Wie man soziale Netzwerke für die Karriere richtig nutzt

Rundflug im Web 2.0
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Wer die sozialen Netzwerke erfolgreich nutzen will, sollte einige Regeln befolgen. Wie diese aussehen, erklärt Ihnen Yasmine Limberger.

Im Zeitalter von Web 2.0 wird es immer interessanter, über das Internet weitreichend vernetzt zu sein. Die Entwicklung zeigt, dass der Trend, seine persönlichen Daten für andere online verfügbar zu machen, steigt. Auch viele Unternehmen nutzen mittlerweile die sozialen Medien als Plattform, um ihre Produkte oder Dienstleistungen oder auch ihre offenen Jobs zu vermarkten. Aber egal, ob als Firma oder Privatperson – wer sich der Öffentlichkeit präsentiert, sollte einige Regeln beachten, um letztlich einen professionellen Eindruck zu hinterlassen und die sozialen Netzwerke auch erfolgreich zu nutzen.

Während große, namhafte Unternehmen immer mehr die sozialen Medien nutzen, um ihre Bekanntheit zu steigern, sind IT-Fachleute schon seit Jahren in Communities und Foren aktiv, um ihr Wissen auszutauschen oder einfach nur, um mit Gleichgesinnten über neue technische Trends zu chatten. Somit hatten Technologen auch in der Vergangenheit schon Zugang zu ausgewählten Kreisen und speziellen technischen Themen. Nun erweitert sich der Kreis, die sozialen Medien werden immer funktionaler und immer häufiger auch als Karrierekanal für die persönliche Jobsuche genutzt. Wachsende Unternehmen stellen ihr Profil in Xing, LinkedIn oder gar Facebook, um viele neue „Freunde“ sprich Kunden oder Bewerber, zu finden. Computeranimierte Schauspieler vertreten dabei den firmeneigenen Personalchef oder einen Musterkollegen, damit sich potenzielle neue Mitarbeiter schon mal mit dem Arbeitsumfeld anfreunden können. Tag und Nacht kann man in Twitter Fragen zum neuen Job und zu den Arbeitsbedingungen stellen und so letztlich eine Entscheidung treffen, ob man sich bei diesem Unternehmen als neuer Kollege bewerben möchte. Links führen zu den offenen Positionen und Kontaktpersonen, bei denen man sich melden kann. Eigentlich nichts Neues, wenn auch das erweiterte Angebot ungeahnte zusätzliche Möglichkeiten eröffnet, die heute noch gar nicht alle ausgeschöpft sind. Beispielsweise könnte man sich vorstellen, zukünftig noch über Webkamera live an seinem zukünftigen Schreibtisch Platz zu nehmen, seinen neuen Kollegen beim Arbeiten zuzuschauen und sich live einen Eindruck von der Büroatmosphäre zu machen. Ob der Kaffee allerdings im neuen Büro ebenso gut schmeckt wie beim bisherigen Arbeitgeber und das Kantinenessen weniger versalzen ist, muss jeder noch selbst herausfinden.

Zum einen lassen sich soziale Netzwerke also nutzen, um mögliche neue Arbeitgeber genauer unter die Lupe zu nehmen, andererseits nutzen aber auch Personaler verstärkt die Möglichkeit, über ihre Bewerber im Internet mehr herauszufinden als das, was aus den Bewerbungsunterlagen hervorgeht. Heute ist es also nicht nur wichtig, intelligent nach einem neuen Job zu suchen, sondern es geht auch darum, intelligent gefunden zu werden. Denn neben Personalentscheidern suchen auch Headhunter ganz gezielt in den gängigen Netzwerkplattformen nach Kandidaten. Und daher sollte einem bei der persönlichen „Online-Zurschaustellung“ bewusst sein, dass alle Informationen, die über die eigene Person im Internet verfügbar sind, ausschlaggebend für neue Karrierechancen sein können oder eben auch ein potenzielles Risiko darstellen, wenn z. B. auf flickr.com Bilder von der letzten Mallorca-Flatrate-Party auftauchen. Peinliche Fotos oder unqualifizierte Beiträge im Netz sind also auf jeden Fall zu vermeiden. Was gilt es sonst noch zu beachten, wenn man das Internet und soziale Medien als Vitamin B für die Karriere nutzen möchte?

  1. Sich richtig profilieren: Als Erstes sollte ein aussagekräftiger Lebenslauf in den einschlägigen Kanälen im Web eingestellt werden. Zu empfehlen sind: Soziale Netzwerke wie Xing, LinkedIn oder auch Facebook sowie bekannte Jobbörsen, z. B. Monster oder Stepstone. Ein aussagekräftiger Lebenslauf bedeutet in diesem Fall, dass man wie in einer direkten Bewerbung seinen C.V. übersichtlich und chronologisch aufbaut, seine aktuelle Rolle kurz beschreibt und wichtige Zusatzinformationen (wie z. B. räuPräferenzen, Technologiefokus etc.) angibt.
  2. Der Mehrwert steuert den Erfolg: Bei der persönlichen Darstellung sollte man immer im Kopf haben, dass die Unternehmen nach „besonders guten“ Kandidaten Ausschau halten. Es geht darum, Alleinstellungsmerkmale klar zu umreißen. Wichtig ist, dass sich Kandidaten so darstellen, dass der potenzielle Arbeitgeber den echten Mehrwert für sein Unternehmen sieht. Die Bewerber sollten sich geschickt mit Ihrer Kompetenz vermarkten, aber nicht als arroganter Schwätzer erscheinen, der alles kann.
  3. Privatangelegenheiten für sich behalten: Zu private Details z. B. zur persönlichen Lebenssituation (alleinerziehend, Vater zahlt keinen Unterhalt o. ä.) sowie seinen Gehaltswunsch oder auch religiöse Einstellungen sollte man niemals im Web veröffentlichen. Solche Informationen können vom Leser ihres Profils missverstanden oder als kritisch empfunden werden. Beschränken Sie sich daher auf Informationen, die für Ihre Jobpräferenzen wichtig sind.
  4. Bitte melden! Einige Plattformen bieten die Möglichkeit, auszuwählen, warum man sich in das soziale Netzwerk eingetragen hat. Nur wenn man explizit angibt, auch an neuen Karrierechancen interessiert zu sein, darf das suchende Unternehmen rein rechtlich das Mitglied über aktuelle Jobs direkt per E-Mail informieren. Die meisten Arbeitgeber beachten diese rechtliche Vorgabe. Wenn Sie also daran interessiert sind, dass man Sie auf passende offene Positionen direkt anspricht, vermerken Sie dies in Ihrem Onlineprofil.
  5. Zum Blogger werden: Auch eine eigene Website oder ein eigener Blog sind ein guter Start, sich eine Onlinereputation aufzubauen. Hier sollte man sich am besten regelmäßig zu einem technischen Thema äußern, zu dem man auch etwas zu sagen hat. Die Informationen im Blog sollten Ihre Kompetenz und Erfahrungen widerspiegeln und für die Leser locker und sachlich sowie informativ und aktuell erscheinen.
  6. Suchmaschinen unterstützen: Es reicht nicht aus, darauf zu warten, dass interessante Leute von selbst auf Ihre Seite kommen. Sorgen Sie auch dafür, dass die Inhalte auf Ihrer Seite oder Ihrem Blog einfach gefunden und gelesen werden können. Verständliche Titel und kompakte, in Abschnitte gegliederte Inhalte erleichtern es dem Besucher, sich schnell zurechtzufinden.
  7. Kontrolle ist besser: Das Internet ist ein riesiger Kosmos. Jeder hat heute Zugang zu allem und es ist ratsam, ein gewisses Maß an Kontrolle zu behalten. Zum einen wollen Sie, dass die richtigen Personen Ihr Profil oder Ihre Seite besuchen, zum anderen interessiert es Sie, ob z. B. der Personaler des Unternehmens, bei dem Sie gerade im Bewerbungsprozess sind, sich Ihr Profil angeschaut hat. Das Monitoring ist einfacher als man denkt. Xing und andere Plattformen bieten bereits eine regelmäßig Übersicht dazu, wer in den letzten Tagen das persönliche Profil eingesehen hat. Gleichzeitig kann man sich einer Reihe von Services bedienen, um auf dem Laufenden zu bleiben: z. B. Google News Alert, Google Analytics und viele andere.
  8. Follow me: Wenn man sich für bestimmte Unternehmen interessiert, sollte man ganz konkrete Kontaktanfragen über die soziale Plattform an die Kontaktadresse senden oder sich als „Friend“ bzw. „Follower“ eintragen. So bleibt man mit dem Unternehmen in Verbindung und erfährt frühzeitig und automatisch Neuigkeiten über offene Jobs oder wird persönlich zu Events eingeladen.
  9. Out of office: Wird man von einem Personaler oder Headhunter über das Internet kontaktiert, sollte man möglichst zeitnah antworten. Wer absehen kann, dass er über längere Zeit seine E-Mails oder Kontaktanfragen nicht abrufen kann, sollte auf seiner Seite bzw. seinem Profil vermerken, ab wann er wieder erreichbar ist.
  10. Google dich selbst: Einige Personaler geben den Namen von Bewerbern einfach in Google ein und werten zunächst nur aus, was hier zu finden ist. Von Zeit zu Zeit sollte man daher mal die Treffer auf seinen persönlichen Namen in Google ausprobieren und checken, ob es Seiten und Profile mit Informationen gibt, die man aktualisieren oder gar beseitigen sollte.

Wer im Netz unterwegs ist und die sozialen Medien auch für seine Karriereplanung nutzen möchte, sollte also aufmerksam sein und die Möglichkeiten sorgfältig auswählen. Im Gegensatz zu Foren oder Chatrooms tritt man in sozialen Medien nämlich meist mit seinem richtigen Namen auf, um auch von relevanten Personen gefunden zu werden. Das bedeutet dann aber eben auch, dass viele Informationen zur eigenen Person einsehbar sind. Achten Sie daher darauf, dass Sie sensible Daten und Informationen schützen und nur für registrierte Nutzer oder Freunde sichtbar machen. Hier gilt es eine Balance zu finden zwischen den Informationen, die wichtig für das berufliche Weiterkommen und die Erreichbarkeit sind sowie den privaten Daten und Kontakten, die nicht jeder sehen muss. Gerade das Thema Datenschutz im Internet ist seit einiger Zeit viel diskutiert und steht mittlerweile sogar auf der Agenda der Bundesregierung, da es bereits an vielen Stellen zum Datenmissbrauch bzw. zur ungewollten Einsicht von nicht geschützten Daten gekommen ist. Als Technologe ist einem die Komplexität, die das Internet an Daten und schwarzen Löchern mit sich bringt, bewusst, schützen Sie daher Ihre Privatsphäre und Ihre sensiblen Daten entsprechend.

Fazit: Soziale Medien sind auch bei der Karriereplanung auf dem Vormarsch. Wer auf professionelle Weise dafür sorgt, im Internet von interessanten Leuten gefunden zu werden, vergrößert nicht nur sein Netzwerk, sondern kann auch seine Karrierechancen verbessern.

Yasmine Limberger ist Dipl.-Betriebswirtin und arbeitet seit mehr als 10 Jahren in der IT-Beratung. Verantwortlich beim Systemintegrator Avanade Deutschland GmbH u. a. für die Bereiche Recruiting und Personalmarketing, hat sie langjährige Erfahrungen in der Auswahl von IT-Fach- und Führungskräften. Ihre Spezialgebiete sind neben Persönlichkeitswahrnehmung, Training und Coaching auch Marketing und Alliance Management. Yasmine Limberger ist erreichbar unter: yasmine.limberger@avanade.com.

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