Startup-Interview

Applanga bietet SDKs zum Lokalisieren von Apps
Keine Kommentare

Wer seine Apps auch international nutzbar machen will, muss erst mal die Sprachbarriere überwinden. Die Übersetzung einer App ist allerdings häufig mit großem Aufwand verbunden. Die Gründer von Startup Applanga erklären uns im Interview, wie sie die Lokalisierung von Apps vereinfachen wollen.

WebMagazin: Erklärt uns doch bitte das Prinzip von Applanga, wie funktioniert Eure Idee?

Applanga dient zur Automatisierung der Lokalisierung, also der Übersetzung und Internationalisierung von Mobile Apps. Dabei liegt unser besonderes Augenmerk darauf, den sonst üblichen Entwicklungsaufwand rund um dieses Thema komplett aus der Gleichung zu nehmen. Wir bieten spezielle Schnittstellen, sogenannte SDKs (Software Development Kits) für alle gängigen Mobilen Plattformen wie iOS und Android an, die Entwickler in ihre Apps integrieren können. Anschließend könne alle Aufgaben die mit Lokalisierung zusammenhängen einfach über unser Dashboard vorgenommen werden – schneller, einfacher und damit auch kostengünstiger als das normalerweise der Fall wäre.

WebMagazin:  Was macht Applanga besonders, wer sind Eure Mitbewerber und was unterscheidet Euch vom Rest?

Neben den umfangreichen Lokalisierungs-Management-Features in unserem Dashboard machen uns vor allem 3 Dinge einzigartig: Unsere SDKs finden alle übersetzbaren Wörter in der App, sogenannte Strings, automatisch und synchronisieren diese mit dem Dashboard. Das heißt: nie wieder, wie sonst üblich, irgendwelche Dateien oder Listen umständlich exportieren, bearbeiten und wieder importieren. Darüber hinaus wird jede Übersetzung aus dem Dashboard automatisch zurück zur App geschickt. Im Applanga Draft Mode kann man so direkt und jederzeit Übersetzugen in der App testen. Und schließlich erlaubt die selbe Technik jederzeit neue Sprachen zur App hinzuzufügen oder bestehende anzupassen. Alle unsere Kunden fanden es unglaublich hilfreich, so schnell mal einen Text in der App zu korrigieren ohne gleich einen kompletten Release über den Appstore zu machen. Fehler in der Übersetzung passieren immer. Mit uns sind sie jetzt allerdings nicht mehr ganz so dramatisch.

Lokalisierung und speziell Software-Lokalisierung ist ein riesiger Markt von 44 Milliarden Dollar jährlich und wächst ständig weiter. Heutzutage adressiert eigentlich jeder von vornherein ein globales Auditorium wenn er eine App oder einen Web Service an den Markt bringt. Entsprechend ist auch die Industrie dahinter riesig und verzweigt. Zuerst denkt man da natürlich an Anbieter von professionellen Übersetzungen die in unserem Fall aber keine Konkurrenten sondern Partner sind. Es gibt auch eine Menge Software rund um das Thema aber eigentlich stehen wir nur mit sehr wenigen, auch eher jungen Firmen die ebenfalls unkomplizierte, webbasierte Plattformen anbieten im direkten Wettbewerb. So fokussiert und spezialisiert auf mobile Apps wie wir ist aber sonst (noch) keiner.

WebMagazin: Auf welcher Entwicklungsstufe befindet Ihr Euch gerade bzw. wann seid Ihr live gegangen? Wie werdet Ihr finanziert?

Wir sind im März diesen Jahres mit einer sehr rudimentären Version live gegangen, die uns dann schon Dank diverser Bugs einige Schmerzen bereitet hat aber das war im Nachhinein genau die richtige Entscheidung. Relativ schnell sind auch Firmen auf uns aufmerksam geworden, die wir nicht sofort als Kunden identifiziert hätten und auch die Weiterentwicklung des Produktes entlang des erhaltenen Feedbacks hätte so nicht stattgefunden. Heute tummelt sich schon eine 3-stellige Userzahl auf unsere Plattform. Darunter auch bekannte Namen und aufregende Startups wie HelloFresh, Payleven, Jobspotting oder Aeria Games.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler Eures Monetarisierungskonzeptes, wie verdient Ihr Geld?

Uns war wichtig, uns mit unserem Pricing auch an individuelle Entwickler zu richten, die vielleicht in ihrer Freizeit mal eine App entwickeln und auf das Thema Lokalisierung stoßen. Deshalb haben wir uns für ein Model entschieden, das auf der Zahl der monatlich erreichten User (MAU) basiert und ein großzügiges Free Tier enthält. Umso mehr User, umso erfolgreicher die App und dementsprechend, aber immer noch sehr moderat, nehmen dann die monatlichen Kosten für Applanga zu. Wir erhoffen uns davon natürlich auch, dass diese Entwickler Applanga dann in die Firmen hineintragen bei den sie sonst arbeiten. Nachdem jetzt alles stabil läuft, liegt unser Fokus jetzt auch darauf, das Onboarding und die User Experience weiter zu verbessern, damit sich auch jeder schnell und unkompliziert zurecht findet.

Ein zweites Standbein unseres Geschäftsmodels ist darüber hinaus unser im Dashboard integrierter Service, um direkt professionelle Überstetzungen bei uns zu bestellen. Durch die Zusammenarbeit mit mehreren Übersetzungspartnern können wir von “crowdsourced” bis “field expert” alle Qualitätsstufen in allen denkbaren Sprachkombinationen anbieten, ohne dass unsere User lange nach dem richtigen Ansprechpartner suchen müssten. Einmal bestellt kümmern wir uns im Hintergrund um die Umsetzung. Meist dauert es dann auch nur einige Tage für die gesamte Abwicklung – je nach Umfang und Komplexität. Wir schlagen dann eine kleine Gebühr auf die Übersetzungskosten auf. Ein besonderer Vorteil für alle Beteiligten, unsere User aber auch für die Übersetzer selbst ist die Möglichkeit im Dashboard Screenshots der App zu allen Einträgen zuzuordnen. Dadurch können wir den Übersetztern Kontext liefern, der entscheidend für eine richtige und hochwertige Übersetzung ist.

WebMagazin: Wie seid Ihr auf die Idee von Applanga gekommen und was habt Ihr vorher gemacht?

Applanga ist bereits unser zweites Produkt in der selben personellen Zusammensetzung. Mit unserem vorherigen Projekt unter dem Namen “embraase” haben wir uns ebenfalls an Mobile App Entwickler gerichtet, das Produkt war allerdings im Endeffekt zu komplex und wir haben es Ende 2014, nach einem ¾ Jahr eingestellt. Die Technologie hinter Applanga baut allerdings sehr gut darauf auf. Kennen gelernt haben Steffen Römer, mein Mitgründer, und ich uns vor nun schon fast 5 Jahren, als wir gemeinsam in einem Indie Game Studio gearbeitet haben. Damals befand sich die Branche noch im “Angry Birds Goldrausch”, den Tagen als der Erfolg über Nacht gefühlt noch für jeden greifbar war. Diese Erfahrung am eigenen Leib, nämlich wie umständlich und teilweise unnötig lange die Entwicklung und das Geschäft mit Mobile Apps dann doch sein kann, hat uns auf jeden Fall geprägt und zur Idee und Vision hinter Applanga geführt.

WebMagazin: Und zum Schluss, warum Berlin?

Wir beide, Steffen und ich, sind nun schon seit vielen Jahren in Berlin und haben uns hier kennengelernt. Also kann man sagen: ohne diese Stadt mit ihrer Anziehungskraft gegenüber uns aber auch unserem Team, unserer Investoren und Unterstützern, der ansässigen Startupszene als Kundenkreis und Quelle der Inspiration wären wir wahrscheinlich nicht mal auf die Idee gekommen überhaupt zu gründen geschweige mit einem Konzept wie Applanga.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -