Retrospektiven – kurz & gut
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Die Bücher von O’Reillys „kurz & gut“-Serie kommen vornehmlich in zwei unterschiedlichen Ausprägungen daher: zum einen als kompakte Einführung in ein bestimmtes Thema, zum anderen als praktisches Referenzhandbuch für Hosentasche oder Schreibtisch.

Das vorliegende Buch gehört zur ersten Rubrik. Und nach einer kurzen Einleitung über Sinn und Zweck des Buchs, empfohlener Arbeitsweise und was sonst noch so üblich ist, geht es dann auch recht knackig los. Zunächst werden die zwei Grundregeln, die stark verkürzt „das Gesagte bleibt im Raum“ und „wir gehen davon aus, dass jeder stets gemäß seinem Können gehandelt hat“ sowie ihre Bedeutung für die Retrospektive erläutert. Anschließend wird ein Rezept zur Durchführung einer Retrospektive vorgestellt. Unter einem Rezept versteht der Autor die erforderlichen Materialien (z. B. Raum mit Flipchart, Klebezetteln, Materialien für Teilnehmer), die Agenda, Hinweise zur Durchführung und zu guter Letzt noch einmal eine Zusammenfassung als Spickzettel, kurz gesagt: Zutaten und Anleitung wie bei einem Kochrezept.

Erst deutlich weiter hinten im Buch schreibt Rolf Dräther einige Zeilen über den Sinn solcher Rezepte, um im vorletzten Kapitel zwei weitere vorzustellen. Zwischen diesen Rezeptkapiteln erläutert der Autor Grundlagen und Details von Retrospektiven. Dabei geht er auch auf die Frage „Was ist eine Retrospektive, und wozu dient sie?“ ein. Darüber hinaus erläutert er die grundlegende Struktur, die sich in fünf Phasen aufteilt und die er wohl in Anlehnung an Marc Löffler (dpunkt.verlag) „ den Boden bereiten“, „Daten sammeln“, „Einsichten gewinnen“, „nächste Hypothesen und Experimente definieren“ sowie „Abschluss“ nennt.

Das folgende Kapitel widmet sich ganz der Vorbereitung einer Retrospektive und geht auf Themen wie Motivation, Kontext, Thema, Teilnehmer und mehr ein. Darauf folgt das Kapitel „Facilitieren“, indem Dräther die Rolle des Moderators erläutert. Beim Leser kann sich der Eindruck einstellen, dass eine Retrospektive von einem externen Moderator durchzuführen sei. Wie verhält sich dies aber beispielsweise zu Scrum, wo eine regelmäßige Retrospektive in jeder Interaktion vorgesehen ist? Die Rolle eines Facilitators ist dort nicht vorgesehen. Bald jedoch erhält der Leser auch hierzu eine Antwort: Die Retrospektive kann durch das Team selbst durchgeführt werden. Jedoch hält der Autor es für vorteilhaft, einen teamexternen Moderator einzusetzen – dies könne auch jemand aus einer anderen Abteilung sein.

Insgesamt erhält der Leser so ein Buch, das kompakt in das Thema einführt. Es bietet sicherlich nicht so viele Rezepte und Methodenbausteine wie ausführlichere Werke, dafür liegt sein Charme darin, dem Leser ohne großen Schnickschnack das Wesentliche zu bieten.

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