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Quo Vadis, HTML5, PHP, JavaScript und DevOps-Teams?
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Die vielen Gespräche und Diskussionen auf der International PHP Conference und WebTech Conference 2012 haben vor allem eines gezeigt: Es geht weg von der einen großen Lösung hin zu einem Netz von spezialisierten Lösungen. Vorbei ist die Zeit, in der man sich sicher sein konnte, dass auf der Serverseite eine PHP-Applikation mit Zend Framework ausreicht, um die Anforderungen zu erfüllen. Genauso wie die Zeit vorbei ist, in der gerenderte HTML-Templates mit etwas JavaScript für nette visuelle Effekte zum Einsatz kamen.

Wandel im Web

Sebastian Springer

Vor allem im Bereich PHP zeichnet sich ein Wechsel ab. Der Platzhirsch Zend Framework in der Version 1 ist in die Jahre gekommen und die Version 2 steht vor der Tür. Diese Lücke nutzt aktuell das Framework Symfony2, um sich auf dem Markt zu etablieren. Mittlerweile stellt sich also wieder die Frage: Welches Framework verwende ich für meine Enterprise Webapplikation?

Aber auch klassische Themen wie Architektur, Webservices und Qualitätssicherung finden ihren Platz auf der Serverseite. Hier steht vor allem die Frage im Raum: Wie kann ich meine Applikation zukunftssicher und solide gestalten, sodass sie die nächsten Monate und Jahre überlebt? Überleben bedeutet hier vor allem die Fähigkeit einer Applikation, mit immer neuen Features und Änderungswünschen der Nutzer umgehen zu können.

Aber nicht nur auf Serverseite ist Bewegung zu erkennen, auch die Clientseite wandelt sich. HTML5, CSS3 und JavaScript bieten vielfältige Möglichkeiten für Webapplikationen, die im Look-And-Feel mit Desktop-Applikationen mithalten können. Vor allem, wenn sie dank Plattformen wie Phonegap oder Titanium auch auf mobilen Endgeräten als Apps verfügbar gemacht werden.

Auch im Frontend ist der Kampf der Frameworks entbrannt und zwar sowohl unter den klassischen Browser-Frameworks wie jQuery oder Ext JS als auch bei ihren mobilen Gegenstücken wie jQuery Mobile oder Sencha Touch. Hier gilt noch mehr als auf der Serverseite: Man sollte für seine individuelle Problemstellung das korrekte Werkzeug beziehungsweise Framework auswählen. Die unterschiedlichen Lösungsansätze unterscheiden sich teilweise gravierend in Architektur und Funktionsumfang, was wiederum Auswirkungen auf die Implementierung der Anwendung hat.

Neben den Vorstellungen und Diskussionen über die einzusetzenden Frameworks gibt es im Bereich JavaScript immer mehr den Trend in Richtung professioneller Entwicklung. JavaScript wird nicht mehr nur unstrukturiert in HTML-Templates verwendet, sondern sauber in eigene Hierarchien ausgelagert und von HTML und CSS getrennt. Auch hier steht die Wartbarkeit und Erweiterbarkeit des Frontend-Codes im Vordergrund.

Die verschiedenen Frameworks liefern auch jeweils ganz unterschiedliche Ansätze, wie der Quellcode zu strukturieren ist. Die Varianten reichen von jQuery, das keine Struktur vorgibt und diese Aufgabe anderen Frameworks wie Backbone.Js oder JavaScriptMVC überlässt, bis hin zu Ext JS, das eine ausgereifte Struktur zur Verfügung stellt.

Aber auch die grundlegenden Standards wie HTML selbst sind einem Wandel unterworfen. Das Standardisierungskomitee W3C arbeitet aktuell an HTML in der Version 5, in die zahlreiche Änderungen einfließen, um mit der technischen Entwicklung mitzuhalten und HTML zu dem zu machen, was es eigentlich ist: eine Auszeichnungssprache, die nichts mit Layout zu tun hat. Große Beachtung genießen momentan die Websockets, ein Kommunikationsprotokoll parallel zu HTTP, mit dem es möglich wird, Informationen nicht nur aktiv vom Client zum Server zu schicken, sondern, dass auch der Server Informationen aktiv zu Client sendet.

Eine derartige Kommunikation ließ sich in der Vergangenheit lediglich über Umwege wie Long-Polling oder Flash-Sockets erreichen. Aber auch andere nützliche Technologien halten Einzug in den HTML-Standard wie beispielsweise Geolocation, Webdatenbanken, Local Storage, die Audio- und Video-Tags und vieles mehr.

Zu HTML und JavaScript kommt in einer Webapplikation auf Clientseite auch noch CSS. Mittlerweile in Version 3 vorliegend sorgen die Cascading Style Sheets für das gute Aussehen der Webapplikation. Neben runden Ecken, Schatten und Farbverläufen tauchen auch hier viele verschiedene Werkzeuge und Frameworks auf, die einem Entwickler die Arbeit erleichtern. Hervorzuheben sind hier dynamische CSS Sprachen wie LESS, Sass oder Stylus. Mit ihnen wird es erstmals möglich, Variablen, Funktionen und Vererbung in CSS zu verwenden.

Ein Thema, das die Teilnehmer auf der IPC und der WebTech mittlerweile seit Jahren begleitet, ist die Qualitätssicherung. Obwohl es auf Serverseite mit Qualitätssicherung für PHP mittlerweile etwas ruhiger wird, nimmt dieses Thema auf Clientseite immer mehr an Fahrt auf.

Viele Sessions zum Thema Testen, Continuous Integration und Continuous Inspection zeigen, wohin die Reise in der nächsten Zeit gehen wird.

Infrastruktur und Deployment schließlich geraten durch die Popularität der DevOps-Bewegung immer mehr in den Fokus bei Webapplikationen. Die zentrale Frage, die sich hier stellt ist: Wie verwalte ich innerhalb eines Teams eine einheitliche Infrastruktur und wie ziehe ich diese bis zum Produktivsystem durch? Ein Player in diesem Bereich, an dem man fast nicht vorbeikommt, wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt, ist Puppet, ein Tool zur Beschreibung und Verwaltung von Systemkonfigurationen. Viele Diskussionen abseits der Sessions zeigen, dass viele Unternehmen ähnliche Probleme bei der Verwaltung ihrer Systeme haben und dieses Thema wohl in Zukunft noch wichtiger werden wird.

Insgesamt war sowohl die IPC als auch die WebTech wieder sehr interessant und es sind viele neue Ideen entstanden, die bis zum Frühjahr und der nächsten Konferenz auf ihre Umsetzung warten.

Sebastian Springer arbeitet seit mehreren Jahren beim PHP-Dienstleister Mayflower in München und ist dort derzeit als Projekt-und Teamleiter tätig. Dabei liegt sein Fokus auf der Entwicklung und Qualitätssicherung von dynamischen Webapplikationen mit JavaScript und PHP.
„Die sportlichste IPC/WebTech, an die ich mich erinnern kann“

Carsten Eilers

„Wie war die IPC/WebTech?“ Gute Frage, schwierige Antwort. Sie war auf jeden Fall in zwei Punkten anders als sonst. Nicht inhaltlich — wie immer gab es interessante Sessions (zum Beispiel „API Authorization with OAuth 2“, die ich leider verpasst habe — ich war mal wieder so in ein Gespräch vertieft, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie spät es ist), wie immer gab es spannende Keynotes.
Anders war zuerst einmal die Location: Die Rheingoldhalle war deutlich anders aufgeteilt als üblich. Da eine Tagung von Honorarberatern parallel lief, war der Ausblick auf den Rhein mit Brettern vernagelt bzw. mit Trennwänden zugestellt. Was alles etwas dunkler machte, zumindest im hinteren Bereich.

Leider war die andere Hälfte des Foyers mit Ausblick auf die Stadt diesmal leer, die dort sonst stehenden Tische mit Steckdosen habe nicht nur ich vermisst. Zwar gab es für uns Speaker eine „Speakerlounge“ mit zwei mit Steckdosen ausgestatteten Tischen, aber da saß man doch ziemlich abgeschottet. Früher haben sich Speaker und Besucher mehr vermischt, da man sich einfach an irgend einen Tisch setzen konnte um seinen Rechner mit Strom zu versorgen. Das hat das „Networking“ doch deutlich erleichtert. Trotzdem kam man natürlich ins Gespräch, sowohl nach den Sessions als auch während der Essenspausen. Und natürlich während der Abendveranstaltungen. Wie immer habe ich viele interessante Gespräche geführt, neue Ideen mit nach Hause genommen und vielleicht auch selbst die eine oder andere Anregung gegeben.

Der zweite Unterschied: Dies war die sportlichste IPC/WebTech, an die ich mich erinnern kann. Karate während der Keynote, Frühsport am Abend mit Kore Nordmann während der PHPopstars. Wenn das so weiter geht, wird irgendwann abends kein Fußball mehr geguckt, sondern gespielt.

Dipl.-Inform. Carsten Eilers ist als freier Berater und Coach für IT-Sicherheit und technischen Datenschutz tätig und als Autor verschiedener Artikel und des Buchs „Ajax Security“ bekannt. Zu erreichen ist er unter ceilers-it.de, sein Blog finden Sie unter ceilers-news.de.
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