Startup Interview

Jobspotting stellt sich vor – Startup-Interview
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Wie Spotify, nur mit Jobs statt Musik. Manuel Holtz Founder/CTO des Berliner Startups Jobspotting stellt in einem WebMagazin-Interview seinen Smarte Job-Aggregator vor.

WebMagazin: Erklären Sie uns doch bitte das Prinzip von Jobspotting, wie funktioniert Ihre Idee?

Wir haben Jobspotting als persönlichen Begleiter auf der Jobsuche konzipiert: Einmal ein Profil aufgesetzt, benachrichtigt dich Jobspotting per Email oder App, sobald es neue, relevante Stellen gibt.

Wir aggregieren Stellenangebote aus dem Netz und von unseren Partnern, bekannten Stellenbörsen wie Stepstone oder Monster, aber auch spezialisierten Jobboards und Unternehmensseiten. Damit haben wir eine große Anzahl an Stellen in unserem System, aus denen wir Empfehlungen generieren. Es ermöglicht uns, Trends zu erkennen und Analysen anzustellen, die über die Möglichkeiten eines einzelnen Jobportals hinausgehen.

Die Stellenbeschreibungen werden von uns vollautomatisch analysiert und klassifiziert, unter anderem mit Hilfe von maschinellem Lernen. Dazu haben wir eine umfangreiche semantische Knowledge-Base erstellt, sozusagen ein Vokabular an Konzepten, von denen das System versteht, was sie bedeuten und wie sie zusammenhängen. Wir wissen dann, dass ein Frontend-Entwickler gesucht wird, auch wenn dies nicht explizit in der Stellenanzeige erwähnt wird. Damit wird smartes Matching möglich, das nicht nur auf Schlüsselworte reagiert wie eine übliche Volltextsuche.

Jobspotting merkt sich deine Präferenzen und reagiert auf Feedback, lernt also mit der Zeit weiter dazu, welche Jobs wirklich relevant sind und welche nicht. Wenn dann dein Lieblings-Arbeitgeber eine neue Stelle ausschreibt, die auf deine Fähigkeiten und Filterkriterien passt, bekommst du von Jobspotting eine Benachrichtigung. Du kannst Jobspotting aber auch als Werkzeug verwenden, um gezielt Informationen über den Arbeitsmarkt einzuholen: zum Beispiel, welche Startups in Hamburg gerade Entwickler mit NoSQL-Kenntnissen suchen.

WebMagazin: Was macht Jobspotting besonders, wer sind Ihre Mitbewerber und was unterscheidet Jobspotting vom Rest?

Andere Job-Aggregatoren präsentieren sehr statische, unpersönliche und uninspirierende Suchergebnisse. Sie arbeiten in der Regel mit herkömmlicher Volltextsuche – zeigen daher zum Beispiel auf ein Schlüsselwort wie “Design” Stellen an, in denen es um Kunst geht, oder Marketing, oder Web Design etc. Vielleicht kommt der Begriff sogar in einem ganz anderen Kontext vor. Du musst sich durch etliche irrelevante Anzeigen arbeiten, um wirklich interessante Stellen zu finden. Dazu sind in der Regel viele Variationen von Suchanfragen nötig.

Jobspotting dagegen sucht Stellen nicht für einzelne Schlüsselworte, sondern für ein gesamtes Profil an Fähigkeiten und Einstellungen. Wir finden für dich Jobs, die Schwerpunkten in deinem Profil entsprechen, ohne dass einzelne Schlüsselworte notwendigerweise auch genau so in der Stellenbeschreibung vorkommen müssen. Idealerweise auch Arten von Stellen, an die du selbst noch gar nicht gedacht hast.

Das Matching von Jobspotting wird mit der Nutzung besser. Andere Job-Suchmaschinen haben bei der nächsten Anfrage bereits wieder vergessen, dass du zum Beispiel nicht an Praktika interessiert bist. Jobspotting merkt sich diese Präferenzen und erlaubt dir, ganz gezielt Feedback zu geben, warum eine Stelle nicht so relevant war – um in Zukunft noch relevantere Ergebnisse zu liefern. Wenn eine Stelle richtig gut passt, reicht ein “Daumen hoch”, und wir schauen ganz gezielt nach ähnlichen Stellenausschreibungen.

WebMagazin: Auf welcher Entwicklungsstufe befinden Sie sich gerade?

Wir haben Jobspotting im Januar 2015 gelauncht, also erst vor drei Monaten – als Webseite und iOS-App. Zunächst für Jobs aus einigen ausgewählten Branchen: Startups, IT, Ingenieurswesen & andere Technologie-Jobs, Media & Marketing.

Die Suche ist bereits sprachen- und länderübergreifend möglich, also zum Beispiel “Stellen in Bayern oder London”. Bisher haben wir Stellen in Deutschland und Großbritannien integriert.

Es ist noch viel zu tun: Eine Android-App, weitere Job-Kategorien sowie die Expansion in neue Märkte stehen auf dem Plan. Wir arbeiten auch mit Hochdruck daran, mehr Hintergrundsinformationen über Arbeitgeber in unsere Jobempfehlungen zu integrieren, etwa in welchen Branchen diese tätig sind, ob es sich um ein Startup oder ein etabliertes Unternehmen handelt usw.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler von Jobspotting, wie verdienen Sie Geld?

Jobspotting ist:

Datengetrieben – Das bedeutet wir ermöglichen transparente Einblicke in den Stellenmarkt. Wie viele Unternehmen stellen gerade in deiner Stadt für deine Lieblingsprogrammiersprache ein? In welchen Branchen sind sie tätig und welche Büros liegen in deiner Nachbarschaft? Wie sieht der Einstellungstrend der letzten Monate aus?

Lernfähig – Wir hören auf dein Feedback und zeigen dir relevantere Jobs an, wenn du uns mitteilst, was für dich wichtig ist.

Bequem – Ein Profil aufzusetzen, dauert nur wenige Minuten. Dann liefern wir dir relevante Stellen frei Haus – per Email oder über deine Handy-App.

Die Stellenbörsen, mit denen wir kooperieren, schätzen den zielgerichteten Traffic, den wir durch unser passgenaues Matching generieren. Es sind schließlich genau die Nutzer, die sie ansprechen wollen – jene, die passende Fähigkeiten in ihrem Profil haben. Wenn ein Job gut passt, schicken wir den Nutzer weiter an diese Stellenbörsen, diese Lead Generation wird uns vergütet.

Weitere Business-Modelle sind angedacht, beispielsweise Premium-Tools für Unternehmen.

WebMagazin: Wie ist die Idee von Jobspotting entstanden und was haben die Gründer vorher gemacht?

Kennen gelernt habe ich Hessam Lavi und Jan Backes durch unsere gemeinsame Zeit bei Google in Dublin. Dort haben wir viele Jahre an der Suchqualität für europäische Märkte gearbeitet. Da lag es nahe, diese Erfahrung in ein gemeinsames Projekt einzubringen.

Als Hessam 2009 nach Berlin zog, hat er ein Jobboard für Stellen in berliner Startups erstellt, berlinstartupjobs – inzwischen DIE Anlaufstelle für Startups in Berlin, um neue Talente zu rekrutieren, gerade auch aus dem europäischen Ausland. Aus der hohen Nachfrage von Unternehmen und Nutzern entstand die Idee, eine umfassendere Jobsuche zu entwickeln.

In den ersten Monaten hat Jobspotting dann ein Accelerator-Programm in Berlin durchlaufen, Axel Springer Plug & Play. Robin Haak, Mitgründer des Accelerators, war von der Produktidee und dem Team so begeistert, dass er sich unserem Team anschloss.

Personalisierte Empfehlungen gibt es ja inzwischen für viele Bereiche: Flipboard macht das für News, Spotify für Musik. Das Entdecken von Inhalten wird damit einfacher, angenehmer, inspirierender. Stellenangebote dagegen muss man auch 2015 noch mühsam in Einzelabfragen herausfiltern – die Idee hinter Jobspotting war, dies zu ändern.

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