#DHDL: Twitter Reaktionen auf die Startup-Casting-Show
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Das neue Vox-Format „Die Höhle der Löwen“, bei dem Gründer um die Gunst von Investoren werben, ist derzeit Gegenstand erhitzter Diskussionen, die grundsätzliche gesellschaftliche Fragen aufwerfen. Obwohl aus Medienkreisen viel Kritik am Konzept der Sendung laut wird, zeigten sich einige Stimmen – etwa über soziale Kanäle wie Twitter (#DHDL) – positiv überrascht.

Das Konzept ist simpel, im Stil von bereits bekannten Castingshows wie DSDS gehalten; hier geht es jedoch ganz explizit um Geld und Know-How. Verschiedene Gründer tragen ihre Ideen einer fünfköpfigen Investoren-Jury vor, diese entscheiden, ob sie mit einsteigen möchten – oder das Projekt zum scheitern verurteilen. Das gleiche Format zeigt sich bereits in vielen anderen Ländern erfolgreich.

DHDL: Bloßstellung oder aufschlussreicher Einblick ins Unternehmertum?

Deutschland hat zu wenig Gründer. Entsprechend sollen Jungunternehmer gefördert und die Thematik mehr ins Licht der Aufmerksamkeit gerückt werden, auch um Anderen einen Anstoß zu bieten. So lautet der zunächst sinnvoll und großherzig klingende Ansatz des Fernsehsenders. Betrachtet man die Idee allerdings genauer, so heißt es auf vielen Medienseiten, spiegelt sich in der Show unser kapitalistisches System von einer recht unschönen Seite wider. Nicht zuletzt, weil es so erscheint, als kämen die Investoren letztendlich mit dem größeren Vorteil davon: sie erhalten große Anteile an den Unternehmen, in die sie investieren und es sind ihre Produkte, die in den Werbepausen beworben werben.

Ob und wie der Vorteil aussieht, den die Gründer davontragen, bleibt unklar. Nachdem ihre Idee von Grund auf zerlegt wird (so befriedigt die Show den Voyeurismus des Zuschauers), ihr Lebenstraum also wenn nicht zerstört, dann immerhin stark ernüchtert wird, treten sie – wie im Falle des Herstellers der Allergiker-Matratzen – nicht unbedingt als Gewinner aus dem Deal hervor. Er tritt am Ende der Live-Verhandlung 60 Prozent seines Unternehmens an die Gründer ab, doppelt so viel wie er anfangs verkaufen wollte.

Die Unternehmer und ihre gepitchten Ideen – in der Sendung erfolgreich oder nicht – werden wohl trotzdem etwas mitnehmen: durch den Sender und die beste Sendezeit wird eine unglaublich breite Masse an Menschen erreicht und auf das jeweilige Produkt aufmerksam. Auch wenn sich die Investoren also nicht begeistert zeigten, ist die Werbetrommel ordentlich angekurbelt worden. Diese Twitter-Userin zeigt sich zum Beispiel begeistert von der in der Sendung vorgestellten Fasssauna:

Twitter: nach der Show viel positive Resonanz

Schaufelt man die ideologischen Grundsatz-Probleme einmal beiseite, gibt es auch durchaus positive Resonanz. So scheinen viele Zuschauer die Sendung authentisch und deshalb aufschlussreich gefunden zu haben. Für Leute, die selber gründen wollen, kann die „Höhle der Löwen“ durchaus anregend und inspirierend sein – sie sehen wie ein Pitch funktioniert, welche Fragen Investoren stellen, wie die Geschäftszahlen anderer Gründer aussehen. Um das Augenmerk der breiten Masse auf das Thema Unternehmertum zu richten, scheint die Sendung also recht brauchbar.

Kein Online-Business-Pitch in der ersten Folge

Fraglich bleibt nur, ob das Format aufgrund seines Show-Charakters doch eher auf Unterhaltung ausgelegt ist und dadurch realitätsfern bleibt. Aus Sicht der Tech-Branche ist außerdem schade, dass Online-Geschäftsideen zumindest beim ersten Sendetermin vollständig außen vor blieben.

Aufmacherbild: Mission – Businessman with red binder on white background via Shutterstock / Urheberrecht: docstockmedia

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