Schrödinger programmiert C++
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C++ ist mächtig und performant, verlangt dafür aber eben auch Genauigkeit. Gut beraten ist man da mit einem Lehrbuch, das die Irrungen und Wirrungen der C++-Programmierung mit all ihren Tücken und Stolperfallen

C++ ist mächtig und performant, verlangt dafür aber eben auch Genauigkeit. Gut beraten ist man da mit einem Lehrbuch, das die Irrungen und Wirrungen der C++-Programmierung mit all ihren Tücken und Stolperfallen aufzeigt. Das klingt nach einem harten Stück Arbeit? – Ist es auch: „C++ ist gnadenlos. Es verzeiht keine Fehler. Keinen einzigen. Aber Sie haben es ja so gewollt.“

So richtig einladend klingt „Schrödinger programmiert C++“ zunächst ja nicht, wäre da nicht noch dieser Schrödinger selbst und das Versprechen, dass mit ihm das Lernen von C++ wie der „ultimative Südbalkon“ voller Freude und Spaß wird. Das klingt schon weniger abschreckend, oder? Und noch dazu kommt der Protagonist durchaus sympathisch daher. Mit Talent, Katzenphobie und Sandalen besticht der schlaksige Neuentwickler, der uns durch das gesamte Buch begleitet – oder besser gesagt: den wir als Leser begeleiten.

Die „Theorie“ findet in Schrödingers Büro statt. Hier wird erst einmal beschrieben, wie man sich richtig in der Entwicklungsumgebung für C++ einrichtet. Danach wird das erste Programm geschrieben, über Schrödingers Lernprozess erfährt der Leser, was zu einem Grundgerüst gehört und wie ein Programm aufgebaut sein muss. In Schrödingers Werkstatt wartet guter und schlechter Code zum Reparieren, Ergänzen und Verbessern, in seinem Wohnzimmer gibt es Übungen mit viel Kaffee und verdienten Pausen.

Der Leser erfährt durch Schrödinger, was er über C++ wissen muss, etwa dass die Programmiersprache mit Basistypen „verdammt pingelig“ ist (Kapitel 3). Auf die Arbeit mit Zahlen, Kontrollstrukturen und Schleifenarten folgt eine ungemütliche Auseinandersetzung mit Arrays, Strings, Vektoren, Strukturen und Zeigern. Schrödinger hat zwar keine Ahnung, worum es hier eigentlich geht, ist sich aber sicher, dass am Ende die große Erleuchtung kommt – das wirkt ermutigend für alle, die sich zwischenzeitlich etwas von der Informationsflut überwältigt fühlen: am Ende wird schon alles Sinn machen.

Irgendwann muss auch Schluss sein mit Copy and Paste, darum lernt Schrödinger in Kapitel 7 Codestellen als Funktionen zu implementieren und eine Header-Datei oder gar eine Bibliothek dafür zu erstellen. Schlüsselwörter, Klassen, Operatoren, Templates, Ausnahmebehandlung und vieles mehr. Immer wieder werden Analogien zum Kuchenbacken eingebaut, etwa wenn Templates mit Plätzchenausstechern verglichen werden oder die Standard Template Library als Fertigbackmischung erklärt wird. Das mag zunächst vielleicht allzu banal wirken, ergibt aber insofern sehr viel Sinn, da es komplexen Sachverhalten eine gewisse Alltäglichkeit gibt.

Manchmal wird es dem Leser zugegebenermaßen schwer gemacht, die eigentlich fundierte und professionelle inhaltliche Auseinandersetzung mit C++ in diesem Fachbuch wirklich ernst zu nehmen. Etwa wenn es heißt, dass man einen String ja nicht nur als Unterwäsche tragen, sondern auch Text damit verarbeiten kann und im Codebeispiel die Stringklassen mit tanga01 bis 07 benannt sind.

Andererseits macht gerade das ja den „Südbalkon“-Charakter des vorliegendes Buchs aus: Schrödinger ist ein Fachbuch, nur eben ganz anders als alle anderen Fachbücher. Einsteiger werden auf lockere, ungezwungene Art in die komplexe C++-Programmierung eingeführt, Fortgeschrittene können ihr Wissen auf unterhaltsame Weise auffrischen. Gespickt ist das Ganze mit vielen Aufgaben und Beispielen. Wer sich durch den Wälzer durchgearbeitet hat, erhält denn auch die frohe Botschaft: „Die echte Praxis und der (manches Mal) graue Programmieralltag steht dir erst noch bevor. Aber du bringst viele Grundlagen mit.“

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