Leadership und Corporate Culture in Startups
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Junge Unternehmen stecken häufig in einem Dilemma: Qualifizierte und motivierte Mitarbeiter sind besonders im frühen Stadium ein Schlüssel zum Erfolg. Die Realität ist jedoch häufig geprägt von fehlenden Strukturen, vielen Überstunden und wenig Planungssicherheit. Nicht gerade verlockende Bedingungen für gutes Personal. In diesem Artikel sollen einige Fallstricke und Tipps thematisiert werden, damit die fehlenden Puzzleteile im Team trotzdem optimal besetzt werden. 

Der Kampf um die besten Mitarbeiter

Eine erste Herausforderung für Startups besteht bereits beim Wettkampf um gutes Personal mit etablierten Unternehmen. Der Arbeitsplatz im Startup erscheint weniger sicher und häufig schrecken unausgereifte Organisationsstrukturen und Prozesse die Bewerber zusätzlich ab. Darüber hinaus rechnen sich viele von ihnen höhere Chancen für die Zukunft aus, wenn den eigenen Lebenslauf der Name eines bekannten Unternehmens ziert.

Jedoch haben auch Startups einige Pluspunkte, welche Sie unbedingt in Stellenausschreibungen betonen sollten. So bieten flache Hierarchien beste Möglichkeiten zum raschen internen Aufstieg sowie zur direkten Kommunikation mit den Entscheidungsträgern. Die generalistische Arbeit in kleinen Teams mit großer Eigenverantwortung erhöht die Flexibilität der Mitarbeiter und bietet zugleich Chancen zum Empowerment der Belegschaft. Es empfiehlt sich also, die möglichen Vorurteile bewusst im Vorstellungsgespräch zu thematisieren und mit Hilfe der genannten Vorteile zu entkräften.

Wie vermeide ich Fehlbesetzungen?

Es ist jedoch keine Seltenheit, dass es in jungen Unternehmen besonders auf Schlüsselpositionen zu Fehlbesetzungen kommt. Dies hat verschiedene Ursachen. So kommt es beispielsweise zu Stellenausschreibungen, während das Arbeitsfeld der betreffenden Position noch gar nicht abschließend definiert ist. In diesen Phasen interner Neuordnungen haben die Stellenausschreibungen mit dem tatsächlichen späteren Aufgabenbereich nicht selten nur noch marginale Schnittmengen. Ist diese Entwicklung selbst beim Einstellungsgespräch noch nicht absehbar, steigt die Gefahr einer Fehlbesetzung für die tatsächlich anstehenden Aufgaben.

Viele Gründer von Tech-Startups haben nicht nur wenig Erfahrung, sondern auch wenig Interesse an operativen Personalentscheidungen auf unterer Ebene und dem damit einhergehenden Mikromanagement. Sie fokussieren sich häufig lieber auf die Produktentwicklung und die Finanzierung des Unternehmens.

Daher ist es auch bei relevanten Management-Positionen elementar, ein komplementäres Team mit unterschiedlichen Qualitäten aufzubauen. Das erfordert vom Gründer nicht nur das richtige Händchen bei der Personalauswahl, sondern auch die Fähigkeit, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten abzugeben. Dies fällt vielen Gründern extrem schwer, geben sie doch dabei das eigene „Baby“ in fremde Hände.

Vertrauen und Corporate Culture

Fehlt jedoch das Vertrauen in das eigene Team, sinken Motivation und Verantwortungsgefühl der einzelnen Mitarbeiter. Eine reine Verwalter-Mentalität im Team sorgt gerade bei kleinen Startups für jede Menge Sand im Getriebe. Da junge Unternehmen nicht selten, beispielsweise nach neuen Finanzierungsrunden, von Geschäftsmodellanpassungen (pivots) und internen Umstrkuturierungen betroffen sind, braucht es jeodoch ein Team, welches nötige Change-Management-Prozesse auch aktiv mitträgt. Mangelndes Vertrauen lähmt ein Unternehmen auch deshalb, weil es automatisch mit erhöhtem Mikromanagement einhergeht.

Besonders bei überschaubaren Teamgrößen ist es empfehlenswert, ritualisierte Team-Events wie ein gemeinsames Frühstück pro Woche oder gemeinsame Sportaktivitäten zu etablieren. Diese wirken sich nicht nur positiv auf das Arbeitsklima und das Verantwortungsgefühl gegenüber dem Unternehmen aus, sie bieten auch einen informellen Kommunikationskanal mit den Mitarbeitern. Auf diese Weise können kleinere Konflikte und Probleme frühzeitig erkannt und gelöst werden. Oder, um es mit Henry Kissinger zu sagen: „An issue ignored, is a crisis invented.“

Vieles vom bisher genannten lässt sich unter dem Begriff Corporate Culture zusammenfassen. Es ist daher empfehlenswert, sich frühzeitig als Gründerteam über einen gemeinsamen Wertekatalog und die dafür nötigen Maßnahmen Gedanken zu machen. Unter der Vielzahl an Aufgaben verlieren besonders Early Stages dieses Thema jedoch häufig aus den Augen. Dabei gilt folgende Formel: Je früher man eine konsistente Unternehmenskultur implementiert und kommuniziert, umso weniger Prozesse müssen von oben gesteuert werden. Verantwortung und Vertrauen sind der Nährboden, um die eigenen Mitarbeiter zu Intrapreneuren werden zu lassen. 

Aufmacherbild: Conceptual image of businessteam working cohesively. Interaction and unity. via Shutterstock / Urheber: Sergey Nivens

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