Social Entrepreneurship

„Nicht nur Weltverbesserung“ – zu Gast beim Social Impact Lab
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Viele Unternehmer wollen mit ihren Unternehmen einen sozialen Mehrwert schaffen. Social Impact unterstützt Gründer von solchen Social Startups. Das WebMagazin war zu Besuch beim Co-Working Space Social Impact Lab im Herzen von Berlin.

Berlin-Kreuzberg, 10:30 Uhr – Unweit des U-Bahnhofs Kottbusser-Tor liegt das Social Impact Lab. In einem Bezirk, in dem Obdachlose mit Bierflasche auf Hipster mit Chai Latte treffen, ist ein Co-Working Space entstanden, der genau an diesem sozialen Gefälle ansetzt und Startups mit sozialem Mehrwert fördert. Im Hinterhaus eines Altbaus befinden sich die Büroräume des Social Impact Lab Berlin, das Social Startups beherbergt.

Als ich eintrete sind die Schreibtischreihen noch fast leer. In der Küche tummeln sich schon ein paar Gründer und läuten bei Tee und Kaffee den Tag ein. „Das Social Impact Lab gibt es schon seit über drei Jahren und ist kein klassischer Co-Working Space“ erklärt mir Mareike Müller, die Leiterin des Labs. Im Co-Working Space sind hauptsächlich Gründerinnen und Gründer von Sozialunternehmen untergebracht, die in das Social Impact Start Stipendienprogramm aufgenommen wurden.

Startups mit gesellschaftlichen Mehrwert

Aber womit haben wir es bei Social Startups überhaupt zu tun? „Es ist so, dass der gesellschaftliche Mehrwert vor dem finanziellen Mehrwert stehen sollte. Das heißt, dass jemand mit der primären Motivation ein gesellschaftliches Problem zu lösen, gründet.“ Es würde kein Startup ins Lab aufgenommen, bei dem nicht eindeutig ein Social Impact zu sehen ist. „Aber wir fragen natürlich auch: ‚gibt es schon Ideen für ein nachhaltiges Finanzierungsmodell?’“.

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©Social Impact / Christian Klant

Ich frage mich, welche Menschen sich normalerweise in dem hellen Großraumbüro tummeln. Haben wir es hier mit Idealisten zu tun oder mit Geschäftsleuten? „Unsere Gründer hier in Berlin sind alle sehr gut ausgebildete Leute, die ganz einfach auf dem Markt auch einen anderen gut bezahlten Job finden würden, wenn sie das wollen würden.“ Die meisten seien Akademiker zwischen 25 und 35, die schon erste Arbeitserfahrung gemacht, dann gemerkt haben, dass sie in ihrem Job keine Erfüllung finden. Die Beweggründe der Entrepreneurs, ein Startup mit sozialem Anspruch zu gründen, sind verschieden: „Da gibt es Leute, die aus einer persönlicher Betroffenheit heraus gründen oder viele, die auf Reisen Probleme mitbekommen haben. Sonst sind es auch teilweise Menschen, die in der mittleren Lebenshälfte sind und sich noch einmal komplett umorientieren wollen.“ Eine Sache haben alle Gründerteams gemeinsam: Sie wollen Energie in die Lösung sozialer Probleme stecken, um einen positiven Wandel herbei zu führen.

Ich hake noch einmal nach. Ist ein solches Unterfangen überhaupt realistisch oder eher naiv? Schließlich hat auch der Gründer eines Sozialunternehmens seine Miete zu zahlen. „Es ist nicht so, dass wir die ganze Zeit nur über Weltverbesserung sprechen. Die Unternehmen sollen auch finanziell nachhaltig werden.“

Von der nachhaltigen Suchmaschine bis zum Kochkurs mit Flüchtlingen

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©Social Impact / Christian Klant

Das Themenspektrum der Social-Business-Unternehmen ist groß und so finden sich auch im Förderprogramm des Social Impact Labs Startups aus den verschiedensten Branchen. Da gibt es auf der einen Seite Green Tech Startups, die Produkte wie den solarbetriebenen Kühlschrank Coolar oder das Windanlagen-Kit KitRad entwickelt haben. Andere wiederum gehen mehr Richtung Wohltätigkeit wie der Verein Über den Tellerrand kochen e.V., die sich für die Integration von Flüchtlingen einsetzen. Vor allem hier ist es eine Herausforderung, nachhaltige Finanzierungen und ein Business-Modell auf die Beine zu stellen. Daneben gibt es auch verschiedene Projekte aus der Tech-Branche im Programm. So zum Beispiel das interkulturelle Online-Magazin Renk, die nachhaltige Suchmaschine Bonsum oder den fairen Internet-Marktplatz Fairmondo. Eine Erfolgsgeschichte kommt von auticon. Der IT-Servicedienstleister stellt Asperger-Autisten als Mitarbeiter ein, die mit ihren analytischen Fähigkeiten zur Mustererkennung ein besonderes Talent für Software-Testing haben.

Das Programm: Co-Working und Finanzierungshilfen

Dreimal im Jahr können sich Social Startups für das Programm und den Einzug ins Lab bewerben. „Ein Bestandteil des Förderprogramms ist 8 Monate Co-Working. Die Startups können dann hier einziehen und erhalten einen Arbeitsplatz für ihr gesamtes Team.“

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©Social Impact / Christian Klant

Im Hinblick auf die gängigen Förderprogramme der großen Acceleratoren stellt sich natürlich die Frage, wie es mit der finanziellen Unterstützung für die Gründerteams aussieht. „Lebenshaltungskosten können wir leider nicht finanzieren, aber wir haben das Programm Social Impact Finance, das grade aufgebaut wird, in dem wir den Social Startups alternative Finanzierungsmöglichkeiten aufzeigen“. Darunter fällt zum Beispiel ein Qualifizierungsprogramm für Crowdfunding in Kooperation mit der Deutschen Bank Stiftung und Startnext. Das Programm bietet eine Crowdfunding-Plattform, auf der die Startups ihre Projekte vorstellen und Kapital sammeln können. Vor allem B2C-Unternehmen, die sich noch in der Early-Stage Phase befinden, empfehle man die Schwarmfinanzierung.

Ein gutes Beispiel für eine besonders gute Crowdfunding-Kampagne hat Original Unverpackt geliefert. Als kapitalintensives Startup brauchte man hier schon vor der Eröffnung des verpackungsfreien Ladens die finanziellen Mittel für Miete und Waren. „Daneben gibt es noch ein Investment Ready Programm“, erklärt mir die Leiterin des Labs, „Dieses bereitet mit der Deutschen Bank Startups auf Investorengespräche vor“.

Auf Networking-Veranstaltungen versuche man zusätzlich, die Startups mit Investoren zusammenzubringen. „Wir haben gemerkt, dass es einen Raum geben muss, denn es gibt einen wachsenden Anteil an Social-Investoren und auch eine wachsende Nachfrage an Social Startups.“ Das ist vor allem deshalb wichtig, weil es häufig schwierig sei, für die Projekte Kredite bei der Bank zu bekommen.

„Es stellt schon besondere Herausforderungen an die Gründerinnen und Gründer, aber sie haben auch mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie ein klassisches Startup. Und zwar geht es darum, ein Leistungsangebot herauszuarbeiten, mit dem man dann auch Geld verdienen kann“. An anderer Stelle können die Social Startups aber wieder profitieren, so zum Beispiel was die Förderung durch Stiftungen und Bundesverbände angeht. Die Unterstützung solcher Sozialunternehmen ist eben gut für das Image. Auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und verschiedene Vertreter aus der Wirtschaft, darunter zum Beispiel SAP lassen es sich nicht nehmen, die Gründer zu unterstützen und sind Partner von Social Impact.

 Social Entrepreneurship – eine neue Strömung

Auch außerhalb des Social Impact Lab scheint sich der Gedanke, einen sozialem Mehrwert leisten zu wollen, verbreitet zu haben. Zum Beispiel mit der Unterschrift des sogenannten Entrepreneur’s Pledge verpflichten sich Gründer, die Hälfte seiner Einnahmen in ein Projekt für den guten Zweck zu investieren. Viele bekannte Gesichter, darunter hiesige Startups wie auch Wirtschaftsgrößen wie Bill Gates und Warren Buffet versuchen durch solche Aktionen ein soziales Unternehmertum vorzuleben.

Auf dem Weg zurück zum U-Bahnhof fragt mich ein älterer Herr nach Kleingeld. Es gibt wohl noch genug zu tun für soziale Gründer, auch vor der eigenen Haustür in Berlin.

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