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Finanzinvestoren verdoppeln Investitionen in Deutschland
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Finanzinvestoren haben in der ersten Jahreshälfte 72 deutsche Unternehmen gekauft oder Unternehmensanteile erworben und dafür insgesamt 8,6 Milliarden Euro gezahlt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des deutschen Private-Equity-Markts der Beratungsgesellschaft EY.

Demnach haben bei den Verkäufen deutscher Unternehmensbeteiligungen – den sogenannten Exits, die Investoren im ersten Halbjahr insgesamt 8,6 Milliarden Euro eingenommen und somit erstmals seit dem zweiten Halbjahr 2012 so viel Geld in Deutschland investiert wie erlöst. In den Vor-Halbjahren hatte der Wert der Exits zumeist deutlich über dem der Neuinvestitionen gelegen.

Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2014 ging der Gesamtwert der Exits um 10 Prozent zurück – zwischen Juli und Dezember 2014 waren bei Beteiligungsverkäufen noch 9,6 Milliarden Euro in die Kassen der Finanzinvestoren geflossen. Die Zahl der Exits legte hingegen im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2014 von 41 auf 46 zu. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), die den deutschen Private-Equity-Markt untersucht.

Andererseits führe das hohe Interesse strategischer Investoren an Zukäufen zum Teil zu sehr hohen Bewertungen, was einige Kaufinteressenten aus dem Private-Equity-Bereich abschrecke, ergänzt Wolfgang Taudte, Partner bei EY: „Dass es trotz guter Finanzierungsbedingungen nicht mehr Zukäufe in Deutschland gibt, liegt auch an den aktuell hohen Bewertungen und der starken Konkurrenz durch strategische Investoren, die ebenfalls in Kauflaune sind. Die Private-Equity-Investoren kaufen nicht um jeden Preis – stattdessen investieren sie sehr selektiv“.
Zudem fehlen attraktive Zielunternehmen, betont Kron: „Es gibt mehr Liquidität im Markt als Anlagemöglichkeiten – den Finanzinvestoren gehen die Ziele aus, während immer weiter Geld in ihre Fonds fließt“.

Warten auf große Carve-Out-Transaktionen

Aktuell warten daher viele Investoren darauf, dass etliche deutsche Großkonzerne ihre Ankündigungen wahr machen und sich in großem Stil von Konzernteilen trennen. „Derzeit sind zahlreiche Teilverkäufe in Planung“, beobachtet Taudte. „Viele Konzerne formen sich neu und müssen dafür Geschäftsbereiche und Tochterunternehmen verkaufen – denn nicht alle Bereiche passen langfristig zur neuen Strategie“

„Wir rechnen mit einer Welle von Carve-Out-Transaktionen in Deutschland, denn die Zeit der Mischkonzerne ist vorbei – heute fordern Investoren von Unternehmen ein fokussiertes Geschäftsmodell“, sagt Kron. Bei den anstehenden Abspaltungen könnten insbesondere Private-Equity-Investoren zum Zuge kommen – mit ihrer Restrukturierungskompetenz seien sie in solchen Fällen oftmals die idealen Abnehmer. Kron ist daher überzeugt: „Deutschland bleibt ein attraktiver und vielversprechender Zielmarkt für Finanzinvestoren“.

Griechenland Krise noch ohne Relevanz für PE-Markt

Die aktuelle Griechenland-Krise dürfte – wenn überhaupt – nur zu einer vorübergehenden Eintrübung der Investitionsbereitschaft der Private-Equity-Fonds führen, ist Taudte überzeugt: „Wir müssen abwarten, wie sich die Lage in Griechenland entwickelt und wie die Kapitalmärkte darauf reagieren. Die meisten Marktteilnehmer sind aber überzeugt, dass sich die Lage relativ bald wieder beruhigen wird – Auswirkungen auf den Transaktionsmarkt in Deutschland sehen wir aktuell nicht“.

Die größte Private-Equity-Transaktion des Jahres war der Kauf der Douglas Holding AG durch CVC Capital Partners für 2,8 Milliarden Euro, gefolgt von der Übernahme der Synlab-Gruppe durch Cinven (1,7 Milliarden Euro) und der Übernahme von Bayer Diabetes Healthcare durch Panasonic für 1,0 Milliarden Euro,  Mehrheitseigentümer von Panasonic ist der Finanzinvestor KKR.

Aufmacherbild: Exit sign above the door via Shutterstock / Urheberrecht: Lester Balajadia

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