Spartan: Microsoft bald mit zwei Browsern?
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Wenn in der Redaktion das Wort „Spartan“ fällt, scheiden sich die Geister. Die einen assoziieren damit die einst von Facebook in einem akuten Anfall von Trotz gegen Apples Walled Garden entwickelte, auf HTML5 basierende Konkurrenzplattform, die anderen denken indes sofort an Microsofts Codenamen für den kommenden Internet Explorer.

Jetzt allerdings stellt sich heraus, dass es ganz anders kommen könnte. Informationen von Mary Jo Foley könnte Spartan als zusätzlicher Browser neben einem Internet Explorer existieren und dabei den Ballast über Board werden, den man im IE einfach nicht mehr los wird.

Seit einiger Zeit bereits gibt es Gerüchte, dass Microsoft vorhat, seinen Standardbrowser für Windows 10 rundum zu erneuern. Die Frage blieb bisher lediglich, ob es sich um eine Weitere Version des Internet Explorer handeln würde – also ein Internet Explorer 12 oder etwas in der Art –, oder ob das Unternehmen einen brandneuen Browser entwickeln und damit gegen die mittlerweile schier übermächtige erscheinende Konkurrenz antreten würde.

Spartan – das neue Pferd im Stall

Schenkt man der Microsoft-Insiderin Mary Jo Foley glauben, dann dürfte letzteres der Fall sein. So soll der Internet Explorer 11 auch künftig neben dem neuen Browser erhalten bleiben und kann dann eingesetzt werden, wenn veraltete Webseiten den Kompatibilitätsmodus anfordern. Spartan soll weiterhin Microsofts Chakra JavaScript-Engine sowie die Rendering-Engine Trident nutzen. In Sachen Look and Feel soll Spartan an Google Chrome und Firefox angelehnt sein und künftig ebenfalls durch Extensions erweiterbar sein. Außerdem soll er sowohl für die Desktop-Version als auch für mobile Versionen (Phone/Tablet) von Windows 10 erhältlich sein.

Soweit die Erkenntnisse von Mary Jo Foley. Andere Quellen hingegen sprechen eine andere, überaus interessante Sprache, wenn es um Trident geht. Und das wirft einige neue Fragen auf.

Der Trident-Fork

Einem Bericht von Neowin zufolge geht die Sache nämlich noch einen Schritt weiter:

Microsoft has made a rather large decision regarding Trident, the engine that powers the browser, and no, it’s not adopting Webkit. The team behind the engine has forked Trident into two components that will result in a new .DLL when the browser ships.

Mit einem Fork von Trident wäre es möglich, den kompletten Ballast der alten Engine über Bord zu werfen und sich nur auf moderne Technologien zu konzentrieren. Ruft man eine Seite auf, die den Kompatibilitätsmodus benötigt, würde die „alte“ Version der Trident-Engine die Arbeit übernehmen.

Ohne den Compatibility Mode tritt der Fork auf den Plan – und beschleunigt das Laden der Website um ein Vielfaches.

Zwei Browser oder zwei Engines?

Peter-Paul Koch zieht seine eigenen Schlüsse daraus und spekuliert auf zwei unterschiedliche Browser: So solle der „Internet Explorer 12“ der Standard-Browser sein, während das System den IE 11 starten würde, sobald eine Website den Compatibility Mode benötige, um fehlerfrei dargestellt zu werden.

Remember that to this day IE11 also contains IE 10, 9, 8, 7, and 5.5, which are accessible through the once-maligned but now mostly-forgotten meta versioning switch, as well as, in the case of 5.5, the good old doctype switch.

Dieser Weg dürfte für Microsoft indes einiges an Arbeit bedeuten, da man so zwei Browser pflegen und entwickeln müsste. Gerade im Enterprise-Intranet-Umfeld wäre dieser Weg allerdings nicht unbedingt der Schlechteste, da man so die Abwärtskompatibilität wahren könnte und gleichzeitig einen Browser böte, der sich – wie die Konkurrenz auch – auf aktuelle Webstandards konzentriert. Auf diesem Weg könne man auch die Marke Internet Explorer los werden, die sich über die Jahre vor allem als Synonym für langsames und nicht unbedingt mit den Standards kompatibles Browsen etabliert habe; auch wenn diese Vorurteile ab dem Internet Explorer 10 eigentlich immer mehr der Vergangenheit angehören sollten.

Wie dem auch sei: Bisher wurde Seitens Microsoft noch kein offizieller Termin zur Veröffentlichung des Browsers bekanntgegeben, allerdings ist davon auszugehen, dass Microsoft Spartan am 21. Januar im Zuge des Microsoft-Events zu Windows 10 vorstellen wird. Ob die Entwicklung des Browsers schon so weit fortgeschritten ist, dass er bereits Teil der für den 10. Januar vorgesehenen Windows 10 Technical Preview sein wird, ist indes unklar.

Interessant bleibt auch die Frage, ob der Browser auch für Devices verfügbar sein wird, die kein Windows-Betriebssystem installiert haben. Angesichts Microsofts aktueller Multi-Plattform-Strategie wäre das allerdings keine all zu große Überraschung.

Aufmacherbild: Leonidas,King of Sparta von Shutterstock / Urheberrecht: Anastasios71

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