Endlich richtig programmieren

SharePoint für Entwickler
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SharePoint hat eine multiple Persönlichkeit. Es ist Applikation für Benutzer, Baukasten für Poweruser, Plattform für Applikationen und Framework für Softwareentwickler. Das ist komplex, vielschichtig und mit erheblichem Aufwand für Einsteiger verbunden. Beherrschen Sie das Monster aber erst einmal, werden Sie mit einer äußerst effektiven Programmierumgebung belohnt.

Der Einsatz von SharePoint als allgemeine Plattform für alle Anwendungen im Unternehmen ist ein faszinierender Gedanke. Die Homogenisierung der Softwarelandschaft und das bereits in der Grundausstattung reichhaltige Funktionsangebot versprechen Kosteneinsparungen und Arbeitserleichterung für Administratoren. Dies kann man alles auch anders haben, aber SharePoint besticht auch Endanwender durch eine intuitive und flexibel anpassbare Oberfläche. Allerdings sind im Unternehmensumfeld vielfältige Anforderungen zu finden, und nicht jede lässt sich mit Listen, XSLT und ein bisschen SharePoint Designer erledigen. Der Gedanke liegt nahe, SharePoint als Applikation zu betrachten und alles andere wie bisher in ASP.NET zu erledigen. Nun hat SharePoint aber auch ein reichhaltiges API (Application Programming Interface), mit dem Softwareentwickler auf nahezu alle Interna zugreifen können. SharePoint ist auch Lieferant einer reichhaltigen Sammlung von Steuerelementen. Es ist also genau genommen ein eigenständiges Framework. Bevor Sie jetzt denken: „Oh nein, nicht noch ein Framework!“, sollten Sie wissen, dass dieses vollständig auf .NET aufbaut und die Steuerelemente ausnahmslos ASP.NET-basierte Benutzersteuerelemente (User Controls) sind. Auch wenn eine dünne COM-Schicht tief in SharePoint 2010 noch immer für die nötige Performance sorgt, ist die Welt für den .NET-Entwickler weitgehend heil.

Aller Anfang ist schwer

Die Tatsache, dass sich eine Programmierumgebung als Programm tarnt, ist für Einsteiger eine erhebliche Hürde. Immerhin lässt sich SharePoint aber in nur ein paar Schritten installieren. Auch ist zumindest die Foundation ist kostenfrei und für die meisten Programmierprojekte völlig ausreichend. Dass aber SharePoint 2010 64Bit zwingend erfordert, stellt hingegen schon eine deutliche Hürde dar. Wenn Sie ein aktuelles Laptop mit Windows 7 x64 bestückt besitzen, können Sie gleich starten, und noch einfacher haben Sie es, wenn Sie in einer virtuellen Maschine entwickeln können. Nur ein Windows 2008 Server x64 muss es sein, dann kann es auch schon losgehen. Im Kasten „Entwicklungsumgebung“ finden Sie jeweils eine Empfehlung für Vielreisende und stationäre Entwickler.

Wer SharePoint-2010-Applikationen entwickeln will, muss sich auf höhere Hardwareanforderungen einstellen.

Vielreisenden sei empfohlen, ein dediziertes Laptop mit Windows Server 2008 R2 x64 zu benutzen, das mit 8 GB RAM gut bestückt ist. 4 GB reichen notfalls, um gelegentlich damit zu arbeiten. Vom regulären Arbeitsgerät verbinden Sie sich mit Remote Desktop. Ein Tipp am Rande: Um den Ruhezustand zu benutzen, müssen Sie die Hyper-V-Rolle abschalten. Das geht auch über Dual-Boot, falls Hyper-V gelegentlich benötigt wird. Steht ein zweites Gerät nicht zur Verfügung, sollte als Basis wieder Windows Server 2008 R2 x64 oder Windows 7 dienen. Läuft SharePoint hier in einer virtuellen Maschine, sind mindestens 8 GB Pflicht.

Für eine stationäre Entwicklungsumgebung ist Virtualisierung unbedingt zu empfehlen. Sehr effizient in Bezug auf Hardwareressourcen geht Parallels Virtuozzo zu Werke. Ein Server mit z. B. 20 GB RAM verkraftet leicht eine Farm mit mehreren Servern, denen jeweils der komplette Speicher zur Verfügung steht – ideal, um im Team zu entwickeln.

Entwicklungsumgebung

SharePoint als Entwicklungsplattform zu erkennen, fällt den meisten Entwicklern nicht leicht. Klar, mal ein Web Part schreiben, das kann so schwer nicht sein. Sogar ein Workflow ist eigentlich ein ziemlich isoliertes Projekt, bei dem nur punktuell auf SharePoint zugegriffen wird. Applikationen auf Basis von SharePoint laufen in einer speziellen Laufzeitumgebung. Diese fußt weitgehend auf ASP.NET, wurde aber durch vielfältige Erweiterungen angepasst. Wer sich mit den Erweiterungsmöglichkeiten von ASP.NET auskennt, hat es einfacher, mit den Interna von SharePoint umzugehen. Der Titel in [1] bietet dazu eine sehr kompakte Einführung. Neben den Besonderheiten der Laufzeitumgebung weist SharePoint auch das Verhalten eines Applikationsservers auf. SharePoint ist jedoch kein isoliertes Stück Software sondern basiert auf einem breiten Spektrum bekannter Bausteine. Dies ist, wie erwähnt, ASP.NET als Plattform für Webapplikationen und dann das .NET Framework selbst als Lieferant der Laufzeitumgebung und Basis der Entwicklerunterstützung. SharePoint fügt einiges an Funktionen hinzu. Sie müssen davon ausgehen, dass erfolgreiche SharePoint-Entwicklung ohne solide Kenntnisse von .NET und insbesondere ASP.NET nicht möglich ist. SharePoint 2010 basiert auf ASP.NET 2.0 und kann mit .NET 3.5 programmiert werden.

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