Finnland als Driver der europäischen Startup-Szene?
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Finnland ist durch Nokia sowie die entstandenen Gaming Größen Rovio und Supercell schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Auch so hoch im Norden wollen junge Kreative ihre Ideen in Taten umsetzen und gründen. Allerdings sind Fördergelder und VCs nicht so weit gesät, dass es dort so leicht wäre, an Unterstützung zu kommen, wie es beispielsweise in Amerika der Fall ist.

Laut Finnlands Funding Agentur für Innovation wurden letztes Jahr insgesamt 133 Millionen Euro öffentliche Fördergelder in Startups investiert. Davon waren etwas mehr als die Hälfte, ca. 75 Mio. Euro Zuschüsse und 58 Mio. Euro wurden in Form von Darlehen gewährt. Das einzige Manko – im Durchschnitt müssen 50 Prozent der benötigten Gelder anderweitig aufgetrieben werden. Dieses Risiko kann nicht so einfach getragen werden und leistet daher einen wesentlichen Beitrag zum Tal des Todes der Startups.

Trotzdem liegt Finnland im europäischen Durchschnitt, was öffentliche Finanzierungsmittel angeht. Im Jahr 2012 lag Finnland noch auf Platz 16 im euroweiten Vergleich. Letztes Jahr hat es sich auf Platz 14 gemausert.

Dagegen steht ein Report der Finnischen Venture Capitalists Association der belegt, dass Seed Funding, Venture Capital und Business Angel Finanzierungen im Vergleich von 2007 zu 2012 von 132 Mio. Euro auf 94 Mio. Euro gesunken sind. Das ist allerdings eine geringere Reduzierung als im europäischen Durchschnitt. Das Volumen an Venture Capital hat in den 28 Mitgliederstaaten zwischen 2007 und 2012 um ganze 50 Prozent abgenommen.

Laut einer Auswertung der Europaischen Kommission sind es im Bereich Angel Investment in Finnland lediglich 40 Prozent. Private Investitionen sind hier also stärker als im restlichen Europa vertreten. Finnland liegt sogar auf Platz 1 und somit vor Ireland und Portugal.

Verwirrende Zahlen und Vergleiche, da die fehlende Standartisierung der Daten und die unterschiedlichen Quellen keinen lückenlosen Vergleich möglich machen. Das ist das erklärte Ziel des Projektes „Enterprise Finance Index“ der Europäischen Kommission – einen Überblick über die Finanzierungslandschaft in Europa zu schaffen. Möglichst bis Sommer diesen Jahres sollen Daten der europäischen Mitgliedsstaaten tatsächlich vergleichbar werden.

Eines ist klar: In Finnland ist der private Sektor wesentlich investitionswilliger und risikofreudiger als in anderen Mitgliedstaaten der EU. Besonders hierzulande ist man nach wie vor eher risikoscheu. Leider spielt in Europa im Allgemeinen die so häufig thematisierte Sicherheitsproblematik in der IT eine große Rolle. So wenden sich junge innovative Geister eher ab und versuchen, in anderen Ländern ihr Business zu starten. Zu groß sind die Hürden und Restriktionen, die eine freie Entfaltung innovativer Ideen häufig ausbremsen.

Man darf gespannt sein, was der Enterprise Finance Index noch ans Licht befördern wird. In der Zukunft wird sich Euopa weiter anstrengen müssen, um als Gründungsstandort für IT-Unternehmen interesant zu bleiben. Deutschalnd hinkt bereits jetzt dank Spar- und Sicherheitswahn etwas hinterher. Auch hier sollte man sich auf den Hosenboden setzen. Finnland beweist zumindest, dass auch private Finanzierungen mit größrem Investionsvolumen möglich sind. Davon kann Deutschland sich eine Scheibe abschneiden, finden wir.

Aufmacherbild: Back view of businessman drawing sketch on wall von Shutterstock, Urheberrecht: Sergey Nivens 

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