SharePoint für Entwickler (Teil 2)
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Die Sinnfrage
Nach all den Hürden, die sich vor dem frisch motivierten SharePoint-Entwickler aufbauen, stellt sich möglicherweise die Sinnfrage. Muss es wirklich SharePoint sein, um eine ordinäre Webapplikation

Die Sinnfrage

Nach all den Hürden, die sich vor dem frisch motivierten SharePoint-Entwickler aufbauen, stellt sich möglicherweise die Sinnfrage. Muss es wirklich SharePoint sein, um eine ordinäre Webapplikation zu bauen? Die Suche nach Schwächen in ASP.NET ist nicht zielführend. ASP.NET allein ist leistungsfähig genug, um praktisch mit allen Anforderungen zurechtzukommen, und Bücher wie in [1] versprechen Lösungen für die Fälle, wo noch mehr verlangt wird. Sie werden vielleicht auch von Kollegen gehört haben, die mit SharePoint 2007 gescheitert sind.

Warum sollten Sie sich also SharePoint 2010 als Entwickler überhaupt antun? Denken Sie zuerst an normale Benutzer. Für die schreiben wir ja letztlich unsere Applikationen. Benutzer können mit SharePoint eine Menge anstellen, ohne Kenntnis von HTML, CSS, Datenbanken oder Ähnlichem. Jeder engagierte Benutzer kann eine Site erstellen, Daten strukturiert ablegen und jederzeit bearbeiten. Poweruser können die Einführung von SharePoint stark voranbringen und damit eine Applikationsplattform etablieren. Diese Benutzer lassen sich nicht dazu zwingen, als Entwickler plötzlich zu coden. Sie können Geschäftsprozesse abbilden, aber werden dazu nie mit C# arbeiten. Aber sie stoßen irgendwann an Grenzen. Dann sind Sie als Softwareentwickler gefragt, SharePoint anzupassen und zu erweitern. Und dies ist der Knackpunkt. Wenn schon ein so umfassendes System eingeführt wurde, lohnt es zur Vereinfachung der Administration, der Konzentration des Entwicklungsaufwands und zur Nutzung der Vielfalt fertiger Module, auf SharePoint zu setzen. Als Entwickler kommen Sie in eine komfortable Position. Sie können helfen, wenn bestimmte Aufgaben zu erledigen sind. Und Sie haben einen gigantischen Bauchladen an fertigen Funktionen, um komplexe Applikationsprojekte effizient zu erledigen.

Strukturierte Betrachtung

Die Komplexität lässt sich in den Griff bekommen, wenn man die Bausteine, die SharePoint ausmachen, genau kennt. SharePoint als Oberbegriff ist zuerst die Windows SharePoint Foundation (WSF), die wie die Windows Communication Foundation (WCF), die Windows Presentation Foundation (WPF) oder die Windows Identity Foundation (WIF) eine Sammlung von Klassenbibliotheken, ergänzt um die Laufzeitumgebung ist. Als weiteres Produkt verbirgt sich der SharePoint Server 2010 dahinter. Dazu gehören noch Werkzeuge und unterstützende Applikationen, wie beispielsweise die Zentraladministration und der SharePoint Designer. Beginnen Sie mit der Windows SharePoint Foundation mit den ersten Schritten als SharePoint-Entwickler. Die WSF können Sie sich als Stapel aus sechs Schichten vorstellen:

  • Laufzeitumgebung
  • Datenzugriffsschicht
  • Schicht der Geschäftslogik
  • Benutzerschnittstelle
  • Sicherheitsschicht
  • Werkzeugkasten der Entwickler

Das ist freilich etwas mutig; der erste und der letzte Punkt sind nicht wirklich Schichten im klassischen Sinn. Die reduzierte Sicht zeigt immerhin die vier typischen Schichten.

Die SharePoint-Applikation

Echte SharePoint-Applikationen basieren auf Applikationsseiten. Diese werden immer im virtuellen _layouts-Ordner platziert, also unterhalb %SharepointRoot%TEMPLATESLAYOUTS. Der Platzhalter %SharepointRoot% ist der 14-Hive, also jenes Verzeichnis, das zugleich auch die Versionsnummer repräsentiert. Bei SharePoint 2007 war es noch der 12-Hive. An Applikationsseiten werden zwei Anforderungen gestellt:

  • Sie sollten von einer speziellen Basisklasse ableiten
  • Sie sollten eine der Standard-Masterseiten nutzen

In Visual Studio 2010 gibt es eine spezielle Vorlage, mit der das sehr einfach gelingt. Der Kasten „Das Applikationsprojekt“ zeigt, wie das mit wenigen Schritten erledigt werden kann.

Folgende Schritte führen zu einer ersten kleinen SharePoint-Applikation:

  • Wählen Sie EMPTY SHAREPOINT PROJECT aus dem Dialog NEW PROJECT. Vergeben Sie einen Namen und klicken Sie dann auf OK.
  • Im folgenden Assistenten SHAREPOINT CUSTOMIZATION WIZARD wählen Sie DEPLOY AS A FARM SOLUTION. Applikationsseiten werden als Sandbox-Solution nicht unterstützt. Klicken Sie dann auf Finish.
  • Im SOLUTION EXPLORER wählen Sie im Kontextmenü Add und New Item.
  • Im nächsten Dialog (Abb. 1) wählen Sie die Vorlage Application Page aus.
  • Klicken Sie auf Add. Das kann einen Moment dauern. Studio erzeugt erst das Mapping zum _layouts-Ordner und legt die neue Seite dann dort ab.
  • Die Seite wird im Designer geöffnet und kann bearbeitet werden.
  • Das Applikationsprojekt

    Abb. 1: Hinzufügen einer Applikationsseite zu einem SharePoint-Projekt
    Abb. 1: Hinzufügen einer Applikationsseite zu einem SharePoint-Projekt
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