Interview mit Yasmine Limberger

Projektplan für die Karriere Viele (Um)Wege führen zum Ziel
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Yasmine Limberger schreibt schon seit einigen Jahren im dot.NET Magazin Interessantes und Wissenswertes zum Thema Karriere in der IT-Welt. Auf der BASTA! 2011 in Mainz haben wir sie getroffen und die Gelegenheit für ein Interview genutzt.

dot.NET Magazin: Yasmine, du bist Diplom-Betriebswirtin und arbeitest seit mehr als 12 Jahren in der IT-Beratung. Momentan bist du vor allem im Bereich Personalmarketing unterwegs. Wir wollen heute über das Thema Karriereplanung reden. Kann man die eigene Karriere wirklich planen oder passiert das nicht eher aus dem Fluss heraus?

Yasmine Limberger: Karriere ist kein Zufall, vielleicht gibt es Situationen, da hat es zwar den Anschein, als sei man gerade mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, aber darauf sollte man sich nicht verlassen. Vielmehr geht es darum, seine berufliche Laufbahn so zu lenken, dass der Job einem eine zufriedenstellende Tätigkeit bietet, die einen langfristig auch ausfüllt und vorantreibt. Dabei hat jedoch jeder seine eigene Definition von „Karriere“. Für viele ist es das Gefühl, Erfolg zu haben, mit dem, was man tut. Für andere ist es wichtig, ihre Leidenschaft und Talente einzubringen, wiederum andere wollen nicht stehen bleiben, sondern sich kontinuierlich weiterentwickeln, Verantwortung übernehmen, mehr Geld verdienen oder gewisse Freiheiten genießen. Während für einige Karriere und Erfolg auch immer mit Stress verbunden sind, wollen andere zumindest negativen Stress so gut es geht vermeiden. Jeder sollte sich also zunächst einmal fragen, was für ihn persönlich „Karriere“ bedeutet und erst dann sein eigenes Karriereziel definieren und mit einer effektiven Karriereplanung beginnen.

DM: Es gibt also durchaus Methoden, um eine Strategie für die eigene Karriere festzulegen. Wann sollte ich mir als Entwickler denn Gedanken darüber machen, wie meine Karriere bestenfalls aussehen soll? Ist dies nur am Anfang des Berufslebens wichtig oder kann ich damit auch später anfangen? Und wie komme ich ganz konkret zu einem realistischen Karriereplan?

Limberger: Mit der eigenen Karriereplanung sollte man möglichst früh beginnen, daran seine Ausbildung oder seine Studienrichtung wählen und fortan die Karriereziele im Auge behalten. In der dynamischen IT-Welt ändern sich die Dinge recht schnell, sodass man von Zeit zu Zeit seinen Karriereplan immer mal wieder zur Hand nehmen sollte und die Ziele evtl. neu feststecken sollte. Oftmals fängt man aber erst dann an über seine Karriere grundlegend nachzudenken, wenn man an einem Punkt angekommen ist, wo man sich entscheiden muss: entweder als Berufseinsteiger, der auf der Suche nach dem passenden Job ist, aber auch als IT-Experte, der schon einige Jahre im IT-Dschungel unterwegs ist und sich plötzlich in einer Sackgasse fühlt. Unzufriedenheit im Job führt wohl in den meisten Fällen dazu, seine eigene Karriere zu überdenken: Wie soll es weitergehen? Welcher Arbeitgeber bietet mir das, was ich suche? Soll ich mich auf einen neuen Job bewerben, die Selbstständigkeit wagen oder einfach so weitermachen? Spätestens jetzt ist es Zeit, die eigene Karriere einmal systematisch zu betrachten und einen Plan zu erstellen, um eine Antwort zu bekommen.

Man kann das in etwa so vergleichen: Jeder ITler benutzt heute ein Navigationssystem, um am richtigen Punkt anzukommen. Am Anfang steht jedoch die Frage: Wo will ich denn hin? Es muss also ein Ziel angegeben werden, damit das Navigationssystem einen effizienten Fahrplan errechnet und Anweisungen gibt. Zusätzlich kann man seine individuellen Präferenzen festlegen, die der Fahrplan berücksichtigen soll, also z. B. möchte man die schnellste Route nehmen oder die landschaftlich schönste, man will Mautstraßen vermeiden oder nur Straßen erster Ordnung befahren, um ans Ziel zu kommen. So ähnlich geht man auch bei der Karriereplanung vor:

An erster Stelle steht zunächst eine gründliche Selbstanalyse: Hier gilt es, eigene Talente herauszufinden, Qualifikationen und Erfahrungen zu betrachten und zu entscheiden, wofür man sich begeistern kann. Sinnvoll bei einer solchen Selbstanalyse ist es, Feedback von anderen einzuholen und zu notieren. Man fragt also gezielt Freunde und Familienangehörige, wo nach deren Meinung die eigenen Talente liegen. Außerdem sollte man sich regelmäßig Feedback vom Vorgesetzten holen und daraus sein eigenes Persönlichkeits- und Qualifikationsprofil erstellen.

In einem nächsten Schritt analysiert man nun seinen Karrierewunsch. Welche Kriterien stehen dabei im Vordergrund? Sind es die Perspektiven, Entwicklungsmöglichkeiten und die Chance, eigene Talente verstärkt einzubringen? Suche ich Sicherheit und soziale Anerkennung? Lege ich den größten Wert auf ein angemessenes, leistungsgerechtes Gehalt? Wie wichtig ist mir die Nähe zum gegenwärtigen Wohnort? Dabei sollte man ehrlich zu sich selbst sein und Prioritäten setzen.

Danach definiert man sein konkretes Karriereziel und einen Zeitplan mit jeweils einem kurz-, mittel- und einem langfristigen Ziel. Die Ziele sollten möglichst genau und klar sein, also z. B.: In fünf Jahren möchte ich IT-Leiter sein; nächstes Jahr werde ich für ein Jahr im Ausland arbeiten oder in drei Jahren möchte ich eigenverantwortlich IT-Projekte leiten. Bleiben Sie bei Ihrer Zielsetzung auf jeden Fall realistisch.

Als Nächstes gilt herauszufinden, was man weiterentwickeln muss, um fit für das persönliche Karriereziel zu sein. Welche Erfahrungen sind relevant, welche Voraussetzungen werden erwartet und welche Zusatzqualifikationen müssen eventuell noch erlangt werden?

Wichtig ist zudem ein sinnvoll zusammengesetztes Netzwerk an Kontakten. Dazu sucht man in speziellen Branchen- oder Berufsforen sowie in sozialen Netzwerken, wie z. B. XING, nach Kontaktpersonen, mit denen man sich austauschen kann. Auch Konferenzen wie die BASTA! kann man gezielt dazu nutzen, um sich mit anderen zu vernetzen. Wer sich über verschiedene Arbeitgeber austauscht, bekommt auf diese Weise mehr Einblicke hinter die Kulissen eines Unternehmens. Wer dann aktiv auf Jobsuche ist, kann sein Netzwerk dazu nutzen, um sich u. a. auch über offene Stellen zu informieren. Je mehr man über potenzielle Arbeitgeber und die Inhalte der offenen Stellen weiß, umso eher kann man entscheiden, ob man zu diesem Arbeitgeber auch passen würde und der Job auch das bietet, was er verspricht.

DM: In deiner Session bei der BASTA! in Mainz hast du davon berichtet, dass ihr euch viele Gedanken darüber macht den richtigen Namen für den ausgeschriebenen Job zu finden. Worauf sollte ich als Bewerber achten, wenn ich mich auf eine ausgeschriebene Stelle bewerbe? Und woher weiß ich was sich tatsächlich hinter dem „Head over Heels Coordinator“ versteckt?

Limberger: Ja, die Jobtitel klingen heute sehr verlockend und man muss sich als Bewerber eben auch darüber im Klaren sein, dass eine Jobanzeige auch immer viel Marketinginhalt trägt. Da werden neue Titel erfunden, die viel Verantwortung vortäuschen, letztlich aber nur viel Arbeit bedeuten. Bei Avanade möchten wir in unseren Aussagen authentisch bleiben und in unseren

Stellenausschreibungen Jobtitel verwenden, die den Inhalten auch gerecht werden. Viele können aber mit dem Titel „Berater“ oder „Consultant“ nichts anfangen, da oftmals ein falsches Bild von der IT-Beratung existiert. Letztlich suchen wir Entwickler, die individuelle und technisch komplexe Lösungen für unsere Kunden entwickeln. Wir versuchen das in der Aufgabenbeschreibung auf den Punkt zu bringen und so realistisch wie möglich zu sein. Oftmals nutzen Unternehmen aber die Stellenangebote, um mit imagefördernden Marketingbotschaften ihre Zielgruppe davon zu überzeugen, dass sie der beste Arbeitgeber sind. Letztlich findet der Bewerber aber dann vielleicht nicht das, was er eigentlich erwartet hat und erlebt eine Enttäuschung. Um dies zu vermeiden sollte man schick klingende Jobtitel zunächst neutral betrachten und den Fokus auf die Aufgabenbeschreibung richten. Im Vorstellungsgespräch sollte man dann die Chance nutzen, alle relevanten Fragen zu stellen, die für den persönlichen Karriereplan und für die eigene Zufriedenheit wichtig sind, also z. B.: Finde ich hier die Werte, die meinen entsprechen? Arbeite ich hier mit modernen Technologien? Gibt es Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten? Habe ich hier gewisse Entscheidungsbefugnisse und Freiheiten? … Nur dann hat man am Ende ein klares Bild, ob der Job und das Unternehmen zu einem passen.

DM: Du warst in deiner beruflichen Laufbahn auch länger für Personalentscheidungen zuständig. Welche Tipps kannst du Bewerbern für das persönliche Vorstellungsgespräch mit auf den Weg geben?

Limberger: Um im persönlichen Gespräch zu überzeugen, muss man vor allem gut vorbereitet sein. Man sollte sich über den Arbeitgeber genau informieren und seine persönliche Motivation erkennen lassen: Warum bewerbe ich mich genau auf diese Position? Was motiviert mich daran und was suche ich? Fragen sollten man auf den Punkt beantworten und – wie zuvor erwähnt – eben auch seine eigenen Fragen stellen, die entscheidungsrelevant sind. Generell sollte man klare Vorstellungen haben, was man möchte, aber auch flexibel und offen sein für neue oder zusätzliche Aufgaben, welche der persönlichen Expertise jedoch gerecht werden sollten. Auch sollte man sich vorher über den Dresscode des Unternehmens informieren und nicht zu salopp erscheinen.

DM: Ich sollte mir als Bewerber also unbedingt auch eine Liste an Fragen zusammenstellen, die ich in dem Gespräch beantwortet haben möchte und damit rechnen, einem geschulten Personaler gegenüber zu sitzen. Und was, wenn ich nervös werde und merke, dass ich den herausfordernden Fragen meines Gegenübers nicht mehr gewachsen bin?

Limberger: Wenn man auf die eine oder andere Frage evtl. keine Antwort weiß, ist dies kein K.-o.-Kriterium. Auf jeden Fall ist es besser, offen zu sagen, dass man seinen Schwerpunkt in einem anderen Fachgebiet hat, als zu versuchen, irgendetwas zusammen zu stammeln. Auch zu evtl. Lücken im Lebenslauf sollte man plausible und ehrliche Antworten haben, anstatt etwas zu erfinden, was der Personaler in der Regel schnell durchschaut.

DM: Eine abschließende Frage, die wahrscheinlich nicht nur einigen BASTA!-Teilnehmern auf der Seele brannte. Was ist im Endeffekt wichtiger? Technisches Fachwissen oder soziale Kompetenz?

Limberger: Beides ist wichtig um erfolgreich zu sein. Ich bin jedoch der Meinung, dass man auf einer technisch soliden Basis aufbauen kann und sein Fachwissen erst über die Jahre mit der Erfahrung Schritt für Schritt vertieft. Soziale Kompetenz dagegen ist in den Grundzügen einer Persönlichkeit verankert und nur schwer erlernbar. Jeder Mensch wird im Laufe der Jahre zwar reifer und kann sich z. B. in Konfliktsituationen aufgrund seiner Erfahrungen anders verhalten, als er es vielleicht einige Jahre zu vor getan hat, die Grundbausteine der Persönlichkeit jedoch bleiben dieselben. Ob jemand für das, was er tut begeisterungsfähig ist, ob er bei seiner Arbeit analytisch vorgeht, andere einbezieht und sich mit sachlichen Argumenten durchsetzen kann, sind Aspekte, die sich weiterentwickeln lassen, aber die Veranlagungen dazu müssen vorhanden sein. Daher achten wir bei der Einstellung unserer Mitarbeiter neben der technischen Qualifikationen und Expertise vor allem auch darauf, ob derjenige ins Team und in die Unternehmenskultur passt und uns mit seiner Technologiebegeisterung überzeugen kann.

DM: Vielen Dank für das nette Gespräch. Und von meiner Seite aus noch der Hinweis auf das Buch von Yasmine Limberger „IT Survival Guide: Karriere- und Alltagsratgeber für Einsteiger und Professionals in der IT-Branche“.

Yasmine Limberger ist Dipl. Betriebswirtin und arbeitet seit mehr als zwölf Jahren in der IT-Beratung. Verantwortlich bei Avanade Deutschland GmbH unter anderem für den Bereich Personalmarketing hat sie langjährige Erfahrungen in der Auswahl von IT-Fach- und Führungskräften. Vor Kurzem ist ihr erstes Buch mit dem Titel „IT Survival Guide“ bei entwickler.press erschienen. Yasmine Limberger ist unter yasmine.limberger@avanade.com zu erreichen.

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