Startup Interview

Jonny Fresh – ein Interview mit dem Wäsche-Startup
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Die schmutzige Wäsche anderer ist ihr Geschäft: das Wäscheservice-Startup Jonny Fresh schickt sich an, den deutschen Schnellreinigungsmarkt ins digitale Zeitalter zu katapultieren und dank Online-Service und optimierter Prozesse enorm zu beschleunigen. In einem Interview gewährt uns Stefan Michaelis, ein Mitgründer von Jonny Fresh, einen Blick hinter die Kulissen des Startups.

WebMagazin: Erklären Sie uns doch bitte das Prinzip von Jonny Fresh, wie funktioniert Ihre Idee?

Stefan Michaelis: Jonny Fresh ist eine Plattform, die einen Wäscheservice nach Bedarf auch kurzfristig anbietet. Kunden bestimmen über www.jonnyfresh.de Anzahl und Art der zu reinigenden Wäsche. Wir erstellen basierend auf den eingegangenen Bestellungen Aufträge und Tourenpläne für unsere Partnerreinigungen. Anschließend holt ein Lieferfahrzeug die Wäsche im angegebenen Zeitfenster an der Haustür der Kunden ab.

Die schmutzige Wäsche wird gereinigt und innerhalb von 48 Stunden wieder sauber ausgeliefert. Die Zeitfenster für die Übergabe der Wäsche können die Kunden bis auf eine Stunde eingrenzen. Das Ganze basiert auf einer von uns selbst entwickelten Flottenmanagement Software.

WebMagazin: Was macht Jonny Fresh besonders, wer sind Ihre Mitbewerber und was unterscheidet Jonny Fresh vom Rest?

Stefan Michaelis: Dank unseres effizienten Tourenmanagements können wir die logistischen Prozesse so intelligent durchführen, dass wir im Preis-Leistungsverhältnis mit stationären Wäschereien absolut mithalten. Für den Kunden bedeutet dies, dass er sich nicht mehr selber darum kümmern muss, seine Wäsche irgendwo hinzubringen und wieder abzuholen – und zwar ohne, dass er für diesen Lieferservice einen Aufschlag zahlt. Dadurch spart er viel Zeit!

Neben unserer Plattform sind weitere Unternehmen vor allem in den USA und Großbritannien ebenfalls vor knapp zwei Jahren auf dem Markt gekommen. Auch Rocket Internet ist vor kurzem mit einem Startup an den Start gegangen. Die größten und am besten finanzierten Player sind hier sicherlich Washio und Laundrapp welche derzeit in Deutschland noch nicht vertreten sind.

Im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern nutzen wir keine Freelancer als Fahrer die mit Ihren Privat PKW’s unterwegs sind. Unserer Flotte besteht aus speziellen Fahrzeugen, die im Innenraum umgebaut wurden, so dass die Textilien hängend transportiert werden können. Die Fahrer sind bei unseren Partnerreinigungen fest angestellt.

WebMagazin: Auf welcher Entwicklungsstufe befinden Sie sich gerade?

Stefan Michaelis: Wir haben in Berlin den proof of concept erbracht und fokussieren uns jetzt auf die Gewinnung von Marktanteilen sowie die Optimierung unserer Software hinsichtlich Touren- und Kundenmanagement. Seit Mitte Mai bieten wir unseren Service neben Berlin auch in München an. Sollte unser Plan auch hier aufgehen, werden wir die Expansion in weitere Städte der DACH Region anstreben.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler von Jonny Fresh, wie verdienen Sie Geld?

Stefan Michaelis: Der deutsche Schnellreinigungsmarkt hat ein jährliches Marktvolumen von über einer Milliarde Euro. Derzeit ist der Markt durch viele kleine Filialisten sehr stark fragmentiert. Die Branche ist unserer Meinung nach ziemlich eingestaubt und wenig innovationsfreudig. Wir haben unseren Fokus von Anfang an auf die Technologie gelegt und versuchen nicht in „Steine oder Maschinen“ zu investieren. Unsere Partner haben aufgrund der Zusammenarbeit den Vorteil, dass sie sich auf Ihr Kerngeschäft – dem Reinigen von Textilien – konzentrieren können. Hierdurch können teure Annahmestellen, also flächendeckende Filialen, eingespart werden, was sich wiederum auch auf die Preise für die Kunden positiv auswirkt.

Unser Geld verdienen wir mit einer Transaktionsgebühr je Order. Unsere Reinigungspartner zahlen an uns einen gewissen Anteil vom Umsatz, den sie durch die von uns vermittelten Aufträge erwirtschaften.

WebMagazin: Wie ist die Idee von Jonny Fresh entstanden und was haben die Gründer vorher gemacht?

Stefan Michaelis: Wir sind drei Gründer, die einen unterschiedlichen Hintergrund haben. Kay, unser ‚Techi‘, ist Diplom-Ingenieur für physikalische Wissenschaften und kümmert sich um den Code. Sebastian ist Wirtschaftsingenieur für Logistik und ist zuständig für das Tourenmanagement und die Prozesse. Ich selber habe BWL studiert und kümmere mich um das Marketing, die Geschäftsentwicklung und das Produkt.

Ursprünglich wollten wir einen stationären Automaten bauen, der 24 Stunden und sieben Tage die Woche zugänglich gewesen wäre. Textilreinigungsnutzer hätten in diesen Automaten ihre schmutzige Wäsche jederzeit hinein werfen können. Wir hätten die schmutzige Wäsche abholen und reinigen lassen. Anschließend sollte sie wieder frisch gewaschen im Automaten hängen. Das System sollte ähnlich funktionieren wie eine Packstation. Letztendlich ist das Modell an den hohen Investitionen gescheitert, die bei einer Expansion hätten getätigt werden sollen. Wir haben daher unser Geschäftsmodell in einen Online Service umgewandelt – eine pragmatische, aber definitiv auch die richtige Entscheidung!

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