Professionell entwickeln mit Visual C 2010
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„Visual C# 2010“, so steht es dick auf dem Buchrücken. Eine Einführung in C#? Deutlich kleiner stehen noch ein paar Worte davor: „Professionell entwickeln mit“. Aha, also ein Buch, das kurz und knapp

„Visual C# 2010“, so steht es dick auf dem Buchrücken. Eine Einführung in C#? Deutlich kleiner stehen noch ein paar Worte davor: „Professionell entwickeln mit“. Aha, also ein Buch, das kurz und knapp in C# einführt und dann auf Besonderheiten der Sprache, die professionelles Entwickeln unterstützen, eingeht? Ebenfalls weit gefehlt. Wer C# von Grund auf lernen möchte, kann dies mithilfe der beigefügten CD bewerkstelligen. Darauf befindet sich nämlich das Einsteigerbuch „Visual C# 2010“. Beim vorliegenden Buch müssten eher die Worte „Professionell entwickeln“ groß erscheinen – und „mit Visual C# 2010“ im Kleingedruckten. Denn das Buch möchte dort fortfahren, wo Einsteigerbücher, und seien sie noch so dick, aufhören. Statt „mit“ könnte es auch „am Beispiel von“ heißen. Denn wer viele Codebeispiele in C# erwartet, dürfte von diesem Buch enttäuscht sein.

Die Qualitäten dieses Buchs liegen an anderer Stelle: Dem Autor ist es eine Herzenssache, Themen aufzugreifen, die eine professionelle Entwicklung fördern. Und so sind viele Themen von der konkreten Programmiersprache losgelöst. Doch keine Angst, Matthias Geirhos liefert auch Kapitel, in denen C# eine Rolle spielt. Aber jetzt der Reihe nach.

Da ist zunächst das Kapitel „Architekturentwurf“: Was zeichnet eine gute Architektur aus? Wann und warum sollte eine Software in Schichten bzw. Tiers aufgeteilt werden? Welche Designmerkmale wie Kopplung, Sicherheit, Performance etc. spielen eine Rolle? Mit Design im Speziellen geht es dann weiter. Hier beantwortet der Autor Fragen zu Schnittstellen, Oberfläche, Objektorientierung und mehr. Fast gänzlich von der Programmiersprache gelöst, weisen nur wenige Codezeilen auf C# hin. Auch wenn es im folgenden Kapitel „.NET für Fortgeschrittene“ u. a. um Themen wie parallele Verarbeitung, reguläre Ausdrücke, Lambda-Ausdrücke geht, die mit deutlich mehr Code untermalt sind, ist dies in weiten Teilen immer noch für Anwender anderer Programmiersprachen auf der .NET-Plattform nutzbar. Dies gilt gleichermaßen für die folgenden Kapitel.

In „Professionell codieren“ erhält der Leser reichlich Informationen zu einzelnen Aspekten der Programmierung, wie Namenskonventionen, Programmstruktur, Klassenhierarchien, dem überlegten Einsatz von Exceptions oder Refactoring. Die beiden größten Kapitel des Buchs widmen sich der Windows Communication Foundation (WCF) sowie der Workflow Foundation (WF). Dazwischen gibt es ein Kapitel zum Datenzugriff und dahinter Softwaretest und Softwarepflege.

Aus dem Gesagten wird deutlich, dass der Fokus des Buchs nicht auf der Vermittlung spezieller Features der Sprache C# liegt. Vielmehr geht es dem Autor darum, dem Entwickler das Rüstzeug mitzugeben, das einer professionellen Entwicklung förderlich ist. Hier schlägt insbesondere der Architekt und Projektleiter durch. Die Fokussierung im technischen Teil auf WCF und WF bringt Themen, die nicht nur im kommerziellen Umfeld eine starke Rolle spielen, sondern die auch eine Brücke zu anderen Technologien schlagen. So räumt der Autor ein, dass beispielsweise im Java-Umfeld eine ausgereiftere Application-Server-Infrastruktur zur Verfügung steht. Deren Dienste können mittels einer SOA auch von .NET genutzt werden. Im breit angelegten Bereich der SOA zeigt Geirhos dies aber nicht direkt, sondern erläutert, wie Services unter .NET gehostet werden können.

In manchen Kapiteln reißt der Autor Themen an, denen anderswo ganze Bücher gewidmet sind. Möglicherweise möchte aber der eine oder andere Entwickler bestimmte Themen weiter vertiefen. Ein ergänzendes Literaturverzeichnis fehlt leider. Dafür wird das Buch von zahlreichen Abbildungen, Listings sowie Einschüben aus der Praxis untermalt, sodass es sehr angenehm zu lesen ist. Insgesamt bietet dieses Buch eine Mischung aus organisatorischen wie technischen Themen – sicherlich eine subjektive Zusammenstellung des Autors, aber nicht uninteressant. Eben genau die gewollte Brücke zwischen Lehrbuch der Programmiersprache und speziellen Fachbüchern.

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