Online-Putzdienste: das Geschäft mit dem Putzteufel
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Putzen ist nicht jedermanns Sache und zudem zeitaufwendig. Um schnell und unkompliziert eine Putzkraft zu beauftragen, greifen immer mehr Menschen zu Online-Reinigungspersonalvermittlungen, die neuerdings wie Pilze aus dem Boden schießen. Putzkraft-Startups erleben momentan einen noch nie da gewesenen Boom. Ob Helping, Homejoy oder Putzfee – alle versprechen geprüfte, qualifizierte Reinigungskräfte. Doch gehen die vom Staub geplagten User vielleicht zu blauäugig vor, wenn sie ohne die AGBs zu beachten, ihre Reinigungskräfte online buchen? Als Nutzer solcher Vermittlungsplattformen wiegt man sich oft in falscher Sicherheit, was Legalität und Qualität des Angebots angeht, so die Ergebnisse der Untersuchungen von Stiftung Warentest.

Online-Putzdienste: das Geschäft mit dem Putzteufel

Online-Putzdienste werben damit, professionelle, qualifizierte oder geprüfte Reinigungskräfte zu vermitteln, deren Arbeit man von der Steuer absetzen kann. In Wahrheit schließen sie in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ausdrücklich die Garantie für eine ordentliche Reinigung und andere Qualitätsversprechen aus. Kunden können außerdem juristische Probleme wegen Schwarzarbeit ins Haus stehen. Fraglich ist auch, ob Finanzämter die Rechnungen als haushaltsnahe Dienstleistungen anerkennen.

Der Teufel steckt im Detail

Denn der Teufel steckt, wie so oft, im Detail, sprich im Kleingedruckten. Die AGBs von Homejoy lesen sich beispielsweise sehr beunruhigend. Hier einige Auszüge:

„Homejoy ist lediglich ein Austragunsort. Das Unternehmen überprüft die Hintergründe der Reinigungsdienstleister anhand von Hintergrundüberprüfungsdiensten Dritter; allerdings garantiert oder gewährleistet das Unternehmen nicht die Zuverlässigkeit, Qualität oder Eignung derartiger Reinigungsdienstleister oder macht diesbezüglich irgendwelche Zusagen.“

„Wenn Sie mit Vertragsnehmern interagieren, sollten Sie vorsichtig und umsichtig handeln, um Ihre persönliche Sicherheit und Ihr Eigentum zu schützen, wie Sie dies auch tun würden, wenn Sie mit anderen Personen interagieren, die Sie nicht kennen.“

„Durch die Nutzung der Dienstleistung vereinbaren Sie, das Unternehmen (in dem gesetzlich zulässigen Ausmaß) gegen die Verantwortung für jegliche Haftung oder Schäden freizuhalten, die sich aus der Nutzung der Plattform ergeben könnten.“

Haftungsausschluss

„Das Unternehmen gibt keinerlei Zusicherung, Gewährleistung oder Garantie im Hinblick auf die Zuverlässigkeit, Sicherheit, Aktualität, Qualität, Eignung oder Verfügbarkeit irgendwelcher über die Homejoy-Plattform von Dritten erhaltenen Dienstleistungen, Produkte oder Waren. Sie bestätigen und vereinbaren, dass das gesamte Risiko, das sich aus Ihrer Nutzung der Homejoy-Plattform und sämtlichen Dienstleistungen oder Produkten Dritter ergibt, in dem gesetzlich maximal zulässigen Ausmaß ausschließlich Sie tragen.“

Somit ist die Vermittlungsplattform rechtlich aus dem Schneider.

Stiftung Warentest rät von Online-Putzdiensten ab 

Für die November-Ausgabe ihrer Zeitschrift test hat die Stiftung Warentest fünf Putzportale exemplarisch ausprobiert und bei Testnutzern zehn Termine zum Putzen vereinbart. Sie verlangen zwischen 11,90 und 15 Euro pro Stunde. Alle versprechen, dass das Finanzamt 20 Prozent als haushaltsnahe Dienstleistung auf die Einkommensteuer anrechnet.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Nur in vier Fällen war die Wohnung anschließend sauber. Ein Blick ins Kleingedruckte zeigt außerdem, dass sie für ihre zentralen Werbeversprechen oft nicht geradestehen wollen. Homejoy „gewährleistet nicht die Zuverlässigkeit, Qualität und Eignung“ seiner Dienstleister. Clean Agents warnt auf seiner Webseite davor, dass Kunden juristische Probleme wegen Schwarzarbeit ins Haus stehen könnten. Bei Putzfee muss der Kunde laut AGB selbst prüfen, ob die Papiere der Putzkräfte korrekt sind.

Leistungen steuerlich absetzbar?

Ob der Kunde die erbrachte Dienstleistung von der Steuer absetzen kann, ist fraglich. Das Einkommensteuergesetz verlangt ausdrücklich „die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung“. Bei den Putzportalen überweist der Kunde das Geld aber nicht an die Reinigungskraft, sondern an die Betreiber des Portals. Das Fazit der Tester: Vor allem wegen rechtlicher Unsicherheiten kann momentan keins der getesteten Portale empfohlen werden.

Der ausführliche Test Putzdienste erscheint in der November-Ausgabe der Zeitschrift test (ab 24.10.14 am Kiosk) und ist unter www.test.de abrufbar.

 

Aufmacherbild: Vacuum Cleaner cleans carpet von Shutterstock/ Urheberrecht lapetitelumiere

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