Unternehmensgründung

Meine Idee, unsere Arbeit – Wem gehört‘s?
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Wenn zwei sich streiten… zerbrechen nicht nur Freundschaften, es kann auch teuer werden. Holger Kreusch von der PricewaterhouseCoopers AG erklärt, warum es so wichtig ist, alle Eventualitäten abzuklären, so lange man sich gut versteht.

Am 18. Mai 2015 trafen sich die Gründer eines erfolgreichen Start-Up-Unternehmens in Berlin – mit ihren Rechtsanwälten, vor dem Landgericht. Sie streiten um die Anteile an ihrem Unternehmen, um Geld, um Rechte. Schriftliche Vereinbarungen hatten sie bisher kaum getroffen. Die wenigen Vereinbarungen, die sie geschlossen hatten, waren so, zumindest aus heutiger Sicht, nicht gewollt.

Als die drei Freunde vor einigen Jahren die Idee zu Ihrer Unternehmensgründung hatten, kannten sie sich zum Teil schon seit der Schulzeit. Der Dritte im Bunde ist während des Studiums dazu gestoßen. Nach einigen Jahren Berufserfahrung und einer Menge Frustration, beschlossen sie, sich gemeinsam selbstständig zu machen. Einer hatte die Idee, der Zweite das Know-how und der Dritte konnte die Idee vermarkten. Ein perfektes Team…oder etwa nicht? Nachdem der Businessplan geschrieben war, die Finanzierung gesichert war, folgte die Umsetzung. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. „Einen Anwalt? Den braucht man doch nur, wenn man sich streitet.“ „Verträge? Das brauchen wir nicht! Wir kennen uns doch schon so lange.“ „Wir vertrauen uns 100%ig!“. Jeder Anwalt, der Unternehmer und Unternehmensgründer betreut, hat diese Sätze schon oft gehört.

Ein gemeinsames Business ist eine Beziehung, ähnlich einer Liebesbeziehung. So lange die Welt noch rosarot ist, kann man alle Probleme und Differenzen lösen. Geht es gemeinsam nicht mehr weiter, fängt häufig der Rosenkrieg an. Manche schaffen es dann, sich nicht mal mehr über das gemeinsam erhaltene Geschenk zu einigen, dass bis dato keiner haben wollte. Wer sich bis dahin nicht gemeinsam für diesen Fall gerüstet hat, wird nun die Aufrüstung gegeneinander suchen.

Aus juristischer Sicht besteht bereits eine Gesellschaft

Aber schauen wir uns kurz an, was bei unseren 3 Freunden juristisch passiert ist:

Durch den Zusammenschluss und die Verfolgung eines gemeinsamen Ziels wurde bereits eine Gesellschaft im juristischen Sinne gegründet. Oftmals ist dies den Beteiligten nicht bewusst, aber wir bewegen uns häufiger als wir es annehmen in sogenannten Gesellschaften des Bürgerlichen Rechts – kurz GbR.

Das deutsche Rechtssystem sieht für die einfachste Gesellschaftsform „GbR“ folgende Grundregeln vor:

  1. Durch den Zusammenschluss von mindestens zwei Personen, die einen gemeinsamen Zweck erreichen wollen, entsteht die Gesellschaft. Schriftliche Verträge sind dafür nicht notwendig!
  2. Soweit keine Regelungen getroffen wurden, haben alle Gesellschafter gleiche Beiträge/ Leistungen zu erbringen.
  3. Jedem Gesellschafter wird der gleiche Anteil an Gewinn und Verlust der Gesellschaft zugewiesen.

Im Ergebnis läuft es also darauf hinaus, dass jeder Gesellschafter, unabhängig von seinem tatsächlich geleisteten Beitrag, in gleicher Höhe an dem Unternehmen beteiligt ist und damit gleichberechtigt nicht nur in puncto Mitspracherecht, sondern beispielsweise auch bei der Gewinnverteilung gleichgestellt ist. Viele weitere Fragen sind noch ungeklärt. Was passiert, wenn einer der Gesellschafter ausscheiden möchte? Wenn die anderen möchten, dass er ausscheidet? Was, wenn einer der Gesellschafter verstirbt? Oder ein neuer Gesellschafter sich an der Gesellschaft beteiligen möchte? Was sind die Unternehmensanteile inzwischen wert? Fragen, an die ein junger Unternehmer nicht denkt. An die er nicht denken muss.

Aus diesen Gründen ist es wichtig, so früh wie möglich Vorsorge zu treffen für diesen Fall. In Zeiten, in denen alle in eine Richtung streben, ist es einfacher, gemeinsame Lösungen für schlechte Zeiten zu definieren.

Frühzeitiges Handeln spart nicht nur Zeit und Nerven, vor allem auch Geld

Im obigen Beispiel tauschen die Rechtsanwälte nun schon seit mehreren Monaten bis zu 20-seitige Schriftsätze aus, stellen Anträge bei Gericht, verhandeln. In jedem Schriftsatz und Antrag stecken mehrere Tage Arbeit des Rechtsanwaltes. Mit dem Rechtsanwalt besteht eine Honorarvereinbarung, d.h. er wird auf Stundenbasis bezahlt. Auf die gesamte Verfahrensdauer können so insgesamt mehrere zehntausend Euro an Gebühren und Honorar anfallen.

Ratsamer ist es hingegen, sich schon vor der Realisierung der gemeinsamen Idee mit einem Rechtsanwalt zusammenzusetzen und die Planung von der juristischen Seite her zu beleuchten. Klare Vereinbarungen, wer was mit den gemeinsamen Erfindungen tun darf, helfen später, Streit zu vermeiden – oder zumindest eine schnelle und faire Lösung zu finden. Die frühzeitige Anmeldung von Marken, Designs oder Patenten schützt außerdem vor Trittbrettfahrern, die kopieren wollen, was man mühsam erarbeitet hat. Und wer bereits den Exit im Blick hat, sollte wissen, dass Investoren genau prüfen, ob die Rechtesituation klar und eindeutig ist, bevor sie Geld in ein Unternehmen stecken. Hilfreich ist es auch, bereits zu Beginn der Umsetzung einen im Bereich Startup erfahrenen Steuerberater mit ins Boot zu holen. Die Entscheidung in welcher Rechtsform das Unternehmen gegründet werden soll, kann maßgeblichen Einfluss auf steuerliche Konsequenzen haben. Je nachdem wohin die Reise gehen soll, können sowohl Rechtsanwalt als auch Steuerberater den Weg positiv mitgestalten und durch ihre Beratung optimieren.

Das Meeting mit den Beratern, in welchem den wichtigen Themen auf den Grund gegangen wird, und die Gestaltung eines schriftlichen Gesellschaftsvertrages kann oftmals zu einem vorher vereinbarten Festpreis für den Mandanten ausgeführt werden und bleibt somit eine überschaubare Investition, die anders als ein Gerichtsverfahren einfach mitgestaltet und kontrolliert werden kann.

 

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