Räumt Windows 8 der NSA eine Hintertür ein?
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Die Bundesregierung hat Berichte zurückgewiesen, denen zufolge Microsoft sich durch das sogenannte Trusted Computing eine Hintertür offen gehalten habe, durch die das Unternehmen die Kontrolle über

Die Bundesregierung hat Berichte zurückgewiesen, denen zufolge Microsoft sich durch das sogenannte Trusted Computing eine Hintertür offen gehalten habe, durch die das Unternehmen die Kontrolle über die Software übernehmen und so auch der NSA Informationen über die User liefern könne.

Seit vergangener Woche machten Gerüchte die Runde, dass ein kleiner Trusted-Computing-Chip, der in vielen PCs verbaut ist, der US-Regierung Zugang zu Rechnern verschaffen könne und so eine Überwachung beispielsweise durch die NSA ermögliche.

Das sogenannte Trusted Computing (TC) ist eine Technologie, mit deren Hilfe Betreiber eines PC-Systems die Kontrolle über die verwendete Hard- und Software an autorisierte Dritte abgegeben können. Dazu ist ein spezieller Chip notwendig – ein Trusted Platfrom Module (TPM), das über kryptografische Verfahren die Integrität der Datenstrukturen und Hardware messen kann. Kommt es zu ungewöhnlichen Veränderungen der Einstellung, erhält der Nutzer eine Warnung. Ebenfalls kann vom Modul ein automatischer Abbruch der Programmausführung erfolgen, um eine Installation von Malware und Rootkits zu verhindern. In Windows 8 kommt nun zum ersten Mal das TPM in der Version 2.0 zum Einsatz, das den Gerüchten zufolge jedoch von Microsoft als Hintertür für den unrechtmäßigen Zugang zu Nutzerdaten missbraucht werden kann.

Keine Technik ist zu 100 Prozent sicher

Dabei fürchten die Unternehmen, Behörden und privaten Nutzer nicht nur einen Spionageangriff aus den USA – auch chinesische Geheimdienste könnten sich Zugriff auf unsere Daten verschaffen, da chinesische Firmen Hersteller der Chips sind. Scheinbar bestätigt wurde das Sicherheitsrisiko auch von der Bundesregierung, die anmahnte, dass TPMs und TC keinen vollständigen Schutz vor Missbrauch garantieren könnten. Allerdings dürfte uns allen klar sein, dass keine Technik dem Anspruch auf hundertprozentige Sicherheit gerecht werden kann und so mehren sich nun die Stimmen derer, die in der Berichterstattung Verschwörungstheorien und Hysterie im Zuge der Enthüllungen über die NSA-Spionage sehen.

In einer Stellungnahme zu den Gerüchten und als Update zur ursprünglichen Erklärung des Eckpunktepapiers der Bundesregierung zu Trusted Computing und Secure Boot wies jetzt auch die Bundesregierung eine angebliche Warnungen vor Windows 8 zurück, doch nutzte das Bundesamt für Sicherheit (BSI) noch einmal die Gelegenheit, zu betonen, dass auch TPM 2.0 nicht gänzlich sicher sei:

Das BSI warnt weder die Öffentlichkeit, deutsche Unternehmen noch die Bundesverwaltung vor einem Einsatz von Windows 8. Das BSI sieht derzeit jedoch einige kritische Aspekte im Zusammenhang mit bestimmten Einsatzszenarien, in denen Windows 8 in Kombination mit einer Hardware betrieben wird, die über ein TPM 2.0 verfügt.

Obwohl in vielen Fällen durch die Nutzung von TPM 2.0 mit Windows 8 vielen Nutzern sogar ein Sicherheitsgewinn entstehen kann, gäbe es andere Bereiche, in denen die Nutzung solcher Technologien tatsächlich einen Verlust der Kontrolle über das Betriebssystem bedeute, der mitunter die Sicherheit gefährde. Daher halte man auch die Voreinstellungen, bei denen TC automatisch aktiviert sei, für falsch und man wünsche sich auch für normale User, dass man sich bewusst zum Einsatz des TC entscheiden müsse (Opt-in statt Opt-out).

Generell sollte es IT-Anwendern ermöglicht werden, einen selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Umgang mit Informationstechnik zu pflegen. Dazu gehört beispielsweise auch die Möglichkeit, nach eigenem Ermessen alternative Betriebssysteme und Anwendungen einsetzen zu können.

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