Crowdfunding oder Raiffeisen 2.0 – Volksbank setzt auf genossenschaftliche Idee "Viele schaffen mehr"
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Vor rund zwei Jahren konnte sich Crowdfunding in Deutschland etablieren und verhalf dem ein oder anderen Startup, Designer oder Künstler zur Umsetzung der Geschäftsidee. Wie eine Studie der Uni München belegt, konnten dabei insbesondere Nutzer in den Ballungszentren Deutschlands – Berlin, Köln, München und Aachen – von den Plattformen profitieren und Finanzierungshilfen für sich gewinnen. Da es allerdings auch in Regionen abseits der Großstädte Projekte gibt, in die es sich zu investieren lohnt, rief die Volksbank Bühl eine interessante Crowdfunding-Variante ins Leben, in deren Mittelpunkt die Umsetzung lokaler sozialer Projekte steht. In einem Interview erklärte uns die Initiatorin Andrea Andree das Projekt „Viele schaffen mehr“.

Um welche Projekte geht es?

Vom Fußballclub mit sanierungsbedürftigem Fußballplatz über den Angelsportverein, der ein neues Dach für seine Vereinshütte braucht, bis hin zum Karnevalsverein, der seine Garde mit neuen Uniformen ausstatten möchte, werben die Teilnehmer der insgesamt zwölf „Viele schaffen mehr“-Projekte um Fans. Denn um in die Finanzierungsphase aufgenommen zu werden, ist eine bestimmte Mindestzahl von Fans erforderlich. Dabei richtet sich Anzahl der erforderlichen Anhänger nach der Größe des Projekts und dem zu erwirtschaftenden Geldbetrag. So benötigen Projekte unter 500 Euro in der Startphase beispielsweise nur zehn Fans, während Konzepte mit einem Volumen von 7.500 Euro oder mehr die Unterstützung von mindestens 75 Internetnutzern brauchen. „Diese ‚Fans werben‘-Phase war uns besonders wichtig, weil sie deutlich macht, dass man auch ein bisschen Werbung für sein Projekt machen muss. Ansonsten schafft man die Finanzierung im Anschluss nicht,“ sagt Andree.

Obwohl die Startphase erst am 17. Juni begonnen hat, konnten die ersten Projekte dieses erste Hindernis bereits überwinden. In der anschließenden Finanzierungsphase haben sie nun bis zum Kampagnenende am 1. September 2013 Zeit, Spender für ihr Projekt zu gewinnen. Auch bei der Werbung verspricht die Volksbank Unterstützung, indem sie beispielsweise die Kosten für das Drucken von Flyern übernimmt. Gleichermaßen dient diese Marketinghilfe auch dem Schutz der Spender, denn „durch die öffentliche Präsentation des Projektes und die Vorstellung der Projektinitiatoren und Institutionen haben die Unterstützer eine große Sicherheit, dass ein Projekt auch umgesetzt wird,“ so Andree. Auch nach Finanzierungsende können sich die Investoren darüber hinaus auf dem Blog der Bank ein Bild über die Fortschritte des Projekts machen. Wie bei allen Crowdfunding-Webseiten gilt zudem, dass Spenden nur dann ausgezahlt werden, wenn ein zuvor festgelegtes Ziel tatsächlich erreicht wird.

Welche Banken  machen noch mit?

Entstanden ist die Idee zum lokalen Crowdfunding in der Innovationswerkstatt der Volksbank Bühl. Bis das Projekt schließlich durch die Zusammenarbeit mit StartNext, der VR-Networld und T-Systems, die neben der technischen Umsetzung auch bei der Klärung von rechtlichen Fragen halfen, realisiert werden konnte, vergingen allerdings fast zwei Jahre.
Zunächst ist das Crowdfunding-Projekt eine einmalige Aktion, doch im Erfolgsfall kann sich die Bank eine Wiederholung oder gar eine regelmäßige Unterstützung vorstellen: „Eine Entscheidung, wie es weitergeht, treffen wir erst Ende September, wenn wir die Erfahrungen aus dem Projekt gesammelt haben und abschätzen können, welchen Zeitaufwand so etwas mit sich bringt,” erklärt Andree. Auch andere Volksbanken seien bereits an ähnlichen Projekten interessiert.

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