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Next Station Startup Pitch – kalter Tee am Hauptbahnhof
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Die Deutsche Bahn verfügt bundesweit über unzählige Quadratmeter Bahnhofsflächen. Unter dem Motto Future Shopping wurden nun Jungunternehmer dazu eingeladen, ihre Geschäftsideen bei einem Pitch-Event vorzustellen. Das Gewinner-Startup Tea Tales wird mit einen Popup Store für einen Monat in Berliner Hauptbahnhof einziehen.

Drogerie, Zeitschriftengeschäft, Bäcker und McDonalds. Der Berliner Hauptbahnhof bietet alle Geschäfte, die man von einem typischen deutschen Bahnhof erwarten würde. Wie wirken sich aber die veränderten Lebensumstände der Menschen sowie der digitale Fortschritt auf den Mikrokosmos „Bahnhof“ aus? „Wie könnte das Einkaufserlebnis an Bahnhöfen in Zukunft aussehen?“. Diesen Fragen haben sich vergangene Woche zahlreiche Startups angenommen und vor der Jury der Deutschen Bahn beim „Next Station Startup Pitch“ ihre Geschäftsideen vorgestellt. Zu gewinnen gab es einen kostenlosen Popup Store im Berliner Hauptbahnhof.

Tea Tales gewinnt den Next Station Startup Pitch

Die altehrwürdige Deutsche Bahn möchte an der Dynamik von Startups teilnehmen und sucht deshalb mit ihrem Startup-Programm „Next Station“ nach neuen Geschäftsideen für ihre Bahnhöfe. Insgesamt neun Startups pitchten vor anwesenden Investoren sowie vor der Next Station Jury um die Wette. Am Ende gewann das Tee-Startup Tea Tales und darf nun für einen Monat im Juni einen Popup Store im Berliner Hauptbahnhof beziehen. Die Gründer Nina Schröder und Phillip Löwenstein möchten mit ihrer mobilen Teestation „Tea-to-go“ als „Livestyle Expierence“ unter die Leute bringen. Im Klartext bedeutet es, sie verkaufen Tee für über drei Euro pro Becher am Hauptbahnhof.

Frau Schröder machte beim 5-minütigen Startup Pitch jedoch klar, dass Tea Tales nicht einfach irgendeinen Tee verkaufe, sondern das „Erlebnis“ Tee. Man könne direkt an der Station sehen, wie der Tee mit ganzen Blättern frisch zubereitet werde. Alles Bio versteht sich. In der „Markthalle 9“, einem Kreuzberger Schlemmer-Tempel mit Hipster-Charme, ist Tea Tales bereits sehr beliebt. Wird das Tee-Konzept von auch jenseits der schicken Slow-Food-Szene funktionieren? Wahrscheinlich schon. In direkter Nachbarschaft zu Fast Food Ketten und Würstchenbuden, stellt Tea Tales eine interessante Alternative dar. Und der Kaffee bei Starbucks um die Ecke ist auch nicht günstiger. „Macht es Sinn, Tee im Juni zu verkaufen?“. Auch auf diese Fragen der Zuschauer fanden die Gründer eine Antwort: „Wir haben auch Eistee“.

Lebensmittel am Bahnhof anzubieten, scheint naheliegend. Reisende haben Hunger und wenig Zeit. Außer Tea Tales haben auch die Food-Startups „Marley Spoon“,  „home eat home“, „40wines.com“ und „Try Foods“ um die Gunst der Jury geworben.

Letzteres Startup will wie der Name Try Foods vermuten lässt, Lebensmittel informativ und sinnlich erlebbar machen. Das Startup hat dafür verschiedene Probiersets, wie etwa „Try Kaffee“, in denen der Kunde erleben kann wie unterschiedlich ein scheinbar banales Lebensittel schmecken kann. Beim Try Foods Popup Store sollten die Kunden vor allem das Produkt „Try Berlin“, mit Berliner Spezialitäten kaufen können. Eine interessante Idee. Man muss jedoch bedenken, dass der alteingesessene Berliner Souvenirladen nur einen Steinwurf vom Popup Store entfernt ist.

Bei allem gastronomischen Einfallsreichtum darf man nicht außer Acht lassen, dass die Deutsche Bahn darauf angewiesen ist, seine Gewerbeflächen zu verpachten. Es wäre also taktisch unklug, einen Backwaren-Popup-Store direkt vor einer Kamps- oder Ditsch-Filiale zu eröffnen. Das Gewinner-Startup Tea Tales verkauft zwar ein Produkt, dass viele Läden im Berliner Hauptbahnhof anbieten, erzeugt aber gleichzeitig keine Konkurrenz und verärgert auch keine Geschäftspartner der Deutschen Bahn.

Die Non-Food-Startups des Pitches

Stilberatung statt Kaltgetränke: Das Mode-Startup Modomoto wollte im Next Station Popup Store eine Stilberatung für Männer anbieten. Genau wie beim Berliner Startup Outfittery wird dem Modomoto-Kunden eine persönlich zusammengestellte Outfit-Box nachhause geschickt.

TrunkBird ist eine Online-Plattform, die es Reisenden ermöglicht Pakete für andere zu transportieren. Der Bahnhof soll als Annahme- und Abholort dienen. Mit dieser, zugegeben nicht ganz neuen Idee des Warentransports sollen Reisekosten gesenkt und Lieferzeiten verkürzt werden. Die Nutzer können selbst entscheiden, wie viel sie bereit sind, für den Versand zu bezahlen. Trunkbird erhält in jedem Fall 10 Prozent Provision. Bei solchen Transportvermittlungs-Startup-Pitches fällt früher oder später immer die Frage nach den rechtlichen Gefahren. Wie kann man sich davor absichern, dass man mit TrunkBird nicht ungewollt zum Drogenkurier zwischen Berlin und Hamburg wird? Eine wirklich überzeugende Antwort auf diese Frage konnte der Gründer leider nicht liefern. Er vertraue darauf, dass die Drogenmafia andere Distributionswege nutzen würde. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

LokalMotion setzt auf Prenzlauer-Berg-Honig statt Big Mac: meist können sich lokale Hersteller keine Verkaufsflächen am Hauptbahnhof leisten. LokalMotion möchte das ändern. Das Startup will den Popup-Store, den es beim Next Station Startup Pitch zu gewinnen gibt, an Dritte vermieten. Darüber hinaus erhält das Startup eine Umsatzprovision von 10 Prozent von den lokalen Startups. Die Besucher des Bahnhofs sollen mit „Berliner Spezialitäten emotional angesprochen werden“.

Mobile Shopping Plattformen gibt es viele. Mit TrainShopping sollen Zugreisende bereits von Unterwegs Waren bestellen und diese am Zielbahnhof abholen können. Für die Bereitstellung der Waren an einem Verkehrsknotenpunkt verlangt TrainShopping pro Bestellung eine Servicegebühr. Der Popup Store im Haupbahnhof hätte ein Betatest für das junge Startup werden sollen.  

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