Vom RDBMS zur Datenplattform

SQL Server 2014 – die Microsoft Data Platform der Zukunft
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Der Microsoft SQL Server hat über die letzten Jahre und Versionen eine spannende Entwicklung gemacht und nun, da mit dem SQL Server 2014 am 1. April dieses Jahres eine neue Version erschienen ist, liefert dieser Artikel nicht nur einen kleinen Rückblick, sondern stellt sich auch die Frage, welche Neuerungen und Schwerpunkte das neue Produkt mit sich bringt.

Der Microsoft SQL Server stand viele Jahre für Enterprise-Applikationen im Schatten von Oracle. Diese Zeiten sind allerdings schon lange vorbei, weil insbesondere die Versionen 2000, 2005 und 2008 fehlende Funktionalität nachlieferten und den SQL Server damit zu einem echten Enterprise RDBMS machten. Zusätzlich lieferte das Produkt mit Reporting Services (SSRS), Integration Services (SSIS) und Analysis Services (SSAS) aber auch bereits eine Business-Intelligence-(BI-)Plattform. So war der Server 2008 R2 eigentlich ein reines BI-Release und auch der SQL Server 2012 lieferte mit Features wie „AlwaysOn“ oder „ColumnStore Index“ weiterhin spannende Neuerungen für Enterprise- und BI-Szenarien.

Wie unterscheidet sich nun das Release des SQL Server 2014 von seinen Vorgängern? Nun, betrachten wir zunächst die Überschriften der drei Schwerpunktbereiche:

  1. Mission Critical Performance
  2. Platform for Hybrid Cloud
  3. Faster Insights from any Data

Dabei wird deutlich, dass neben den Themen Enterprise (Mission Critical) und BI (Faster Insights) nun auch die Cloud einen Schwerpunkt für dieses SQL-Server-Release bildet. Hatte man eine Zeit lang den Eindruck, Microsoft wolle uns überzeugen, künftig alles in die Cloud zu verlagern, so macht das Wort „Hybrid“ deutlich, dass hier ein Umdenken stattgefunden hat. Für viele Kunden dürfte nämlich die Erweiterung einer bereits bestehenden On-Premise-Infrastruktur um gewisse Cloud-Komponenten das viel realistischere Szenario sein. Der SQL Server 2014 bietet hier viele interessante Möglichkeiten, sich eine Dateninfrastruktur aufzubauen, die das eigene Rechenzentrum und die Cloud umspannt. Was verbirgt sich konkret hinter den drei Headlines des SQL Server 2014?

SQL Server 2014: Mission Critical Performance

„In-Memory“ ist ein aktuelles Thema im Enterprise-Umfeld, nicht zuletzt aufgrund der über die letzten Jahre rapide gesunkenen Preise für Speicher. Mit dem SQL Server 2014 liefert Microsoft nun ebenfalls eine Lösung für In-Memory OLTP. Im Gegensatz zu SAP HANA und Oracle liefert Microsoft diese neue Engine aber als festen Bestandteil des Produkts, sodass weder eine Appliance oder ein weiteres Produkt gekauft werden muss, noch eine weitere Speicherart als Duplikat neben die alte gesetzt wird.

Eine weitere wesentliche Verbesserung hat der, bereits mit dem SQL Server 2012 eingeführte, In-Memory Columnstore Index erfahren. Mit dem SQL Server 2014 ist es nicht nur möglich, nun auch Updates auf dem Index durchzuführen. Es steht auch die Möglichkeit zur Verfügung, den Index als Clustered Index anzulegen, was den für die Tabelle benötigten Speicherplatz noch einmal erheblich reduziert. Mit Verwendung des Columnstore Index lassen sich bis zu siebenfach höhere Datenkomprimierung und bis zu zehnfache Abfrageperformance im Vergleich zur traditionellen, auf Zeilen basierten, Speicherung erzielen. Damit steht auch für große Data-Warehouse-Umgebungen ein neues Feature zur Verfügung, das für sich genommen in bestimmten Fällen schon den Umstieg auf das neue Release rechtfertigt.

SQL Server 2014: Platform for Hybrid Cloud

Ein aus meiner Sicht sehr spannendes Feld an neuen Funktionen und technischen Möglichkeiten dreht sich um die Kombination von On-Premise- und Cloud-Ressourcen, wodurch ganz neue Szenarien möglich werden.

Um die Einstiegshürde möglichst niedrig zu halten, gibt es an dieser Stelle einige neue Menüpunkte und Wizards im SQL Server Management Studio (SSMS) – siehe Abbildung 1. Zunächst sollen hier einige „einfache“ Funktionen genannt sein, die insbesondere auch dann sehr spannend sein können, wenn die Möglichkeit fehlt, einen eigenen ausgewiesenen Datenbankadministrator (DBA) zu beschäftigen. Dazu gehört zum Beispiel die Möglichkeit, das Datenbankbackup direkt in einen Cloud-Storage erfolgen zu lassen, sodass das Backup gleichzeitig in einer, nach Wunsch sogar georedundanten Umgebung gesichert ist. Unter dem Stichwort „Managed Backup“ ist es außerdem möglich, den SQL Server selbstständig in nutzungsabhängigen Intervallen Full- und Transaction Log Backups in der Cloud erstellen zu lassen. Ist die Funktion auf Instanzebene aktiviert, so werden auch neu angelegte Datenbanken automatisch in smarter Art und Weise gesichert.

Abb. 1: Neue Wizards und Menüpunkte im SSMS

In die Kategorie „Hybrid Cloud“ gehören aber ebenfalls einige Enterprise-Features zur Hochverfügbarkeit (HA) oder dem Disaster Recovery (DR). Unter dem Stichwort „AlwaysOn“ rangiert weiterhin die HA/DR-Lösung von Microsoft für den SQL Server. Neu in der Version 2014 ist die Möglichkeit, Verfügbarkeitsgruppen, die die Basis für AlwaysOn bilden, über die Grenze zwischen On-Premise und Cloud zu spannen. Das bedeutet, dass es z. B. möglich ist, eine lokale Infrastruktur mit einem PRIMARY und einem SECONDARY in einem eigenen Rechenzentrum um einen weiteren SECONDARY in der Cloud zu ergänzen und damit automatisch eine Georedundanz zu schaffen.

SQL Server 2014: Faster Insights from any Data

Einige wesentliche Punkte, die die Entwicklung der Microsoft-Datenplattform maßgeblich beeinflussen, hat Quentin Clark, Microsoft Corporate Vice President der Data Platform Group, Ende Januar in einem Blog-Post zusammengefasst. Dort findet sich auch eine Auflistung verschiedener Charakteristika, die sich insbesondere auf diese dritte Kategorie an Neuerungen – Faster Insights from any Data – abbilden lassen. Der Umgang mit unterschiedlichsten Datentypen und -formen, die Kombination unterschiedlichster Datenquellen (interne und externe), größere Anforderungen an Analysen in nahezu Echtzeit und die modernen Anforderungen an eine zeitgemäße BI-Lösung sind hier wesentliche Treiber. Self-Service und Mobile BI sind weitere Schlagworte, hinter denen sich der Wunsch vieler Anwender verbirgt, idealerweise jederzeit und von überall selbstständig Datenanalysen betreiben zu können und damit Erkenntnisgewinn oder Entscheidungshilfe zu erlangen.

Die Aufbereitung von Daten für die Konsumierung durch den Endanwender, aber auch die Anforderungen eines modernen „Information Workers“ machen für mich diesen Bereich besonders reizvoll. Interessant ist das dabei entstehende große Spannungsfeld zwischen Big-Data-Technologien, wie z. B. HDInsight und den Excel-Add-ins der „Power“-Familie: Power Query, Power Pivot, Power View und Power Map. Excel? Moment, hier ging es doch um den SQL Server, oder? Ja, richtig. Die Microsoft-Datenplattform hat aber längst neue Komponenten hinzugewonnen, und manche Angebote, wie z. B. Power BI, sind dabei sogar nur mit einer Office-365-Subskription nutzbar und gegebenenfalls einen eigenen Artikel wert. Die etablierten Services (SSRS, SSIS und SSAS) haben daher diesmal auch wenig Neues zu bieten. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Produktgruppe sich eben nun auch um die oben genannten Endnutzertools kümmern musste.

Fazit

Eigentlich verbirgt sich hinter dem SQL Server 2014 viel mehr als nur das Box-Produkt, das am 1. April 2014 veröffentlicht wurde. In immer kürzeren Abständen gibt es über die unterschiedlichsten Veröffentlichungskanäle Neuigkeiten für die Microsoft-Datenplattform. Möchte man hier auf dem aktuellen Stand sein, dann kommt man um Microsoft Azure, Office (insbesondere Excel, SharePoint und Office 365), Big-Data-Technologien (HDInsight) und Business Intelligence nicht herum.

Abb. 2: Die Microsoft Data Platform

Zu erwarten ist, dass es auch in den Bereichen Complex Event Processing (CEP), Internet of Things (IoT) und im Bereich Microsoft Azure SQL Database (also der Database-as-a-Service Variante) weitere spannende Neuigkeiten in 2014 zu vermelden gibt. Einen kleinen Eindruck von der großen Bandbreite der Microsoft-Datenplattform vermittelt Abbildung 2. Dieser Breite sollten wir uns stellen, denn die entsprechenden Kundenanforderungen werden nicht lange auf sich warten lassen.

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