Geschmäckle.

Also betriebswirtschaftlich ist der Schritt vielleicht nachvollziehbar, wenn man die nackten Zahlen betrachtet. Aber mehr auch nicht.

Entwickler.de: Als unter einer BSD-Lizenz stehende quelloffene Software ist eine Weiterentwicklung des Zend Frameworks sehr wahrscheinlich. Zuletzt konnte der ursprünglich geplante Release-Zyklus von anderthalb bis zwei Jahren für größere Releases nicht einhalten werden. Ist das vielleicht nicht der Anfang vom Ende, sondern der Anfang einer besseren Zukunft für das Zend Framework?

Ralf Eggert: Das Zend Framework hat in seiner Geschichte seit 2006 eigentlich nur sehr selten Phasen gehabt, wo es sich an feste Release-Zyklen gehalten hat. Das mag einigen Entwicklern nicht geschmeckt haben, mich hat so was eher weniger gestört. Bei einem Betriebssystem ist Planungssicherheit durch feste Release-Zyklen sicher sinnvoll und angebracht. Aber für ein Webframework eher nachrangig. Im Prinzip freuen sich nur die Berater und Agenturen, wenn ein Webframework regelmäßig neue Releases erhält. Aber ich schweife ab.

Ob dieser Schritt das Anfang vom Ende oder das Ende des Anfangs ist, kann ich heute nicht sagen. Das kann niemand. Wichtig ist, was in den nächsten Wochen und Monaten passiert. Wenn nun lange nichts geschieht und niemand den ersten Schritt wagen möchte, dann könnte dies wirklich der Anfang vom Ende gewesen sein.

Auch wenn das Zend Framework im Vergleich zu Symfony und Laravel in den letzten Jahren an Popularität verloren hat, wird es dennoch gerade auch bei größeren Kunden auch in Deutschland noch rege eingesetzt. Wenn sich also ein Unternehmen findet, welches die Weiterentwicklung voran treiben möchte, oder wenn sich gar ein Konsortium aus mehreren Unternehmen oder einen Foundation gründet, könnte dies tatsächlich auch eher positive Effekte haben.

Entwickler.de: Bei allem Optimismus ist damit zu rechnen, dass viele Unternehmen und Entwickler durch die jüngsten Ereignisse verschreckt werden und nicht mehr auf Zend setzen. Könnte das am Ende doch dem Framework den Todesstoß versetzen?

Ralf Eggert: Wie schon erwähnt, ist es entscheidend, was in den nächsten Wochen und Monaten passiert. Spielen alle Interessierten nun Mikado und keiner traut sich an den Stapel ran, dann wird es kompliziert. Alleine von der Community getragen ohne finanzielle Absicherung könnte es schwer werden. Aber es stimmt schon, neue Entwickler werden abgeschreckt. Und bei bestehenden Projekten könnte es auch zu Absetzbewegungen kommen.

Aber das geht alles in Richtung Hätte, Wäre, Wenn. Wir werden es erst in einiger Zeit wissen, wohin die Reise geht.

Gerät jetzt PHP auch ins Straucheln?

Entwickler.de: Wie wichtig ist die Entwicklungsarbeit von Zend für PHP? Kann es sein, dass sich Zend jetzt von PHP entfernt, bzw. die Weiterentwicklung von PHP demnächst ins Straucheln gerät?

Ralf Eggert: Neben dem Zend Framework hat die Firma Zend ja in der Vergangenheit auch viel für PHP getan. Auch in der konkreten Entwicklung. Doch da sehe ich die Gefahr weniger groß als beim Zend Framework. Auch wenn immer wieder Nachfolger aus der Deckung kommen, um PHP vom Thron zu stoßen, ist PHP immer noch einer der wichtigsten, wenn nicht gar die wichtigste Sprache in der Webentwicklung. Die Community, die PHP direkt voran treibt und weiter entwickelt, ist deutlich größer. Da sehe ich weniger Probleme.

Entwickler.de: Wenn alles gut läuft, findet Zend vielleicht einen neuen Firmensponsor oder wird als Stiftung weitergeführt. Auch die Entwickler werden mit ihrer Expertise sich bestimmt wieder schnell anderen Projekten zuwenden. Alles also halb so schlimm, oder glaubst Du das mit dem Weggang von Koryphäen wie Zeev Suraski, Matthew Weier O’Phinney, Enrico Zimuel und Dmitry Stogov vielleicht jetzt auch der Spirit bei Zend für zukünftige innovative Entwicklungen abhanden gekommen ist?

Ralf Eggert: Sollte es zu einer Stiftung kommen und deren Finanzierung gesichert werden können, dann könnte ich mir vorstellen, dass die meisten der genannten Entwickler auch dem Projekt in Zukunft verbunden bleiben. Wir sollten auch bedenken, dass die Community größer ist als das Kern Team. Dennoch ist unklar, ob sich das Team nun verstreut.

Dies hängt aber stark davon ab, was in den nächsten Wochen und Monaten passiert. Passiert gar nichts, werden die Entwickler sich neue Aufgaben suchen und das kann bedeuten, dass sie weniger Zeit haben werden für die Open-Source Arbeit.

Ein anderer Aspekt soll zum Abschluss nicht unerwähnt bleiben. Besteht Rogue Wave auf seiner Marke Zend, muss das Framework einen neuen Namen bekommen. Und das kann in der Tat zu einem schleichenden Tod führen oder das neue Framework steigt wie Phoenix aus der Asche. Der Name „Phoenix Framework“ kann aber leider nicht verwendet werden, denn der ist schon belegt von einem Framework für irgend so eine neumodische Frickelsprache, deren Name mir gerade entfallen ist… 😉

Danke für dieses informative Interview!

Unser Interview-Partner

Ralf EggertRalf Eggert ist Diplom-Wirtschaftsinformatiker (FH) und Autor mehrerer Bücher über das Zend Framework. Ralf entwickelt seit 1998 in PHP und nutzt seit 2006 das Zend Framework. Er ist als Speaker seit einigen Jahren auf Barcamps und Konferenzen aktiv. Zudem ist Ralf als Trainer, Consultant und Contributor tätig. Aktuell beschäftigt er sich u.a. viel mit der Programmierung von Alexa Skills für den Amazon Echo auf Basis von PHP.

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Nachtrag: Enrico Zimuel hat sich bereits am Montag mit folgendem Kommentar gemeldet, der mir bisher nicht bekannt war.

https://zendframework.slack.com/archives/C4QBQUEG5/p1540196705000100

Ralf Eggert
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„We will continue to work in Zend Framework and PHP technologies with other sponsors. We have time to investigate other proposals, we already have some other companies interested! In the meantime, we are continuing to work with Rogue Wave Software until next year.“

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