So viel zahlen Geheimdienste Unternehmen wie Microsoft
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Wie viel kostest es eigentlich, wenn ein Geheimdienst eine Anfrage an ein Unternehmen wie Microsoft stellt und um die Herausgabe von vertraulichen Kundendaten bittet? Wer sich diese Frage schon immer gestellt

Wie viel kostest es eigentlich, wenn ein Geheimdienst eine Anfrage an ein Unternehmen wie Microsoft stellt und um die Herausgabe von vertraulichen Kundendaten bittet? Wer sich diese Frage schon immer gestellt hat, wurde jetzt mit einer Antwort belohnt: 50 bis 200 Dollar pro Anfrage.

Die pikanten Details stammen von Dokumenten, die die syrische Hackergruppe „Syrian Electronic Army“ diese Woche veröffentlichte und dem Magazin The Daily Dot zur Analyse überließ. In den Dokumenten kann man die Zusammenarbeit zwischen Microsoft und DITU verfolgen, der digitalen Überwachungsbehörde des FBI und einer Art kleineren Version der NSA. Für die Anfragen der DITU stellte Microsoft Rechnungen aus, die The Daily Dot in Auszügen veröffentlichte.

Laut dem Magazin handelt es sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um regelmäßige und anhaltende Kooperationen mit einem entsprechenden finanziellen Einsatz: die monatlichen Kosten gehen in die Hunderttausende, so beispielsweise bei der letzten Rechnung von November 2013, in der Microsoft 281.000 Dollar als Aufwandsentschädigung für übermittelte Kundeninformationen verlangt.

Das Unternehmen bewegt sich damit durchaus im legalen Rahmen. Ein Microsoft-Mitarbeiter sagte gegenüber The Verge, dass „Unternehmen nach US-Gesetzen das Recht haben, für durch legal gesicherte Anfragen entstehende Kosten Entschädigung zu fordern.“

Wenn schon nicht die Tatsache überrascht, dass Unternehmen und Geheimdienste scheinbar relativ ungezwungen miteinander kooperieren, so fällt doch die Häufigkeit auf, mit der sich Regierungsbehörden an Technologie-Unternehmen wenden: die DITU wandte sich mehrere Hunderte Male an Microsoft – allerdings nicht pro Jahr, sondern pro Monat.

Bleibt die Frage der Echtheit der enthüllten Dokumente – immerhin handelt es ich bei den Informanten um eine Hackergruppe, deren erklärtes Ziel darin besteh,t die Glaubwürdigkeit bekannter Unternehmen anzugreifen. Die Spezialisten des Daily Dot sahen zumindest keinen Zweifel an der Authentizität der Rechnungen. Der Experte Ashkan Soltani, Koautor einer Yale-Studie über die Kosten von Regierungsschnüffeleien, sagte, dass 50 bis 200 Dollar pro Anfrage dem üblichen Rahmen entspreche.

Viel interessanter sei eigentlich die Frage, wie die Syrian Electronic Army an die Rechnungen gelangt sei. Da dies offenbar kein größeres Problem gewesen sei, könne man davon ausgehen, dass die Behörde die Rechnungen einfach per E-Mail an Microsoft gesendet habe. „Ich hätte gedacht, dass sie ein sichereres System dafür verwenden würde,“ so Soltani.

Aufmacherbild: Background with money american hundred dollar bills von Shutterstock / Urheberrecht: evka119

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