ECF-Farmsystems: Startup baut innovative Stadtfarm
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Wer an Fischzucht und Tomatenanbau denkt, verbindet das nicht unbedingt mit technologischer Innovation und einer Metropole wie Berlin. Das Startup ECF-Farmsystems hat die nötige Technik entwickelt, um auf einer Stadtfarm nahe dem Tempelhofer Flughafengelände in Berlin Gemüse- und Fischzucht gleichzeitig zu betreiben – eine fortschrittliche Art, Urban Gardening, also die landwirtschaftliche, umweltfreundliche Nutzung städtischer Flächen, zu betreiben.

Derzeit existiert auf dem ehemaligen Gelände einer Malzfabrik ein Container, auf dem ein Gewächshaus installiert ist. Darin wachsen vor allem Tomaten. Im Container schwimmen bald 100 Zander-Fische, die die Tomaten mit Nährstoffen versorgen. Dieses Modell soll nun auf eine 1800 Quadratmeter große Anlage ausgeweitet werden, die jährlich 25 Tonnen Fisch und 35 Tonnen Gemüse produzieren soll – und das mitten in Berlin.

Ähnliche Projekte gibt es zwar schon in anderen Städten. Jedoch ist die Kombination aus Fischzucht und Gemüseanbau weltweit einzigartig. ECF wird durch die IBB Beteiligungsgesellschaft – ein Risikokapitalgeber der Länder Berlin und Brandenburg – unterstützt. Laut Wirtschaftswoche wurde die Zusage für eine siebenstellige Investitionssumme gegeben. Der Bau der Stadtfarm startet im Sommer diesen Jahres. Bis 2015 sollen dann Privatpersonen und Restaurants Fisch und Gemüse im Abo bestellen können. Der Fisch wird pro Kilogramm rund 15 Euro kosten. Ein Gemüseabo gibt’s ab rund 60 Euro pro Monat.

Die Technik baut dabei auf ein uraltes Prinzip. Das Wasser samt Verdauungsresten der Fische wird gefiltert und als Dünger für die Pflanzen benutzt, die darüber gedeihen. Konventionelle Bauern nutzen diese Technik ebenso: In der Landwirtschaft wird Gülle aufgrund der Nährstofffülle zum Düngen verwendet. Bei ECF passiert das im Kleinen. Das wiederum verspricht einige Vorteile: So kommt das Berliner Gemüse ohne Erde aus. Die Pflanzen wachsen direkt in der gefilterten Nährstoffmischung. Dabei wird für die gleichen Erträge bis zu 90 Prozent weniger Wasser und bis zu 70 Prozent weniger Fläche verbraucht, als in der herkömmlichen Landwirtschaft. Die ECF-Gründer haben sich nicht zum Ziel gemacht, möglichst viele Fische und Tomaten zu verkaufen. Stattdessen zielen sie auf eine Portierung des Modells, das unter dem Strich umweltschonender und platzsparender ist, als eine voneinander getrennte Aufzucht von Tomaten und Fischen. Künftig könnten auch andere Gemüse- und Fischsorten gezüchtet werden.

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