Interview mit Rechtsanwalt und Fachbuchautor Michael Rohrlich

"Spätestens dann, wenn mit der Website Geld verdient werden soll, ist der Gang zum Anwalt Pflicht."
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Mit seinem neuen Buch „Onlinerecht für Webmaster“ vermittelt Michael Rohrlich allen für eine Webseite Verantwortlichen ein solides Basiswissen der relevanten Rechtsthemen. Wir haben ein kurzes Interview mit ihm geführt und verlosen im Anschluss daran unter allen Kommentatoren 3 Exemplare des Buchs.

Sie haben sich als Fachmann für die juristischen Fallstricke des Internet einen Namen gemacht. Was reizt Sie an diesem Themengebiet, welche Besonderheiten gibt es im Vergleich?

Ich beschäftige mich bereits seit vielen Jahren mit Computern, habe – wie so viele andere auch – mit dem Commodore 64 angefangen. Daher war für mich schon während meines Studiums das Onlinerecht ein logischer Schritt in die richtige Richtung. Es ist ein großer Vorteil, wenn man nicht nur die juristischen Kenntnisse, sondern auch das technische Know-How besitzt. Es ist faszinierend, sich tag-täglich mit einem Medium zu beschäftigen, dass wie kein anderes in den letzten Jahren unser Leben so sehr beeinflusst und verändert hat. Die Besonderheit beim Onlinerecht besteht darin, dass sich das Internet ständig verändert, so dass man immer auf dem Laufenden sein muss.

Es existieren bereits einige, teils sehr ausführliche, Bücher zum Thema Internetrecht. Was hat Sie dazu bewogen, ein weiteres Buch zu schreiben und wie unterscheidet es sich von ähnlichen Veröffentlichungen?

Michael Rohrlich

Michael Rohrlich

Michael Rohrlich hat als Rechtsanwalt und Fachautor seinen Kanzleisitz in Würselen, nähe Aachen. Seine beruflichen Schwerpunkte liegen auf dem Gebiet des Onlinerechts sowie des gewerblichen Rechtsschutzes. Weitere Infos zu den Themen aus den Rechtsbeiträgen sowie Gesetze und Gerichtsentscheidungen bietet er unter www.rechtssicher.info an.

Aus meinem beruflichen Alltag kenne ich die Nöte von Website-Betreibern bzw. -Gestaltern. Daher wollte ich ein Buch schreiben, das genau auf diese Zielgruppe zugeschnitten und nicht „hochgestochen wissenschaftlich“, sondern praxisbezogen ist. Es war mir wichtig, dass der Text stets einen Bezug zur Praxis hat und der Leser anhand von vielen Mustertexten und Checklisten eine echte Arbeitshilfe an die Hand bekommt. Das zeigt sich z.B. am Kapitel „Die ersten 100 Tage als Webmaster“.

Im Alltag vieler Webmaster und/oder Webdesigner spielen rechtliche Anforderungen eher eine untergeordnete Rolle. Können Sie sich erklären woran das liegt? Welche Gefahren lauern dabei?

Leider ist es oft so, dass Viele erst an die juristischen Grundlagen denken, wenn es schon zu spät ist, wenn also etwa eine Abmahnung ins Haus geflattert ist. Es ist natürlich verständlich, dass bei der Konzeption einer Webpräsenz in erster Linie gestalterische bzw. funktionelle Aspekte eine Rolle spielen. Und Jura erscheint Vielen eher als trocken. Zudem wird nicht selten der Einfachheit halber „beim Nachbarn abgeschrieben“, was aus mehreren Gründen gefährlich ist. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass Fehler im juristischen Unterbau nicht nur das Ende der Website, sondern u.U. auch ein finanzielles Desaster für den Inhaber bzw. den Webmaster bedeuten können. Abmahnungen wegen Verstößen gegen das Urheber-, das Marken- oder das Wettbewerbsrecht können durchaus kostspielig sein.

Gibt es typische Fehler, die von Webmastern immer wieder begangen werden?

Der Klassiker schlechthin ist wohl das Web-Impressum, bei Onlineshops gehören aber auch die Punkte Fernabsatzrecht und Datenschutz zu den großen Fallen, in die Website-Betreiber immer wieder stolpern.

Können Sie uns 5 Überlebenstipps nennen, um die folgenreichsten Fehler zu vermeiden?

Tja, wo soll man da anfangen?! Zunächst ist es wichtig, schon bei der ersten Planung für ein Web-Projekt nicht vorschnell zu handeln (Tipp 1) und z.B. „mal gerade eben“ einen Domainnamen zu registrieren, weil man eine gute Idee hatte. Schon hier kann es ggf. zu Verstößen gegen Namens- oder Markenrechte kommen. Man sollte immer den gesunden Menschenverstand einschalten (Tipp 2) und erst einmal recherchieren bzw. im Zweifel fachmännischen Rat einholen. Wenn mein Auto nicht mehr funktioniert, fahre ich ja auch nicht einfach so drauf los! Es ist erstaunlich, wie viele Informationen man schon mit einer einfachen Google-Suche (Tipp 3) einholen kann, ohne dass man viel Zeit oder Geld investiert. Spätestens dann, wenn mit der Website Geld verdient werden soll, ist der Gang zum Anwalt Pflicht (Tipp 4). Es ist oft eine Milchmädchenrechnung, wenn man zunächst die Kosten für eine anwaltliche Beratung sparen will, man dann jedoch die Kosten für eine Abmahnung zahlen muss. Also: Nicht am falschen Ende sparen (Tipp 5).

Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Was sind Ihrer Meinung nach die größten rechtlichen Herausforderungen denen sich das Web und alles was damit zusammenhängt in Zukunft stellen muss? Entstehen durch neue Trends und Technologien wie Mobile Web oder die zunehmende Verbreitung von Social Networks neue rechtliche Aspekte, z.B. im Hinblick auf Datenschutz?

Aufgrund der großen Dynamik des Internet, die rasende Geschwindigkeit, mit der neue Entwicklungen, neue Ideen und neue Techniken aufkommen, ist es extrem schwierig, verlässlich in die „Glaskugel“ zu schauen. In unserer globalisierten Gesellschaft mit einem weltumspannenden Datennetz ist der Datenschutz sicherlich eine große Herausforderung. Zwar befinden wir uns noch im „Web 2.0“-Zeitalter, allerdings gibt es schon Bestrebungen für die nächste Generation, für ein semantisches Web. Es wird auf jeden Fall entscheidend darauf ankommen, ob und wie die Probleme einer grenzüberschreitenden Kommunikation weltweit in Angriff genommen und im Idealfall sogar gelöst werden können. Pessimisten sehen in der Zukunft eine Art „2-Klassen-Internet“ – eines mit verstopften Datenleitungen, Spam, Virengefahr hinter jeder Ecke und Inhalten zweifelhaften Ursprungs und ein „VIP-Web“ mit einer sauberen und sicheren Umgebung für diejenigen, die es sich finanziell leisten können.

Herr Rohrlich, vielen Dank für das Gespräch.

Onlinerecht für Webmaster

Wie bereits angekündigt, verlosen wir unter allen Kommentatoren drei Exemplare des Buchs „Onlinerecht für Webmaster“. Warum benötigen gerade Sie dieses Buch? Oder was halten Sie von unserer Online-Gesetzgebung?Wir wünschen viel Glück beim Gewinnspiel!230 Seiten, SoftcoverISBN: 978-3-86802-054-0E-Book-ISBN: 978-3-86802-241-4Preis: 19,90 € / 20,50 € (A) / 34.90 CHF*E-Book-Preis: 13 €

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