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Facebook-Alternative: hoomn [Interview]
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Die Gründer von hoomn kritisieren, dass sich Facebook einen extrem weitreichenden Zugriff auf Nutzerdaten sichert. Ihre Antwort auf Facebook ist eine App, die wie eine öffentliche Pinnwand funktioniert. Manuel Schulze erklärt uns in einem Interview, wie hoomn funktioniert.

WebMagazin: Erklär uns doch bitte das Prinzip von hoomn, wie funktioniert Eure Idee?

Manuel Schulze: Unsere Vision ist es Menschen miteinander zu verbinden, die sich weiterhelfen. Daher auch der Name hoomn (abgeleitet von “human”). Unsere App funktioniert wie ein schwarzes Brett 4.0. Es gibt eine öffentliche Pinnwand und einen privaten Chat.

Über die öffentliche Pinnwand können alle Menschen an einem bestimmten Standort erreicht werden. Das Besondere daran ist, dass jeder Nutzer selbst einstellen kann, aus welchem Umkreis er die Posts von anderen sehen will. Wir nennen diese Posts übrigens hooms.
So kann sich jeder nach Belieben aussuchen, ob er an Angeboten, Fragen und Informationen aus der ganzen Stadt, oder nur aus seiner direkten Nachbarschaft interessiert ist.

Wenn mich ein hoom interessiert, kann ich mit einem Klick Kontakt aufnehmen und gelange in den privaten Chat. Dort kann ich dann alles Weitere besprechen und – wenn man den Eindruck hat “es passt” – auch persönliche Daten austauschen z.B. für die Kaufabwicklung/Treffen usw.

WebMagazin: Was macht hoomn besonders, wer sind Eure Mitbewerber und was unterscheidet Euch vom Rest?

Manuel Schulze: Wir haben verschiedene direkte und indirekte Wettbewerber. Die derzeit wohl am häufigsten verwendete Form von öffentlichen Pinnwänden sind die zahlreichen lokalisierten Facebook-Gruppen, wie beispielsweise “Verkauf’s München” oder “Teilen in Hamburg”, etc… Dort werden sowohl Dinge miteinander geteilt, als auch lokale Fragen gestellt und beantwortet.
Allerdings beziehen sich diese Gruppen zumeist auf eine gesamte Stadt und weniger auf ein bestimmtes Stadtviertel. Mit hoomn erreicht man tatsächlich die Leute in seiner unmittelbaren Umgebung.

Außerdem ist hoomn optimiert für den mobilen Gebrauch und was noch viel ist – wir respektieren die Privatsphäre unserer Nutzer. Während Facebook alle Posts und Nachrichten automatisch speichert, auswertet und schlussendlich in Form von Werbedaten verkauft, ist für die Nutzung von hoomn keine Registrierung nötig. Die App funktioniert vollständig anonym und es werden daher keine personenbezogenen Daten gesammelt und ausgewertet.

Weitere indirekte Wettbewerber sind die vielen anonymen Chat-Apps, wie bspw. Yik Yak aus den USA oder der deutsche Klon Jodel, die uns aus technologischer Sicht recht ähnlich sind.
Von diesen Apps unterscheiden wir uns im Fokus – wir haben keine “like” oder “comment”-Funktion integriert um Spammern, Mobbern und Narzisten keinen Raum zu geben. Stattdessen haben User bei uns die Möglichkeit, ein “Danke Schön” zu versenden, oder eine Top-Antwort zu bestimmen. Bei hoomn geht es eben nicht darum möglichst große öffentliche Aufmerksamkeit zu bekommen, sondern sich wieder mit “echten” Menschen zu verbinden um sich gegenseitig weiterzuhelfen.

hoom

 

©hoomn

WebMagazin: Auf welcher Entwicklungsstufe befindet ihr euch gerade bzw. wann seid ihr live gegangen?

Manuel Schulze: Wir sind vor etwas mehr als zwei Wochen mit unserer Android-Version live gegangen und arbeiten gerade mit Hochdruck an der Entwicklung der iOS-Version. Unsere Marketing-Aktivitäten konzentrieren sich zurzeit auf München. Dort ist bisher der meiste Inhalt bereitgestellt worden. Verfügbar ist die App jedoch überall.

WebMagazin: Wie finanziert Ihr Euch?

Manuel Schulze: Die App wird unter dem Dach der Firma Incedo Services GmbH aus Stuttgart betrieben. Aktuell konzentrieren wir uns auf das Produkt und die Steigerung der Nutzerzahlen. Parallel dazu werden weitere Finanzierungsmöglichkeiten erörtert.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler Eures Geschäftsmodells, wie verdient Ihr Geld?

Manuel Schulze: Wir werden uns in nächster Zeit auf Nutzerwachstum konzentrieren. Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten für uns, Geld zu verdienen. Erstens, lokalisierte Werbung von Unternehmen vor Ort zu schalten. Zweitens, Nutzer äußern ein Bedürfnis und wir bringen Sie mit den richtigen Unternehmen vor Ort zusammen. Drittens, Entwicklung einer Premiumversion, die von den Nutzern käuflich erworben werden kann.

WebMagazin: Wie seid Ihr auf die Idee von hoomn gekommen und was habt Ihr vorher gemacht?

Manuel Schulze: Es ist uns schon oft passiert, dass wir gewisse Fragen nicht mit Hilfe von Google beantworten konnten. Gerade bei sehr spezifischen, lokalen Dingen können uns Menschen aus unserem Viertel viel schneller und besser weiterhelfen als eine Suchmaschine. Daher die Idee für eine Plattform, die Menschen auf Basis ihres Standorts miteinander verbindet. Außerdem hat es uns in den letzten Jahren mehr und mehr geärgert, dass man sich für jede Plattform im Internet registrieren muss und quasi einen “persönliche Datenstriptease” hinlegen muss.
Im normalen Leben tauscht man persönliche Daten ja auch nur aus, wenn es eine Notwendigkeit hierfür gibt und eine entsprechende Vertrauensbasis hergestellt ist. Daher ist es uns wichtig, die Nutzer entscheiden zu lassem, wann und mit wem sie welche Informationen teilen wollen.

Unsere Entwickler haben bereits mehrjährige Berufserfahrung im Bereich der Software-Entwicklung. Meine Mitgründern habe ich während der Studienzeit in München bzw. während eines Auslandspraktikum kennengelernt. Wir haben schon in diversen Projekten zusammengearbeitet, was eine der Voraussetzungen war, um gemeinsam etwas zu gründen.

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