SQL Thinking
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Auch wer Deutsch seine Muttersprache nennt, kann umschalten und auf Englisch denken. Aber in SQL denken? Nun, soweit wird es wohl nicht kommen, aber der Titel des vorliegenden Buchs zeigt bereits den hehren

Auch wer Deutsch seine Muttersprache nennt, kann umschalten und auf Englisch denken. Aber in SQL denken? Nun, soweit wird es wohl nicht kommen, aber der Titel des vorliegenden Buchs zeigt bereits den hehren Anspruch. Es möchte helfen, vom Problem aus betrachtet, direkt eine SQL-Abfrage zu formulieren und nicht wie es mancher Einsteiger macht, eine Sequenz von SQL-Statements zu formulieren, die letztendlich, nacheinander ausgeführt, auch irgendwie zum Ergebnis führen. Hier die passenden Ansätze zu kennen, befähigt, performante Abfragen zu formulieren und gezielt die richtigen Informationen aus der Datenbank zu extrahieren – eine Abfrage anstelle eines langen Interviews.

Leider wird bereits auf der Umschlagrückseite klar, dass hier nicht in SQL im Allgemeinen, sondern in PL/SQL im Speziellen gedacht wird. Nicht nur das, weite Teile des Buchs befassen sich mit Spezialitäten von Oracles DBMSs. Auch wenn dieses Produkt weit verbreitet ist und sich die methodischen Ansätze auf andere SQL-Systeme übertragen lassen, so schränkt das den Leserkreis doch ein. Insbesondere das größte Kapitel, „SQL-Funktionen in Oracle“, ist für Anwender anderer Systeme nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Auch wenn es nicht explizit angegeben ist, lassen sich die Kapitel des Buchs logisch in mehrere Kategorien einteilen: Die ersten sieben Kapitel zeigen jeweils, wie zu einer Fragestellung eine passende Abfrage formuliert werden kann. Daran schließen sich Kapital zu Datenmodellen, Einfüge- und Lösch-Statements, Transaktionen und als elftes Kapitel das bereits genannte zu den Funktionen an. Auch wenn sieben von elf Kapiteln dem Untertitel entsprechen, findet sich die im Umschlagtext als einzigartige Herangehensweise beschriebene Methodik nur in weniger als der Hälfte des Buchs wieder. Der Rest enthält zwar wertvolle Informationen, die aber auch in anderen Büchern zum Thema zu finden sind. Beschränken wir uns in der folgenden Betrachtung daher auf den ersten Teil.

Zu jeder Fragestellung zeigen die Autoren, wie man sich anhand der Tabellen zu einer Lösung durchhangeln kann. Select, Join, Where und was man sonst noch alles braucht werden anhand der Fragestellungen eingeführt, ohne die vollständige Syntax zu listen. Eine Syntaxbeschreibung ist auch nicht Ziel des Buchs; das kann der Leser an anderer Stelle nachschlagen. Durchhangeln heißt es hier, es wird gezeigt, wie man offensichtlich die Tabellen verknüpfen muss, um an die gewünschte Information zu kommen, welche Fallstricke auf dem Weg lauern und wie die endgültige Abfrage eventuell noch besser formuliert werden kann. Ein schrittweises Vorgehen, aber nicht eine Sequenz von Abfragen, sondern Schritte hin zu der einen Abfrage – so soll der Leser ein Verständnis für die passende Vorgehensweise entwickeln. Und das Ganze ist doch nicht so schwer. So soll es zumindest der, je nach Autor, lockere bis krampfhaft um Lockerheit bemühte Schreibstil suggerieren. Ein Buch von ausgewiesenen Oracle-Experten, das sich nach eigener Aussage nicht nur an Programmierer richtet. Insgesamt ein recht interessanter Ansatz und durchaus lesenswert. Dennoch würde es nicht schaden, den ersten Teil des Buchs auszuweiten und andere SQL-Dialekte einzufangen. Dafür könnte man auf die Referenz der Oracle-Funktionen verzichten, denn die kann man an anderer Stelle nachschlagen.

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