Studie

Deutschland unter den attraktivsten Investoren-Standorten der Welt
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Deutschland ist für internationale Investoren einer der drei attraktivsten Standorte der Welt – und mit Abstand der Top-Standort in Europa. Das geht aus der Ernst & Young Studie „Standort Deutschland 2015“ hervor.

Mehr als jeder fünfte Manager (21 Prozent) nennt Deutschland bei der Frage nach den attraktivsten Investitionsstandorten. Weltweit schneiden nur China (38 Prozent) und die USA (35 Prozent) besser ab. Als nächstes europäisches Land folgt erst auf dem achten Platz Großbritannien mit neun Prozent. Allerdings muss Deutschland in der Zukunft aufpassen, sein Potenzial nicht zu verschenken, denn ausgerechnet bei Digitalisierung und Innovation – zwei Faktoren für zukünftiges Wachstum –  machen die Manager die Hauptdefizite aus.

Im Jahr 2014 stieg sowohl die Zahl der Investitionsprojekte in Deutschland an als auch die Zahl der dadurch geschaffenen Jobs: Ausländische Investoren realisierten 763 Projekte – das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekord. Nur Großbritannien konnte mehr Investitionsprojekte als Deutschland anziehen – dank investitionsfreudiger US-Unternehmen, die bei ihren Europa-Investitionen traditionell die britischen Inseln bevorzugen. Die Zahl der in Deutschland durch Projekte ausländischer Investoren  geschaffenen Arbeitsplätze stieg 2014 nach zwei rückläufigen Jahren wieder um neun Prozent auf etwa 11.300.

Und der Trend bleibt positiv: 54 Prozent der Investoren rechnen mit einer weiteren Steigerung der Attraktivität Deutschlands in den kommenden Jahren, nur neun Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Dennoch halten sie sich mit Investitionsplänen für die Zukunft zurück. Nur 25 Prozent der Unternehmen haben auch tatsächlich vor, hierzulande zu investieren. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 27 Prozent.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young) zur Attraktivität des Wirtschaftsraums Europa und zu tatsächlichen Investitionsprojekten. Befragt wurden Manager von 808 internationalen Unternehmen. Vertiefende Fragen zum Standort Deutschland richteten sich an weitere 202 ausländische Unternehmen.

Peter Englisch, Partner bei EY: „Deutschland und auch Europa steigen in der Gunst der Investoren. Mittlerweile sehen sie in Deutschland einen der drei attraktivsten Standorte der Welt – und nach wie vor halten sie Deutschland für den mit Abstand attraktivsten Standort Europas. Hier finden sie gut ausgebildete Arbeitskräfte vor – das deutsche Ausbildungssystem wird weltweit bewundert – und können auf eine hohe politische, soziale und rechtliche Sicherheit zählen, was gerade in politisch und wirtschaftlich turbulenten Zeiten ein hohes Gut ist. Das hohe Ansehen Deutschlands dürfte noch eine Weile vorhalten, denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben gut: Die Wirtschaftsleistung dürfte in diesem Jahr deutlich stärker zulegen als im europäischen Durchschnitt. Dazu trägt vor allem auch der ansteigende Binnenkonsum bei – normalerweise wird das deutsche Wachstum von hohen Exportraten befeuert.  Viele deutsche Unternehmen vermelden aktuell Rekordgewinne, die Steuereinnahmen steigen, die Arbeitslosigkeit ist so gering wie seit der Wiedervereinigung nicht. Deutschland hat also alle Chancen, seine Top-Position im weltweiten Standortwettbewerb auch in den kommenden Jahren zu behaupten“.

Rekordwert der Auslandsdirektinvestitionen in Europa
Europaweit ist die Zahl der Auslandsdirektinvestitionen um zehn Prozent auf 4.341 gestiegen – ein neuer Rekordwert. Auch die Zahl der dadurch geschaffenen Arbeitsplätze ging nach oben: um zwölf Prozent auf etwa 185.600. Damit liegt die Zahl der geschaffenen Arbeitsplätze erstmals wieder über dem Wert des Vorkrisenjahres 2007, allerdings noch weit unter dem Niveau von 2006: Damals hatten ausländische Investoren noch gut 215.000 Arbeitsplätze in Europa geschaffen. Innerhalb Europas zieht Großbritannien nach wie vor die meisten Investitionsprojekte an (887), gefolgt von Deutschland (763) und Frankreich (608) – alle drei Top-Destinationen verzeichneten zweistellige Zuwächse.

Die meisten Investitionen in Europa tätigen die USA – 1.098 im vergangenen Jahr. Damit wird allein ein Viertel der FDI-Projekte aus den USA finanziert. Davon profitiert vor allem Großbritannien – auch aufgrund seiner kulturellen und sprachlichen Nähe. 322Investitionen aus den USA konnten im vergangenen Jahr dort gezählt werden. Ohne diese Investitionen würde Großbritannien im Ranking hinter Deutschland stehen. Deutschland steht in der Gunst der US-Investoren zwar auf dem zweiten Platz – konnte sich allerdings mit 156 Projekten nur knapp halb so viele Projekte wie Großbritannien sichern.

Deutschland selbst tritt als zweitgrößter Investor in Europa auf und kommt auf 443 Investitionsprojekte und einen Marktanteil von zehn Prozent. Dahinter rangieren Großbritannien (272), Frankreich (221) und China (210). Chinesische Unternehmen haben an Tempo zugelegt und die Zahl ihrer Investitionsprojekte im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel gesteigert.

China in Deutschland zweitwichtigster Investor
In Deutschland spielen chinesische Investoren inzwischen sogar eine noch größere Rolle als im Rest Europas: Mit 79 Investitionen hierzulande ist das Land mittlerweile der zweitwichtigste Investor hinter den USA, die im vergangenen Jahr 156 Projekte durchführten. China hat damit den Nachbarn Schweiz auf den dritten Platz verdrängt.

Peter Englisch: „China hat Europa für sich entdeckt. Die chinesischen Investoren haben Geld und sind verstärkt auf der Suche nach qualitativ hochwertigen Investitionen – die sie in Europa vorfinden. Davon profitiert insbesondere Deutschland – deutsche Produkte werden auch in China hoch geschätzt. Alleine 40 Prozent aller chinesischen Investitionen in Europa wurden in Deutschland getätigt. Der Hunger der chinesischen Unternehmen auf Investitionen in Deutschland und Europa dürfte weiter groß bleiben, denn die Expansionsstrategie wird unterstützt von der chinesischen Regierung. Um auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein, brauchen die chinesischen Unternehmen auch europäisches – und vor allem deutsches – Know-how.“

Aber nicht nur chinesische Manager, sondern die Investoren insgesamt blicken wohlwollend auf Deutschland. So ist Deutschland nicht nur der drittbeliebteste Investitionsstandort weltweit. Befragt nach dem attraktivsten Investitionsstandort in Westeuropa nennen 42 Prozent (Vorjahr 40 Prozent) Deutschland. Großbritannien folgt mit 18 Prozent (Vorjahr 22 Prozent) mit weitem Abstand. Somit ist es vor allem dem starken Abschneiden Deutschlands zu verdanken, dass Westeuropa unter allen Regionen am besten abschneidet: Die Hälfte der befragten Manager sieht in Westeuropa eine der drei attraktivsten Regionen der Welt. Nordamerika (39 Prozent) und China (38 Prozent) folgen auf den Plätzen.

Zwei Drittel mit deutscher Politik zufrieden
Zwei von drei Investoren sind aktuell mit der deutschen Politik zufrieden und deutlich weniger als noch im Jahr zuvor haben vor, einen Teil der Tätigkeit aus Deutschland weg zu verlagern: Nur jedes achte Unternehmen plant einen solchen Schritt. 2014 hatte jedes fünfte Unternehmen Verlagerungen ins Ausland auf der Agenda.

Der Euro wird in den Augen eines Großteils der Investoren als Standortvorteil gesehen. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) hält die Gemeinschaftswährung für eine Stärke Deutschlands. In den vergangenen drei Jahren lag der Wert jeweils unter der 50-Prozent-Grenze gesehen. Der Wert für Europa ist mit 53 Prozent noch ein wenig besser und lag auch schon im vergangenen Jahr über der 50-Prozent-Grenze.

Unter den Standortfaktoren wird vor allem Deutschlands Transport- und Logistikinfrastruktur als attraktiv eingeschätzt. 89 Prozent der Unternehmen sehen hier in Deutschland klare Vorteile. Ebenfalls mehr als 80 Prozent Zustimmung erhalten die Punkte Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte (87 Prozent), Soziales Klima (86 Prozent), Stabilität und Transparenz in Politik und Recht (84 Prozent) sowie die Telekommunikationsinfrastruktur (84 Prozent).

Verbesserungen bei Digitalisierung und Innovation angemahnt
Trotz hoher Zustimmungswerte: In vielen Bereichen sehen die Investoren noch Verbesserungsbedarf. So mahnt fast jeder Dritte (30 Prozent) Verbesserungen bei der Aus- und Weiterbildung im Bereich „Neue Technologien“ an – Stichwort Digitalisierung – und jeder Vierte wünscht sich eine stärkere Förderung von Innovation über Steueranreize. Mit jeweils 21 Prozent ebenfalls häufig genannt: die Schaffung eines innovations- und kreativitätsfördernden Umfelds, Bürokratieabbau und die Senkung von Steuern.

„Die Meilensteine der Digitalisierung finden vor allem in den USA statt, da hat Europa bislang das Nachsehen“, sagt Englisch. „Ein Premiumstandort wie Deutschland, der von seinen Innovationen lebt, kann und muss in diesem Bereich noch wesentlich mehr tun. Hierzulande fehlt es aber noch an qualifizierten Fachkräften und dem Mut zum Risiko“, so Englisch. Während im Silicon Valley die Geschäftsmodelle entwickelt würden, die die Wirtschaftswelt der Zukunft prägen werden, hätten es junge Technologieunternehmen in Deutschland nach wie vor schwer. Zwar fänden inzwischen auch in Deutschland immer mehr junge Firmen Risikokapitalgeber – das Niveau sei im Vergleich zu den USA oder Großbritannien aber immer noch sehr bescheiden. Zudem hemmten immer wieder der hohe Bürokratieaufwand sowie die hohe Steuerbelastung. „Deutschland darf sich also nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Wir müssen heute dafür sorgen, dass Deutschland auch in zehn Jahren noch in der Champions League der Top-Standorte spielt. Und dafür müssen wir endlich mehr in Digitalisierung und neue Technologien investieren“, mahnt Englisch.

Aufmacherbild: Broker stands on stock price chart, and casts a long shadow. via Shutterstock / Urheberrecht: gopixa

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