Andreessen, Tanium und Silicon Valleys der Zukunft
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Marc Andreessen ist Mitgründer der Wagniskapitalgesellschaft Andreessen Horowitz und ein Geschäftsmann mit ausgezeichnetem Gespür für Ideen mit Potenzial. Er ist Teil des Aufsichtsrates von Facebook, Oculus Rift und Room to Read

Schon als junger Mann entwickelte Marc Andreessen einen Web-Browser namens NCSA Mosaic. Dann stieg er aus dem Projekt aus, um als Mitbegründer von der Web-Software Netscape noch erfolgreicher zu werden. Mit der neuen Software brachte er die Lawine des WWW ins Rollen und rief eine neue Web-Worker-Kategorie ins Leben – die Web-Designer. Diese verbrachten Mitte der 90er-Jahre Stunden vor ihren Rechnern und experimentierten mit ausgefallenen Hintergrund- und Schriftfarben, HTML-Frames und Multimedia-Plugins des Netscape-Browsers, um Webseiten zu erstellen.

Netscape machte es vor, Microsoft eiferte nach

Als der Netscape-Browser im Jahr 1996 im Laufe einer rasanten Entwicklung bei den Web-Nutzern einen Marktanteil von stolzen 90 Prozent erreichen konnte, witterte Microsoft zuerst nur langsam den Online-Boom. Erst nachdem Netscape einen beeindruckend erfolgreichen Start an der Börse hingelegt hatte, entwickelte Microsoft mit Verzug die ersten Versionen des Internet Explorers.  

Andreessen Horowitz und Tanium

Die Wagniskapitalgesellschaft Andreessen Horowitz ist also nicht von ungefähr ein Vorzeigebeispiel dafür, wie man gewinnbringend Geld investiert. Das dazugehörige Gespür und die Erfahrung fehlen den beiden Investoren Marc Andreessen und Ben Horowitz nicht. Die Unternehmer unterstützten schon Pinterest, Facebook, GitHub und viele andere. Nun nehmen sie 90 Millionen US-Dollar in die Hand und investieren diese in das sieben Jahre altes Enterprise-Management-Unternehmen Tanium. Auf seinem Twitter-Account spricht Andreessen begeistert über das neue Investment:

David Hindawi und sein Sohn Orion sind die zwei Männer, die hinter Tanium stehen. Tanium ünterstützt das IT-Unternehmen dabei, Geräte in ihren komplexen Netzwerken zu verwalten, zu warten und zu sichern, um so überflüssige Fehler und Ausfälle zu vermeiden. Die Software klingt wie der unerfüllte Traum eines jeden IT-Managers – dank eines einfachen Browsers alle IT-Geräte des Unternehmensnetzwerkes im Auge zu behalten und Sicherheitslücken sofort erkennen und in Echtzeit beheben zu können. 

Steven Sinofsky, Partner von Andreessen Horowitz, wird nach dem Investment in den Aufsichtsrat von Tanium eintreten und zeigt sich in einem offiziellen Blogeintrag begeistert über die neue Partnerschaft:

 In practice, the Tanium team accomplished nothing short of a complete rethinking of how IT pros manage, secure, and maintain the endpoints in their network — every node on the network can now be interrogated, managed, updated, and secured, instantly from a browser.

[…]

With this incredible story, Andreessen Horowitz could not be more excited to be leading an investment in Tanium. I’m personally super excited to be joining the Tanium board where I will work closely with David, Orion, and the team.

In einem Interview mit Bloomberg TV bezeichnet Sinofsky Tanium als ein magisches Produkt und sieht großes Potenzial in den von Tanium angebotenen Lösungen.

Marc Andreessen über Alternativen zu Silicon Valley

Auf dem offiziellen Firmenblog a16z hat sich Marc Andreessen Gedanken darüber gemacht, wie man die Entwicklung weiterer erfolgreicher Silicon Valleys fördern könnte.

Sein Fazit: Die Welt braucht sie nicht, diese Silicon Valleys, die alle nach dem gleichen Prinzip künstlich und mit hohem Aufwand geschaffen werden. Was die Welt wirklich braucht, beziehungsweise was Standorte wirklich brauchen, um es etwas lokaler auszudrücken, sind unterschiedliche „Silicon Valleys“, die auf die Bedürfnisse der jeweiligen Umgebung ausgerichtet sind und sich einem speziellen eng eingegrenzten Bereich widmen. Andreessen nennt auch Beispiele. Bei jedem dieser Beispiele wird die Vorstellungskraft des Lesers angeregt und man malt sich automatisch ein „Bitcoin Valley“ aus, wo die Kryptowährungen flächendeckend legalisiert werden, man stellt sich ein „Driverless Valley“ vor, wo mit autonomem Fahren experimentiert wird, oder ein „Drone Valley“ mit barrierefreier Bewegungsfreiheit für ferngesteuerte Drohnen.

Schaffen, statt klonen 

Es geht also nicht darum, Silicon Valley eins zu ein nachzubauen, um später mit Entsetzen feststellen zu müssen, es funktioniert nicht. Zielführender ist es, Startups, Forscher und Unternehmen zusammenzubringen, die aus dem gleichen Feld kommen und statt nur nebeneinander auch miteinander und voneinander lernen können, und für deren Entwicklung optimale Bedingungen zu schaffen. 

Rechtliche Hürden lockern, um Innovationen anzutreiben 

Bei seinem Ansatz appelliert Andreessen an die Regierungen, in diesen spezifischen, an die jeweilige Region angepassten „Valleys“ die Regeln für entsprechende Domains zu lockern, sei es die Kryptowährung oder der Einsatz der Drohnen, sodass die Forschung und die Entwicklung nicht ständig von rechtlichen Hürden gebremst werden. Der Fokus auf einzelne Themenbereiche würde außerdem eine parallele Entwicklung vieler Sektoren ermöglichen und diese beschleunigen und zwar nicht nur in den Valleys, sondern auch in ihrer Umgebung.

Detroit zu „Drone Valley“ ausbauen

Würde man Detroit zu „Drone Valley“ erklären, würden diese rechtlichen Begünstigungen Startups und Unternehmen aus diesem Bereich anziehen, gefolgt von Investoren und ganzen Infrastrukturen, die, in diesem Fall Detroit, zum neuen Glanz verhelfen würden, so Andreessen. Denkt auch an Entwicklungsländer und wie diese von der Schaffung solcher Valleys auf deren Territorien profitieren könnten.

Nischen finden, vorhandenes Potenzial und Manpower nutzen

Länder und Regierungen sollten aktiv ausarbeiten, wo ihre Nische sein könnte und besonders günstige Rahmenbedingungen für diesen Sektor schaffen. Welcher das sein wird, könnte beispielsweise der Blick in die lokalen Universitäten verraten. Dort wird die Elite von morgen ausgebildet, also warum nicht auf die schon vorhandene Manpower setzen und genau dort anfangen, wo die Stärken der Führungskräfte von morgen heute schon liegen.

Berlin als neues Silicon Valley – aber wozu? 

Erst vor kurzem gab es in der WebMagazin-Redaktion eine hitzige Diskussion, ob und wann sich Berlin zum nächsten Silicon Valley entwickeln könnte. Die Frage ist aber nicht wann und ob, sondern vielmehr wozu und ob es tatsächlich Vorteile für Berlin mit sich bringen würde.

Silicon Valley befindet sich in San Francisco Bay Area, hat die Stanford University und eine jetzt schon über 50-jährige regionale Entwicklung hinter sich, mit besonderem Fokus auf IT- und High-Tech-Industrie. Heute schaut die ganze Welt in Richtung Silicon Valley, wenn es um Innovationen aus diesem Bereich geht. Ob Apple, eBay, Oracle, Facebook oder Google – alle sind sie dort und nicht hier. Die geballte Power der Silicon Valley Startups und Konzerne arbeitet unermüdlich an Innovationen, während die unmittelbare Umgebung an Überbevölkerung leidet und die durch rasante Standort-Entwicklung entstandenen Umweltschäden behoben werden.

Berlin als analoge Kickstarter-Plattform

Das alles ist Silicon Valley, nicht Berlin. Die deutsche Hauptstadt hat ihr Potenzial als Innovations-Standort noch lange nicht erschöpft. Doch nicht nach dem Vorbild aus dem fernen San Francisco, sondern gerichtet nach den eigenen Stärken, nach der Kreativ-Industrie, die sich hier verstärkt aufhält, nach der Freien-, der Technischen und der Humboldt-Universität, ja vielleicht sogar nach der Musik-Industrie und der Tourismus-Branche, die dank dem noch (!) lebenden Berlin-Mythos Aufmerksamkeit auf die Stadt lenken.

Hier sollte die Regierung ansetzen und günstige Bedingungen für städtische Weiterentwicklung schaffen. Lasst doch Berlin zu einer „analogen“ Kickstarter-Plattform werden, die anders als Silicon Valley nicht auf globale Dimensionen setzt, sondern Standort-bezogene Entwicklung fördert und eigene Stärken ausbaut, statt US-amerikanischen Vorbildern nachzueifern.  

 

Aufmacherbild: San Jose, the heart of Silicon Valley, seen at dusk with the Diablo mountain range in background von Shutterstock/ Urheberrecht Matt Tilghman

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