Interview mit unserem Zend-Framework-Experten Ralf Eggert

„Warum kaufen die Zend?“
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Zend wurde aufgekauft – das ist kein Geheimnis mehr. Doch was bedeutet das für all jene, die täglich mit den Produkten des Unternehmens umgehen müssen?

Dienstagabend kam die überraschende Meldung, dass Zend Technologies, das Unternehmen hinter der Zend Engine, dem Zend Framework, dem Zend Server und einigen anderen bekannten Tools, von Rogue Software aufgekauft wurde. Das wirft natürlich ein paar Fragen auf, wie zum Beispiel die nach den Reaktionen in der Community.

Zend Framework und Co in Bewegung

Aus diesem Grund haben wir mit unserem Zend-Framework-Spezialisten Ralf Eggert über dieses Thema gesprochen. Um es vorweg zu nehmen: Alles in allem zeigt er sich ziemlich entspannt. Kein Wunder – geht es nach Zeev Suraski, gibt es auch in Sachen der Zend Engine erst einmal nichts zu befürchten.

entwickler.de: Ralf, die Nachricht von der Übernahme Zends kam doch ziemlich überraschend. Was war dein erster Gedanke, als du davon gehört hattest?

Ralf Eggert: Ganz ehrlich, meine ersten Gedanken waren: „Who the f… is Rogue Wave Software?“. Ich kannte die Firma bisher überhaupt nicht. Bei einer Übernahme in der IT denkt man ja immer erst an die üblichen Verdächtigen. Mein zweiter Gedanke war: warum kaufen die Zend?. Darauf konnte ich bisher keine klare Antwort finden.

entwickler.de: Was bedeutet diese Übernahme deiner Meinung nach für das Zend Framework und angeschlossene Projekte wie beispielsweise Apigility?

Ralf: Leider haben meine Kinder gestern beim Aufräumen meine Glaskugel herunterfallen lassen, so dass ich jetzt nur im Nebel herum stochern kann.

Aber im Ernst. Die Auswirkungen auf das Zend Framework kann heute wohl niemand verlässlich einschätzen, der nicht im engen Zirkel von Rogue Wave Software und Zend Technologies agiert. Bemerkenswert ist, dass in der offiziellen Pressemeldung weder das Zend Framework noch Apigility erwähnt werden. In einigen Kommentaren wurde auch sogleich das nahe Ende vom Zend Framework herbei geredet.

Andi Gutmans hat aber das Zend Framework explizit erwähnt und auch auf besondere Neuigkeiten hingewiesen, die das ZF3 betreffen und auf der ZendCon bekannt gegeben werden. Derzeit ist auf GitHub in Sachen Zend Framework sehr viel Bewegung. Man sieht, dass mit Hochdruck am Zend Framework 3 gearbeitet wird, und ich denke, dass auf der ZendCon zumindest eine Beta-Version präsentiert werden wird. Aber ganz sicher bin ich mir nicht, meine Glaskugel ist ja wie gesagt kaputt.

entwickler.de: Nun stellt sich für viele natürlich die Frage nach der Lizensierung … und davon ist natürlich nicht nur das Zend Framework betroffen. Ist das ein Punkt, über den du dir Gedanken machst?

Ralf: In Lizensierungsfragen bin ich nicht der kompetenteste Ansprechpartner. Das können andere bestimmt besser beurteilen. Soweit ich die BSD-Lizenz, unter der das Zend Framework verbreitet wird, aber verstehe, sollte es damit keine größeren Probleme geben. Man darf die Software ja verbreiten, verändern und verbreiten, solange man den Vermerk nicht entfernt. Ich könnte mir vorstellen, dass es in Zukunft konkret für das Zend Framework größere Probleme geben wird als die Lizenzfrage.

Sollte RWS eines Tages entscheiden, dass keine weiteren Ressourcen mehr in das Zend Framework gesteckt werden, wäre das ein viel größeres Problem. Dann würde die Community das Framework komplett übernehmen müssen, und was dann passiert, kann heute niemand verlässlich wissen.

entwickler.de: Hat diese Übernahme Auswirkungen auf vor allem neue Kundenprojekte? Wirst du nun vorsichtiger agieren?

Ralf: Das Zend Framework 3 ist nicht mehr aufzuhalten. Es wird in den nächsten Wochen und Monaten erscheinen und der Community einen neuen positiven Schub verleihen. Davon bin ich überzeugt. Das, was ich bisher vom ZF3 gesehen habe, ist sehr vielversprechend.

Auch drei Jahre nach dem Erscheinen vom ZF2 werden heutzutage immer noch teils sehr komplexe Projekte mit dem Zend Framework 2 neu gestartet. Trotz der mittlerweile großen Konkurrenz im PHP-Framework-Markt. Da ein Wechsel zum ZF3 reibungslos verlaufen sollte, sehe ich keinen Grund, betrübt in die Zukunft zu schauen oder in Angststarre zu verfallen.

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entwickler.de: Welche Hoffnungen hast du für die Zukunft? Siehst du besondere Chancen für die Zend-Community, oder ist das ein Thema, das zunächst einmal keine Rolle spielen wird?

Ralf: Meine Hoffnung für die Zukunft? Dass es in naher Zukunft im deutschsprachigen Raum wieder mehr PHP-Entwickler geben könnte und das mal jemand gelbe ElePHPanten produziert, die ein Normalsterblicher auch bekommen kann! Aber das war sicher nicht deine Frage.

Ich sehe durchaus Chancen für die Zend Framework Community. Wie eingangs erwähnt, kenne ich die Firma Rogue Wave Software nicht und weiß nicht, wie die ticken. Aber vielleicht nehmen sie die Verantwortung für das Framework ja sehr ernst.

Und wer weiß, vielleicht war das Framework ja auch der Hauptgrund für den Kauf von Zend? Vielleicht ist das ja die Antwort auf die zweite Frage, die ich mir gestellt habe, nachdem ich die Neuigkeit erfahren hatte? Die Zukunft wird es zeigen.

eggert_ralf_swRalf Eggert ist Geschäftsführer der Travello GmbH, Diplom-Wirtschaftsinformatiker (FH) und Autor mehrerer Bücher über das Zend Framework. Ralf entwickelt seit 1998 in PHP und nutzt seit 2006 aktiv das Zend Framework. Er schreibt als Kolumnist regelmäßig für das PHP Magazin und ist als Speaker seit einigen Jahren auf Barcamps und Konferenzen aktiv. Zudem ist Ralf als Trainer und Consultant für das Zend Framework 2 tätig. Derzeit schreibt er an seinem neuen Buch zum Zend Framework 3.

 

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Aufmacherbild: Eine schön bildenwelle von Shutterstock / Urheberrecht: Hypervision Creative

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