Kolumne: Karrieretipps

Sehen und gesehen werden. Gute Leistungen müssen sichtbar sein
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Ihr Kollege wird befördert und das, obwohl Sie doch das letzte Projekt gerettet haben. Ihr Chef steht schon zum dritten Mal in Ihrer Tür und fragt nach einer Spezifikation, die eigentlich ein anderer hätte machen sollen. Haben Sie auch manchmal den Eindruck, dass keiner so genau weiß, für was Sie verantwortlich sind und was Sie eigentlich leisten? Wieso sieht niemand, wie kompetent und engagiert Sie sind? Kann das daran liegen, dass Sie einfach nur stillschweigend und professionell Ihren Job machen und Ihre Arbeit pünktlich abliefern ohne groß aufzufallen? Dann wird es Zeit, dass Sie den Mantel, der Sie unsichtbar macht, ablegen und für mehr Präsenz sorgen. Aber wie?

Bescheidenheit ist im Job unangebracht. Wer seine Arbeit und seine Leistung für andere nicht sichtbar macht, erbringt in deren Augen auch keinen Mehrwert. Das heißt nicht, dass man täglich herumposaunen muss, wie unersetzbar und genial man ist. Es geht lediglich darum, dass Kunden, Kollegen, andere Abteilungen und auch der Vorgesetzte erkennen, dass Sie mitdenken und Ihre Aufgaben verantwortungsbewußt und zuverlässig erledigen. Dazu gehört jedoch, dass man für die anderen auch physisch sichtbar ist. Also auf andere zugeht und in wichtigen Meetings, Telefon- oder Webkonferenzen regelmäßig seine Ideen, Lösungen oder Ergebnisse präsentiert. Nur so machen Sie sich einen Namen und treten als kompetenter Experte und Ansprechpartner für spezielle Themen in Erscheinung.

Es reicht also oft nicht, einfach nur einen super Job zu machen. Wer immer nur im Hintergrund agiert, gilt bei anderen zwar womöglich als solider Mitarbeiter, nicht aber als förderungswürdiger Aufsteiger. Neben der technischen Expertise sind somit heute auch Eigenschaften wie Mitdenken, Vorausschauen sowie eine zielsichere Kommunikation und Serviceorientierung gefragt, um voranzukommen. Vielen jedoch fällt es schwer, ihre Arbeitsergebnisse und Erfolge auf den Punkt zu bringen und den Mehrwert für andere sichtbar zu machen. Sei es, weil man dazu schlichtweg zu wenig Zeit hat oder weil man einfach nicht der Typ ist, der ständig über seine Arbeit und seine Erfolge spricht. Machen Sie sich aber bewusst, dass es darum geht, eine Balance zu finden zwischen guten Leistungen und einem gesunden Selbstmarketing. Die Zeit, die Sie investieren, um Ihre Funktion, Ihre Kompetenz und Ihre Leistungen darzustellen, zahlt sich in jedem Fall aus. Springen Sie also, wenn es sein muss noch heute über Ihren Schatten und beherzigen Sie folgende Punkte: 

  1. Legen Sie Ihrer Arbeit eine Stellenbeschreibung zugrunde: In vielen Unternehmen sind Stellenbeschreibungen Standard. Sie werden meist erstellt, wenn eine Stelle neu entstanden oder neu zu besetzen ist. Auch anstehende Audits geben oft Anlass, Stellenbeschreibungen für jede Position im Unternehmen zu definieren. Oft werden diese dann von der Personalabteilung in einem Formblatt zusammengefasst. Existiert für Ihre Stelle jedoch keine oder eine veraltete Stellenbeschreibung, nehmen Sie Ihr Schicksal selbst in die Hand und schreiben Sie Ihre Rolle, Ihre Aufgaben und Verantwortlichkeiten einmal detailliert auf. Dies führt Ihnen selbst einmal schwarz auf weiß vor Augen, was Sie eigentlich alles leisten. Zudem hilft diese Auflistung, um am Ende eines Jahres oder einer gewissen Periode Ihren Aufgaben, Verantwortlichkeiten und zusätzlichen Projekten letztlich auch Erfolge gegenüber zu stellen.
  2. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten: Gibt es in Ihrem Unternehmen keine standardisierten Zielsetzungs- und Beurteilungsgespräche bitten Sie Ihren Vorgesetzten dennoch mindestens 2 mal im Jahr um ein ausführliches Gespräch, bei dem Sie Ihre aktuellen Aufgaben beleuchten und gegebenenfalls aufgrund neuer Ziele entsprechend anpassen. Fragen Sie Ihren Chef auch regelmäßig nach einem Feedback. Nur so bekommen Sie ein Bild davon, wie er Ihre Arbeit wahrnimmt. Bereiten Sie sich auf ein solches Zielsetzungs- und Feedbackgespräch ausgiebig vor. Stellen Sie mindestens 3-5 Erfolge der letzten 12 Monate dar, die einen Mehrwert Ihrer Arbeit belegen. Bitten Sie auch andere Fachabteilungen, Kunden oder Kollegen um ein Feedback (möglichst schriftlich), das Sie als Gesprächsgrundlage verwenden können. Außerdem lernen Sie auf diese Weise auch, wie andere Sie wahrnehmen und Ihre Arbeit beurteilen.
  3. Arbeiten Sie regelmäßig vor Ort: Die heutige mobile Technologie ermöglicht uns ein effektives Arbeiten an verschiedensten Orten. Teams werden immer virtueller. Das Arbeiten im Home Office ersetzt das Büro. Auch hier heißt es wieder, eine Balance zu finden. Wer mit Kunden arbeitet, sollte häufig vor Ort sein, um seine Arbeit sichtbar zu machen und auch mal ad hoc ansprechbar zu sein. Aber auch für Kollegen und den Vorgesetzten sollte man regelmäßig im Büro präsent sein und das Home Office z. B. nur an einem festen Tag nutzen, um in Ruhe konzeptionelle oder Routinearbeiten erledigen zu können. Der Mensch ist von Natur aus ein Rudeltier und wer rein faktisch kaum in Erscheinung tritt, muss sich eher rechtfertigen, was er eigentlich inhaltlich macht. Dennoch kann man auch in virtuellen Teams sichtbar bleiben, indem man die mobile Technik auch effektiv nutzt. Das bedeutet, dass man z. B. über einen Messenger Service jederzeit erreichbar ist, regelmäßige Statusberichte an einen definierten Verteiler per E-Mail kommuniziert und sich in Telefon- oder Webkonferenzen auch aktiv einbringt.
  4. Bleiben Sie am Ball: Wenn Sie das Gefühl haben, dass die Kommunikation im Team oder zwischen verschiedenen Abteilungen zu kurz kommt, kümmern Sie sich um einen regelmäßigen Austausch. Laden Sie zu monatlichen Statusmeetings mit einer festen Agenda ein. Nutzen Sie dabei die Chance, Ihre Ergebnisse und Leistungen zu präsentieren und nehmen Sie die Informationen der anderen auf, um darauf entsprechend reagieren zu können.
  5. Stellen Sie sich auch mal in den Mittelpunkt: Wenn Sie feststellen, dass andere sich mit Ihren Lorbeeren schmücken, verzichten Sie auf persönliche Angriffe und Konfrontationen. Verharren Sie aber auch nicht schmollend im Hintergrund. Demonstrieren Sie lieber Fairplay und präsentieren Sie sich als Teamplayer. Stellen Sie heraus, dass Sie sich über die Erfolge des Teams freuen, und dass Ihre Vorschläge dabei berücksichtigt wurden und letztlich auch zum Erfolg beigetragen haben.
  6. Achten Sie auf eine gesunde Selbst- und Fremdwahrnehmung: Reflektieren Sie Ihre Arbeitsweise und Ihr Auftreten regelmäßig. Achten Sie darauf, wie Sie Ihre Erfolge bzw. Leistungen gegenüber anderen kommunizieren. Auch wenn Bescheidenheit nicht weiterhilft, Selbstüberschätzung und Arroganz wirken dabei genauso als Killer. Finden Sie also ein gesundes Maß an Selbstmarketing, das vor allem Ihre Einsatzbereitschaft und Serviceorientierung unterstreicht. Denken Sie in Ihrem Tun auch an andere, unterstützen Sie Kollegen mit Ihrem Fachwissen und bleiben Sie auch in hektischen Zeiten für die Kollegen ansprechbar. Das bringt Ihnen Bonuspunkte und lässt Sie professioneller erscheinen, als bei hoher Arbeitsbelastung nur noch Augen für die Erledigung Ihrer Arbeit zu haben.
  7. Bleiben Sie authentisch: Auch wenn Sie nicht der Typ sind, der gerne auf den Putz haut, versuchen Sie zumindest von Zeit zu Zeit über Ihren Schatten zu springen und sich und Ihre Arbeit in Meetings oder vor Ihrem Chef systematisch und gut vorbereitet zu präsentieren. Als „Schattenspringer“ müssen Sie sich jedoch nicht total verbiegen. Bleiben Sie authentisch und solide wie bisher, arbeiten Sie lediglich an Ihren kommunikativen Eigenschaften.

Fazit: Zum beruflichen Erfolg gehört es insbesondere, dass die eigene Arbeit von anderen auch gesehen wird. Nutzen Sie dieses bisher evtl. ungenutzte Potenzial und beteiligen Sie sich ab sofort regelmäßig am „beruflichen Schaulaufen“. Bleiben Sie dabei aber Sie selbst und bringen Sie lediglich den Mehrwert Ihrer Arbeit sowie Ihre Ideen und Lösungsvorschläge deutlich auf den Punkt.

Yasmine Limberger ist Dipl. Betriebswirtin und arbeitet seit mehr als 12 Jahren in der IT-Beratung. Verantwortlich bei Avanade Deutschland GmbH u. a. für den Bereich Personalmarketing, hat sie langjährige Erfahrungen in der Auswahl von IT-Fach- und Führungskräften. Vor Kurzem ist ihr erstes Buch mit dem Titel „IT Survival Guide“ bei entwickler.press erschienen.
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