Gesetz für Crowdfunding: neue Regeln der Bundesregierung
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Die Bundesregierung möchte Kleinanleger besser vor risikobehafteten Investitionen und Betrügern schützen. Nach der spektakulären Pleite des Windparkbetreibers Prokon wurden schärfere Regeln im Verbraucherschutz angekündigt. Ein entsprechender Gesetzesentwurf liegt bereits vor.

Jedoch steht die Große Koalition vor einem Dilemma: Einerseits möchte man Verbraucher vor vermeintlich vielversprechenden Investitionen schützen, andererseits stellen die härteren Regulierungen die sich schon ohnehin schleppend entwickelnde deutsche Gründerszene, und vor allem schwarmfinanzierte Projekte, vor weitere bürokratische Hürden.  

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) soll in Zukunft bedenkliche Finanzprodukte frühzeitig und stärker kontrollieren, beispielsweise durch Warnhinweise. Eine Zulassung von Angeboten wird somit schwerer und auch der Einsatz von Werbung soll stärker reglementiert werden. Prokon etwa hatte durch virale Werbung enorme Summen eingesammelt. 

Sonderregelungen für Crowdinvestment 

Crowdfunding ist für viele Startups zu einer beliebten Methode geworden, um den Einstieg in den Markt zu schaffen und innovative, aber teure Projekte zu finanzieren. Die Bundesregierung will die Startup-Kultur fördern und hat den Gesetzesentwurf deshalb um Ausnahmen für crowdfinanzierte Projekte erweitert. So wurde die Grenze für Finanzierungen, die unter die Prospektpflicht fallen von 100.000 Euro auf 1.000.000 Euro angehoben. Das freut, denn ein solches Wertpapierprospekt erstellen zu lassen, kostet laut Florian Nöll, Verbandschef Deutscher Startups, „schnell mal 50.000 Euro“. Anbieter, die unterhalb der Millionen-Grenze bleiben, müssen nach dem neuen Entwurf lediglich ein Infoblatt mit Angaben und Risiken bei der BaFin hinterlegen.

Es bleibt jedoch einen Haken: Einzelinvestments werden auf maximal 10.000 Euro begrenzt. Zudem müssen Kleinanleger, die mehr als 250 Euro investieren, das ihnen ausgehändigte Infoblatt ausdrucken und unterschrieben an den Anbieter zurücksenden. Dies kollidiert mit dem sonst durch und durch digitalen Kommunikationsprozess beim Crowdinvesting. Damit Crowdfunding-Plattformen überhaupt von den Sonderregelungen profitieren können, müssen sie sich schließlich schärferen Kontrollen, etwa durch Gewerbeämter, aussetzen.

Reaktion deutscher Crowdfunding-Plattformen

Die deutschen Crowdfunding-Plattformen begrüßen zwar, dass sich die Bundesregierung mit der Startup-Kultur auseinandersetzt (wie im Koalitionsvertrag festgeschrieben), allerdings wird der Gesetzesentwurf skeptisch aufgenommen.

Denis Bartelt, CEO von Startnext, einer der bekanntesten deutschen Crowdfundingplattformen, äußerte sich zwar wohlwollend, aber dennoch kritisch gegenüber dem Entwurf:

Die Anhebung der Prospektpflichtuntergrenze von 100.000 € auf 1.000.000 € ist ein positiver Schritt. Dieses Limit wird jedoch heute schon von einigen Kampagnen überschritten. Es stellt sich die Frage, in welcher Beziehung diese Grenze steht, denn verschiedene Unternehmenstypen und Unternehmensphasen stehen in verschiedenen Risikogruppen, darauf geht diese Grenze nicht ein. Zudem wird beim Crowdinvesting das Risiko von vielen geschultert, das heißt ein Durchbrechen der Schallmauer von 1 Mio. erhöht nicht pauschal das Risiko des einzelnen. Das Ausbremsen des Anlegerinteresses ist im Crowdinvesting zuhöchst untypisch und nicht wünschenswert. Durch das Anheben der Prospektpflichtuntergrenze auf 1 Mio € wird Crowdinvesting in Deutschland im internationalen Vergleich gut positioniert.

In Teilen begrüßt man auch das Vermögensanlage-Informationsblatt für Anlagen über 250 Euro. Ein dickes ABER schwingt dennoch mit:

Weiterhin positiv ist, dass der bürokratische Aufwand für Investments bis 250€ in Bezug auf das bei höheren Beträgen nun erforderliche Vermögensanlage-Informationsblatt (VIB) gering gehalten wird. Dies könnte dazu führen, dass die Streuung kleiner Beträge forciert wird, was ebenfalls das Gesamtrisiko des Anlegers senken sollte. Allerdings soll das VIB in Papierform unterschrieben werden, was den digitalen Prozess beim Crowdfunding massiv stören und zu unnötigen Ausfallquoten wegen Nichteinreichung dieser Unterschriften seitens der Anleger führen wird.

Auch die maximale Beteiligung von 10.000 Euro sieht man eher als Kompromiss. Für einige Anleger könne der Verlust dieser Summe eine Privatinsolvenz nach sich ziehen, für andere sei sie kaum spürbar. Außerdem sei unklar, wie diese Regelung in der Realität, also digital, umgesetzt werden soll. In seiner jetzigen Form bringe der Gesetzesentwurf mehr Einschränkungen als Vorteile und müsse deshalb dringend überarbeitet werden. Dieser Ansicht ist nicht nur Bartelt, sondern die Mehrheit der Vertreter deutscher Crowdfunding-Plattformen. 

Aufmacherbild: different currencies concept crowdfunding or global financing von Shutterstock/ Urheberrecht Miriam Doerr

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