Startup-Studie

Perfektionismus bremst Schweizer Startup-Szene
Kommentare

Banken, Luxus und Wohlstand: die Schweiz gilt als europäische Insel der Glückseligen. Einer aktuellen Studie zufolge bremsen Perfektionismus und Versagensängste die Schweizer Startup-Szene.

Trotz schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft und der nach unten korrigierten Wachstumsprognose kann die Alpenrepublik einige interessante Startups vorweisen.
Einer aktuellen Studie von World Economic Forums (WEF) zufolge bedrohen zwei „Defizite“ die Schweizer Gründerszene: Bescheidenheit und Perfektionismus. Ausgerechnet die zwei urschweizer Tugenden werden Startups zum Verhängnis.

Scheitern als Stigma

Gerade in der Anfangsphase plagen sich die meisten Jungunternehmen mit Existenzängsten und Geldnot herum. Sehr gut bezahlte Arbeitsplätze als Alternative und fehlende wirtschaftliche Ambitionen mindern den Risikoappetit der Schweizer. Dazu kommt, dass ein unternehmerisches Scheitern in der Schweizer Kultur immer noch stigmatisiert wird.

Die WEF-Analyse steht auf den ersten Blick in Kontrast mit der hohen Innovationskraft der Schweiz. 2014 hat das Land zum wiederholten Male den Global Innovation Index (GII) angeführt. „Die Voraussetzungen für unsere Startups, ganz vorne mit dabei zu sein, sind eigentlich ideal“, meint Gert Christen. Im internationalen Vergleich hinken die Eidgenossen aber bei der unternehmerischen Umsetzung oft hinterher. „Unsere Startups müssen mutiger werden und auch mal aggressiv im Markt auftreten.“

Amerikaner sind risikofreudiger

Jungunternehmen in den USA sind schnell, wenn es darum geht, ihre Produkte oder Dienstleistungen auf den Markt zu bringen – selbst dann, wenn das Produkt noch nicht perfekt ist. Das sei unter anderem auch auf die starke kulturelle Verankerung des Unternehmertums in den USA zurückzuführen. Dort werde bereits an Schulen das unternehmerische Denken gefördert. Schweizer seien hier oft zu zurückhaltend, sagt Christen. Und weiter:

Schulen und Universitäten müssen Verantwortung übernehmen. Schüler und Studenten sollten bereits in ihrer Ausbildung für unternehmerisches Denken sensibilisiert werden. Ich habe sehr hoffnungsvolle Schweizer Startups mit überzeugenden Ideen scheitern gesehen. Wegen typisch schweizerischem Perfektionismus haben sie die Lancierung immer wieder hinausgeschoben. In der Zwischenzeit hatte ein ausländischer Konkurrent aber den Markt bereits für sich gewonnen.

Startup-Fair soll Eis brechen

Mit der Startupfair, der einzigen nationalen Messe für Jungunternehmer, hat das Startzentrum Zürich eine Plattform geschaffen, wo sich ambitionierte Startups einem breiten Publikum präsentieren und behaupten lernen. Die Veranstaltung fördert den Austausch zwischen Jungunternehmen, Dienstleistern, Wirtschaftspartnern, Hochschulen, Medien, dem Publikum und Investoren.

Gleichzeitig geht es an der Startupfair auch um den Wettbewerb der besten Ideen. Innovative Jungunternehmen kämpfen in dem Startup-Battle vor Live-Publikum und einer Experten-Jury um den Titel „Startup of the Year 2015“. Gert Christen: „Die Jungunternehmer müssen eine hochkarätige Jury von ihrem Konzept überzeugen und dabei gleichzeitig ihre Konkurrenten ausstechen. Mit Bescheidenheit gewinnt man die Startup-Battles nicht. Als einziger öffentlicher Wettbewerb dieser Art verschaffen wir den Teilnehmern Visibilität und das Publikum bekommt einen Eindruck von der Schlagkraft der Schweizer Startup Szene“.

Die Startup-Fair findet einmal jährlich statt und bringt als einziger Anlass die gesamte Schweizer Innovations- und Startup-Branche zusammen. Sie trägt dazu bei, dass sich Startups und Investoren leichter treffen können und dass innovative Jungunternehmer zunehmend als Chance für die Zukunft der Schweiz erkannt werden.

Aufmacherbild: Famous mount Jungfrau in the swiss alps via Shutterstock / Urheberrecht:  Fedor Selivanov

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -