EY Startup Barometer 2014: Gründerszene in Deutschland
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Das unabhängige Marktforschungsinstitut Valid Research hat im April dieses Jahres im Auftrag von Ernst & Young GmbH eine telefonische Umfrage der deutschen Gründer durchgeführt, die als Basis für den EY Startup Barometer 2014 diente. Die Studie spiegelt die aktuelle Lage in der deutschen Gründerszene wider.

Startup Barometer 2014: die Ergebnisse

Im Rahmen der repräsentativen Studie wurden 151 Startups telefonisch befragt, deren Gründung nicht mehr als acht Jahre zurückliegt. Die Befragungsergebnisse wurden anschließend in Form diverser Grafiken ausgewertet. Alleine in Berlin haben 41 Startups an der Umfrage teilgenommen, 29 in Nordrhein-Westfalen, 25 in Bayern, 17 in Hamburg, 15 in Baden-Württemberg. Der Rest verteilt sich gleichmäßig über ganz Deutschland.

Unternehmensstrukturen in deutschen Startups

Das Durchschnittsalter der befragten Startups liegt bei 3 Jahren und 9 Monaten, dabei sind 52 Prozent der Startups höchstens drei Jahre alt. 25 Prozent der teilnehmenden Unternehmen siedeln sich in der Software-, 24 Prozent in der eCommerce und 12 Prozent in der Advertising & Marketing-Branche ein. Dabei werden durchschnittlich 19 Mitarbeiter beschäftigt, während 84 Prozent der Startups weniger als 25 Mitarbeiter beschäftigen.

Startup Barometer 2014: Zukunftsprognosen

Erfreulich ist, dass deutsche Jungunternehmen überaus optimistisch in die Zukunft blicken. Die hiesigen Startups rechnen mit einem Umsatzwachstum von durchschnittlich 66 Prozent. Entsprechend sind rund zwei von drei Startups bereit, neue Mitarbeiter einzustellen. 20 Prozent aller befragten Unternehmen rechnen sogar mit einem Beschäftigungswachstum von mindestens 20 Prozent.

Wachstumsprognosen getrübt von Finanzierungsschwierigkeiten

Trotz der optimistischen Einschätzung des Umsatzwachstums machen sich rund vier von zehn Gründern Sorgen um die weitere Finanzierung des Unternehmens. Zwei von drei befragten Startups sind in den kommenden zwei Jahren auf eine Finanzierungsspritze angewiesen.

Somit sind die Finanzierungsschwierigkeiten das größte Hindernis für deutsche Startups. Denn konventionelle Bankkredite kommen für Jungunternehmen in der Regel nicht in Frage, da das Risiko eines Misserfolges zu hoch ist. Während sich die meisten Startups in der Anfangsphase aus der eigenen Tasche oder aus den Mitteln von Family&Friends finanzieren, sind diese auf Investoren angewiesen, um von der Seed-Phase in die Wachstumsphase überzugehen. Lediglich 11 Prozent der befragten Startups finanzieren sich über Bankkredite.

„Start-ups müssen enorm um frische Geldmittel kämpfen – die ständige Suche nach Investoren hält viele junge Gründer von der zügigen Fort- und Weiterentwicklung ihrer Geschäftsidee ab. Das eigentliche Problem besteht dabei in der fehlenden adäquaten Venture Capital Landschaft wie sie z.B. in den USA, in England oder Israel besteht. Finanzierungsprobleme könnten dem aktuellen Gründerboom in Deutschland daher ein jähes Ende bereiten“ (Peter Lennartz, Partner bei Ernst & Young) 

Fehlende Finanzierung ist die größte Hürde für Startups

Zukünftig wird die fehlende Finanzierung weiterhin die größte Hürde für Startups auf dem Weg zu einem etablierten Unternehmen bleiben. Sollten sich die Rahmenbedingungen in Deutschland nicht zum Positiven verändern, wird es für die hiesigen Gründer schwierig bleiben, mit der überstarken US-amerikanischen Konkurrenz mitzuhalten. Denn laut den Ergebnissen des EY Startup Barometers bleiben ausländische Investitionen eher eine Ausnahme.

Ausländische Investitionen bilden eine Ausnahme

Trotz des bemerkenswerten Imageaufschwungs gerade des Standorts Berlin blicken nach wie vor nur wenige internationale Investoren nach Deutschland – was auch damit zusammenhängt, dass die hiesigen Startups zu klein sind und nur wenige Gründer den internationalen Markt anpeilen: Gerade einmal jedes vierte Unternehmen ist derzeit auf den Weltmarkt ausgerichtet – die meisten zielen auf den deutschsprachigen Raum ab, so die Studie. Dementsprechend niedrig ist die Bereitschaft ausländischer Kapitalgeber, Geld in deutsche Startups zu investieren. Lediglich neun Prozent der befragten Unternehmen haben Investitionen aus dem Ausland bekommen.

Erfahrene Gründer auf dem Vormarsch

Optimistisch stimmt der Wandel der Startup-Gründer. Die neue Generation junger Unternehmer bringt mehr Erfahrung mit. 49 Prozent der Studienteilnehmer haben bereits mindestens eine Gründung bzw. einen Exit hinter sich – jeder zwanzigste kann bereits fünf Gründungen vorweisen.

Deutschland als Startup-Standort nur Mittelmaß

Wie attraktiv ist Deutschland für Startups als Unternehmensstandort? Studienergebnisse fallen nicht so rosig aus. Lediglich 30 Prozent der teilnehmenden Unternehmen finden die aktuellen Rahmenbedingungen in Deutschland „gut“, weitere 44 Prozent bewerten diese als „befriedigend“, während jeder vierte Gründer die Situation hierzulande als „schlecht“ bezeichnet.

Beste Noten für Standort Berlin

Berlin liegt dabei ganz vorne, wenn es um die Auswahl des deutschen Startup-Standortes geht. Rund 80 Prozent der Gründer, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind der Meinung, dass die deutsche Hauptstadt die besten Rahmenbedingungen für Startups bietet. Platz zwei belegt mit großem Abstand Hamburg mit 35 Prozent, gefolgt von München mit 26 Prozent. 18 Prozent der Befragten bezeichnen Nordrhein-Westfalen als einen führenden Startup-Standort in Deutschland.

Ulrich Plett, Partner bei Ernst & Young lobt das in Berlin geschaffene Startup-Ökosystem:

„In Berlin entwickelt sich ein starkes und funktionierendes Start-up-Ökosystem – eine Entwicklung, die eine große Eigendynamik gewonnen hat und Berlin auch zu einem europäischen Start-up-Zentrum macht“

Verbesserungsvorschläge teilnehmender Startups: Finanzierung, Finanzierung, Finanzierung

Eine Verbesserung der Qualität des Startup-Standorts Deutschland ließe sich nach Ansicht der befragten Unternehmensgründer vor allem über Verbesserung der Finanzierungsbedingungen in Deutschland erreichen: 63 Prozent der Gründer fordern einen vereinfachten Zugang zu Krediten in Form von Bundesbürgschaften oder Förderprogrammen. Jeder zweite wünscht sich sogar einen großen bundeseigenen Startup-Fonds. Um dem Fachkräftemangel zu trotzen, halten 33 Prozent eine verstärkte Zuwanderung nach Deutschland sowie eine vereinfachte Visaerteilung für geboten. Hier geht es zu der vollständigen Studie

 

Aufmacherbild: A startup company or startup is a company, a partnership or temporary organization designed to search for a repeatable or scalable business model von Shutterstock/ Urheberrecht Trueffelpix

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