IT-Mittelstand

Digitalisierung ist Chefsache
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Scheitert die Digitalisierung des deutschen Mittelstands an der Führungsstruktur der Unternehmen? Warum digitale Startgien Chefsache sind.

Der Mittelstand bildet eine tragende Säule der deutschen Volkswirtschaft. Mit rund 65,9 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sind mittelständische Unternehmen die größten Arbeitgeber der Republik. Die fortschreitende Globalisierung weltweit tätiger Kapitalgesellschaften sowie die Digitalisierung üben einen immer größeren Druck auf die deutschen Leistungsträger der Wirtschaft aus. Diese Unternehmen unterscheiden sich nicht nur durch ihre Betriebsgröße von Großkonzernen, sondern vor allem auch durch ihre Führungsstruktur. So stellt sich etwa in traditionell geführten Familienbetrieben oft nicht die Frage nach der fachlichen Kompetenz der Führungsetage – der Chef-Titel wird an die folgende Generation vererbt. Eine zukunftsorientierte digitale Strategie findet man hier oft vergebens. Schließlich müssen bei der Digitalisierung mittelständischer Geschäftsmodelle schmerzhafte Fragen formuliert werden, die grundsätzliche Arbeitsabläufe und traditionelle Strukturen in Frage stellen. Die Digitalisierung von mittelständischen Unternehmen kann und darf nicht die Aufgabe einer IT-Abteilung sein und so mahnte auch die Kanzlerin kürzlich die Chefetagen mittelständischer Unternehmen, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden – Digitalisierung sei die Aufgabe des CEO.

Die aktuelle Studie „Digitale Transformation und ihre Auswirkung auf die Führung im Mittelstand“ der Personalberatung InterSearch Executive Consultants bestätigt diese Ausfassung. Demnach geben 81 Prozent der deutschen Mittelständler an, dass die digitale Transformation in ihrem Unternehmen überwiegend umgesetzt ist. Vollständig auf digitale Prozesse umgestellt haben dabei 28 Prozent der Firmen ihr Kerngeschäft. Doch in weniger als der Hälfte der Unternehmen steht das Thema Digitalisierung auf der Agenda der obersten Führungsebene.

Beim Thema digitale Transformation sind Deutschlands Mittelständler nach eigener Einschätzung weit fortgeschritten: Vier von fünf der befragten Topmanager geben an, dass ihre Kerngeschäftsprozesse schon überwiegend digital ablaufen. Strategisch sind dabei jedoch nicht alle Unternehmen vorgegangen – eine Agenda für die digitale Transformation existiert nur in 60 Prozent der Unternehmen. Der Grund: In vielen Unternehmen übernimmt die oberste Führungsriege keine Verantwortung für das Thema. Stattdessen wird es beim CIO oder auch dem IT-Bereichsleiter verankert, der die Umsetzung ohne Steuerung der Unternehmensleitung vorantreibt. Fast drei Viertel investieren in neue IT-Plattformen für eine weitere Digitalisierung (72 Prozent).

Große Unterschiede bei der Umsetzung der digitalen Transformation bestehen zwischen den Branchen. Vorreiter sind die Internet-Wirtschaft und die IT- und Telekommunikationsindustrie. Dort haben 98 Prozent der Firmen ihre Kerngeschäftsprozesse digitalisiert, vollständig umgestellt hat allerdings erst die Hälfte. Im Finanzdienstleistungssegment sowie im Maschinen- und Anlagenbau trifft dies auf jeweils 86 Prozent zu, wobei erst genannte Branche deutlich häufiger komplett digitalisiert ist (37 Prozent im Vergleich zu 20 Prozent). Im Handel und in der Gesundheitswirtschaft ist die Digitalisierung erst in sieben von zehn Unternehmen fortgeschritten. Um die Digitalisierung im Unternehmen strategisch weiter voranzutreiben, sollten die Mittelständler bei der Besetzung von Führungspositionen darauf achten, dass entsprechende Kompetenzen vorhanden sind.

Aufmacherbild: Shady image of a manager discussing business matters with her subordinates

via Shutterstock / Urheberrecht:  Pressmaster

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