Erster FinTech-Startup-Incubator Deutschlands

FinTech-Startup-Förderung in Frankfurt: main incubator
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Der in Frankfurt ansässige main incubator fördert seit März 2014 junge FinTech-Startups. Christian Hoppe, Founder Director und Geschäftsführer des main incubators, berichtet über die Arbeit des Förderprogramms und wagt einen Blick in die Zukunft der Bankenbranche.

WebMagazin: Kein anderer Markt entwickelt sich derzeit so schnell wie der Finanzsektor. Wie reagieren große Banken auf diesen Trend? Und welche Rolle spielt dabei der main incubator?

Christian Hoppe: Banken müssen heute näher und früher an den Trends im Banking dran sein als früher, denn die FinTechs sind gerade in zahlreichen Bereichen des Bankings aktiv: Digitales Banking und technologiebasierte Plattformen werden jetzt schnell von FinTechs entwickelt und im B2C-Bereich und zunehmend auch im B2B- Bereich den Kunden zur Verfügung gestellt. Die Banken haben das erkannt und sind aktiv geworden, indem sie Digitalstrategien entwickeln und mit innovativen FinTechs zusammenarbeiten. Hier setzt der main incubator an: wir fördern FinTechs, die Potenzial haben, das Banking der Zukunft zu gestalten.

Der main incubator wurde aus der Mittelstandsbank der Commerzbank heraus gegründet und im März 2014 gestartet. Bei unserem operativen Start war der main incubator in Kontinentaleuropa der erste Inkubator einer Großbank für Finanztechnologie-Startups. Unser Fokus liegt auf Lösungen für Firmenkunden. Durch die einzigartige Kooperation mit der Commerzbank als Ankerinvestor kombinieren wir die Flexibilität eines agilen Inkubators mit der Stabilität einer Großbank. Bisher sind wir zwei strategische Investments eingegangen: mit Gini, einem aktuellen Vorreiter in der semantischen Echtzeit- und selbstoptimierenden Datenanalyse und –verarbeitung, und mit Traxpay, einem B2B Dynamic Payments Anbieter. Daneben sind wir als Company Builder tätig.

WebMagazin: Wie unterstützt der main incubator FinTech-Startups und welche Verpflichtungen gehen diese im Gegenzug ein?

Christian Hoppe: Der main incubator bietet Kapital mit Hebelwirkung: Wir bieten Zugang zu den fast 15 Millionen Privat- sowie 1 Million Geschäfts- und Firmenkunden der Commerzbank, Beteiligungskapital und Banking-Know-how. Weiterhin stellen wir Büroräume direkt auf unserer Etage in Frankfurt Bockenheim und eine IT-Infrastruktur zur Verfügung. Diese Nähe hat den Vorteil, dass sich Startups mit uns sofort austauschen oder wir an Experten vermitteln können. Damit verkürzen wir die Time-to-Market für die Startups.

Wenn wir ein strategisches Investment in ein FinTech tätigen, dann mit dem Ziel, dass dessen innovative Lösungen einen Mehrwert für die Bankkunden oder die Bank selbst bieten. Der main incubator strebt dabei keine Mehrheiten an, denn wir wollen, dass die Jungunternehmer auch Unternehmer bleiben. Auch ist die Nichtexklusivität wichtig, um den FinTechs den Zugang zu den Kunden in der gesamten Bankenbranche zu ermöglichen.

Durch den Zugang zu den Kunden der Commerzbank senken wir die Markteintrittsbarrieren für Startups, die sich vor allem im B2B-Bereich durch den fehlenden Track Record stellen. Vor allem für Startups mit B2B-Fokus stellt der Zugang zu Geschäfts- und Firmenkunden einen absoluten Mehrwert dar. Denn die Kundenakquise ist insbesondere im B2B-Bereich kostenintensiv und zeitaufwändig. Gleichzeitig ist es für die Commerzbank ein Mehrwert, über die Zusammenarbeit mit agilen Startups Innovationen innerhalb der Bank vorantreiben zu können. Es ergibt sich also eine echte Win-Win Situation und der main incubator ist hier der Katalysator, der dies ermöglicht.

WebMagazin: London gilt als FinTech-Hauptstadt Europas – welches, vielleicht noch ungenutzte, FinTech-Startup-Potenzial birgt der Standort Berlin/Frankfurt?

Christian Hoppe: Die deutsche FinTech Szene wächst aktuell sehr stark. Tatsächlich ist die Londoner FinTech Startup-Szene mit u.a. ihren zahlreichen Venture Capital Gebern der deutschen Szene um rund zwei bis drei Jahre voraus. Was wirksames Kapital aber tatsächlich auszeichnet, ist ein strategisch und operativ wirkendes Kapital – also Kapital mit Hebelwirkung. Und das ist genau das, was wir den jungen Firmen bieten: Kundenzugang, Banking-Know-how, Netzwerk und Infrastruktur. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Frankfurt ist ein sehr guter Businessstandort für FinTechs – vor allem für solche mit B2B-Fokus. Bei der Gründung stand auch der main incubator vor der Entscheidung: Berlin oder Frankfurt. Wir haben uns für Frankfurt entschieden und damit die Gewichtung auf das Wort „Fin“ in FinTech gelegt. Denn dicht an dicht versammeln sich in Frankfurt / Rhein-Main nationale und internationale Banken und Unternehmen – und damit potenzielle Kunden der FinTechs – , Ausbildungsstätten für Wirtschaft, Banking und IT, Dienstleister der Finanzdienstleistungsindustrie und Investoren. Und Frankfurt hat Erfahrung mit der Regulatorik und damit mit einem Aspekt, der für FinTech früher oder später relevant wird. Dieses Businesspotenzial für FinTechs haben wir erkannt und haben deshalb im Oktober letzten Jahres in Frankfurt die Initiative „Between the Towers. FinTechCity_Frankfurt“ ins Leben gerufen. Über monatliche Abendevents mit einem Fachbeitrag, Startup-Pitches und Networking soll das kontinentaleuropäische FinTech-Ökosystem stärker vernetzt werden. FinTechs sollen mit den Banking-, IT- und Legal-Experten, mit potenziellen Kunden, Kooperationspartnern und Investoren ins Gespräch gebracht werden. Unser nächstes Event findet übrigens am 7. April zum Thema „21st Century Bank“ statt. Wir freuen uns auf unseren Hauptredner Robert Hibner, den Director of Digital Channels and Digital Media bei der mBank in Polen. Er gibt einen Einblick, wie die mBank das Thema „21st Century Bank“ disruptiv gedacht und umgesetzt hat, aktiv lebt und weiterentwickelt.

WebMagazin: Das Internet steht kurz vor einem neuen digitalen Strukturwandel, der die konservative Bankenwelt auf den Kopf stellen wird. Wie werden neue FinTech-Ideen die Finanzbranche verändern?

Christian Hoppe: FinTechs können die Bank der Zukunft in eine digitale Richtung leiten. Wie die Bank und das Banking der Zukunft allerdings aussehen werden, kann noch niemand so genau vorhersehen. Vielleicht ist es eine Zukunft mit zahlreichen Partnerschaften. Eine Kollaboration von FinTechs mit traditionellen Banken kann sich lohnen, weil dadurch bestimmte langjährige Kundenbindung und Vertrauen, Branchen-Know-how, Erfahrungen im Bereich Regulierung und Datensicherheit sowie relevante Infrastrukturen nicht selbst erbracht oder teuer eingekauft werden müssen. Der Mehrwert, den die FinTechs den Banken bieten könnten, wäre z.B. ganz spezifische, spitz auf die Kundenbedürfnisse zugeschneiderte, technologiebasierte Dienstleistungen. Vertrauen und Modernität könnten so eine sehr gute Symbiose bilden.

WebMagazin: Während klassische Finanzdienstleister oft mehrere Services anbieten, spezialisieren sich FinTech-Startups meist auf eine einzige Dienstleistung und bereiten diese klar und übersichtlich auf. Geht der Trend weg von einer Hausbank, mit der man alle Finanzangelegenheiten regelt, hin zu mehreren Dienstleistern?

Christian Hoppe: Gerade haben wir das Thema schon angerissen. Was wir ergänzen können: Banken können den Kunden neben spezifischen Finanzkompetenzen einen weiteren wichtigen vertrauensbildenden Vorteil bieten: Datenschutz bzw. Datensicherheit. In all diesen Bereichen können sich Partnerschaften entwickeln, die eine echte Win-Win-Situation darstellen. Denken wir z.B. an die Bereiche Payments und Identifizierung. Hier werden sicher Lösungen, die von Startup entwickelt wurden, von Banken genutzt werden und deren Kunden angeboten. Entwicklungen in diese Richtung sieht man ja bereits.

Generell wird das Banking für den Kunden transparenter und einfacher werden – und das auch durch Kooperationen mit Startups. Wir glauben, dass die angeblichen Welten, die die Banken und Startups trennen, doch näher sind, als man im ersten Moment denkt. Beide Seiten haben sich so viel zu geben. Das ist fruchtbares Potenzial für Kooperationen. Und diese formen wir als main incubator gerade mit. Da wir selber ein Startup sind – im diesem März jährt sich unser operativer Start zum ersten Mal – können wir beide Welten sehr gut verstehen und hier vermitteln. Das ist eine spannende Zeit für uns.

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