Bericht vom Azure Day auf der BASTA! 2012

Schöne neue Wolkenwelt
Kommentare

Microsofts Cloud-Variante heißt Windows Azure und ist nun seit einem Jahr mit vielen verschiedenen Services verfügbar. Die Möglichkeiten, die sich mit der neuen Technologie bieten, wurden auf der BASTA! 2012 in Mainz auf dem Azure Day vorgestellt. Denn: Wer sich auf den Weg in die Cloud macht, muss sich Gedanken darüber machen, was er dort will und wie er zu seinem Ziel kommt.

Cloud Computing birgt ungeahnte Potenziale und ist vielleicht gerade deshalb nach wie vor mit Skepsis behaftet: Eine neue, virtuelle Welt hat sich aufgetan, die ein gewisses Umdenken fordert und nicht selten ist es so, dass das Unbekannte und Neue erst einmal aus der sicheren Distanz betrachtet werden will.

Nichts verdeutlichte diesen Umstand bei der BASTA! so deutlich wie die Session von Christian Weyer (thinktecture): „Hallo? Das hier ist eine Session über Cloud – seid ihr sicher, dass ihr hier richtig seid?“, fragte er bei seiner gut besuchten Session „Mobile und Cloud: Apps und Devices mit, in und über Windows Azure verbinden“ mit scheinbarer Fassungslosigkeit.

Dabei ist gerade die Kombination Cloud und Mobile ein Thema, das uns in naher Zukunft intensiv beschäftigen wird: Windows Azure Mobile Services sind seit Ende August als Preview verfügbar und richten sich an leichtgewichtige Anwendungen, die auf mobilen Endgeräten ausgeführt werden und häufig über Backend-Services vernetzt sind. Über diese Dienste tauschen die einzelnen Clients zum Beispiel Daten aus, speichern Daten oder führen Authentifizierungen durch. In den Services enthalten sind vereinfachte Möglichkeiten zur integrierten Benutzerauthentifizierung, zum Versand von SMS-Nachrichten und E-Mails oder auch für Push Notifications.

Christian Weyer gab einen ersten Einblick in die neuen mobilen Services, zeigte, welche Storage-Optionen es zur Datenhaltung, d.h. sowohl Daten als auch Anwendungen, gibt und wie sinnvoll sie jeweils einzusetzen sind. Wenn die Daten also erst einmal in einem Azure Storage angelegt und vorgehalten sind, können komplette Anwendungen wie Web Applications und Service-basierte Anwendungen in der Cloud betrieben werden. Das lädt ein, mobile Clients mit einem Windows Azure Cloud Backend auszustatten. Dass mit dem neuen Services Device-übergreifend gearbeitet werden kann, bewies Weyer, indem er ein iPhone in die Demo miteinband. Viel mehr noch: Mobile Services sind „complete open-minded for other platforms“. Und nebenbei liegt ihre Nutzung preislich in etwa vergleichbar mit dem Service Azure Web Sites.

Auf die ging Rainer Stropek (software architects) genauer ein. Windows Azure Web Sites sind ebenfalls ein neuer Service, dessen Preview bereits mit dem Spring Release eingeführt wurde. Mit dem Service können Websites ohne weitere Änderungen in der Cloud bereitgestellt werden – sofern sie mit ASP.NET, PHP oder Node.js erstellt wurden. Der Betrieb von bis zu zehn Websites ist momentan kostenlos. Stropek erläuterte in diesem Zusammenhang das Prinzip der „Multi Tenancy“, frei übersetzt bedeutet das etwa „mehrteilige Mieterschaft“ und so kann man sich das Ganze auch vorstellen: Mehrere Tenants teilen sich eine Infrastruktur, ebenso wie sich Mieter ein Haus teilen – nur dass jeder Mieter innerhalb eines Hauses seine eigene Wohnung hat, auf die die anderen Mieter keinen direkten Zugriff haben. Das ist unerlässlich, wie Stropek deutlich machte: „Sieht einer Ihrer Tenants die Daten eines anderen, wird das mit hoher Wahrscheinlichkeit das Ende Ihres Geschäfts bedeuten.“

SQL Database oder SQL Server VM? - Mit dem Entscheidungsbaum eine leichte Frage (Quelle: Nuno Godinho)
SQL Database oder SQL Server VM? – Mit dem Entscheidungsbaum eine leichte Frage (Quelle: Nuno Godinho)

Rainer Stropek gab hilfreiche Tipps mit auf den Weg, wie etwa, auf Application-Level immer das Snapshot-Feature zu nutzen, denn vor Server Failures oder Data Center Outages ist natürlich auch Microsofts Cloud nicht gänzlich gefeit. Dennoch: Microsoft hat zumindest bisher keine Daten endgültig verloren, wenn es zu Ausfällen kam und verspricht eine 99,9-prozentige Verfügbarkeit. Bleiben aber immerhin 0,1 Prozent, zu denen jeder Cloud-Nutzer einmal zählen könnte. Auch auf dieses Risiko machte Stropek aufmerksam: „Wenn Sie in die Cloud gehen, müssen Sie vorher kalkulieren, ob Sie sich einen Outage leisten könnten.“

Darüber hinaus erfuhren die Teilnehmer, was in puncto Skalierbarkeit und Sicherheit zu beachten ist. Gerade die dynamische Skalierbarkeit mache die Cloud „sexy“, so Stropek, ebenso wie flexiblere und kosteneffektivere Ressourcennutzung.

Im Falle von bereits existierenden Anwendungen stellt sich die Frage nach der Migration in die Cloud. Ein Punkt, auf den Nuno Godinho (Aditi Technologies) ausführlich einging. Eine Migration sollte immer mit einer entsprechenden Strategie einhergehen: Am Anfang steht die Analyse der vorliegenden Architektur, der Features und der verwendeten Daten.

Danach wird ein Plan erarbeitet: Kosten, Anforderungen, Zeitrahmen, etc. Die Datenmigration ist wiederum in verschiedene Aspekte unterteilt: Nicht-relationale Daten in den Azure Storage, relationale Daten in die SQL-Datenbank. Tipp: Zur Frage der Kostenberechnung beim Einsatz von Azure stellte Michele Leroux Bustamante (IDesign) in ihrer Keynote am Dienstagabend ein umfangreiches Excel-Sheet vor, das von ihrem Blog heruntergeladen werden kann.

Bei der Migration von Applications sind noch einmal andere Aspekte zu bedenken (siehe Grafik). Optimierung und Testing werden gefolgt von Operation und Management.

Schritte einer Migrations-Strategie (Quelle: Nuno Godinho)
Schritte einer Migrations-Strategie (Quelle: Nuno Godinho)

Der Azure Day vermittelte neben Grundlagen auch spezifizierte Anwendungsszenarien mit, in und über Windows Azure und dürfte wieder ein paar Skeptiker von den vielen neuen Möglichkeiten und Services in Microsofts neuer Wolkenwelt eines Besseren belehrt haben.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -