Startup-Interview

Smart-Home-Startup Casenio verspricht sicheres Wohnen
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Casenio ist eine Smart-Home-Technologie, die es älteren und hilfebedürftigen Menschen ermöglichen soll, selbstständig zu Hause zu wohnen. Die Anwendung warnt Angehörige in Gefahrensituationen und erinnert an die Medikamenteneinnahme. Vorstand Tim Lange im Interview.

WebMagazin: Erklären Sie uns doch bitte das Prinzip von Casenio, wie funktioniert Ihre Idee?

Tim Lange: Die Menschen in Europa werden immer älter und wollen dennoch möglichst lange selbstbestimmt in ihrer gewohnten Umgebung leben. Casenio unterstützt sie dabei: Unser intelligentes – oder heute würde man wohl sagen: smartes – technisches Assistenzsystem erkennt ungewöhnliche oder gefährliche Situationen zuhause. Es kann auch feststellen, welche per se harmlosen Situationen in Kombination eine Gefahr darstellen – zum Beispiel, wenn jemand das Haus verlässt, während der Wasserhahn noch läuft. Es macht den Bewohner auf das Problem aufmerksam und benachrichtigt bei Bedarf einen Angehörigen, einen Nachbarn oder die zuständigen Pflegekräfte. Zudem erinnert das Gerät an wichtige Dinge wie die Medikamenteneinnahme. Casenio bietet insofern deutlich mehr Schutz als ein einfacher Notrufknopf.

Das System funktioniert durch das Zusammenspiel von Hauszentrale, verschiedenen Sensoren und einem Service-Portal. Die Hauszentrale ist die „zentrale Annahmestelle“ für alle Informationen, die von den Sensoren ausgesendet werden. Im Service-Portal können die Nutzer individuell einstellen, wer wann worüber informiert werden soll. Casenio lässt sich an die individuellen Bedürfnisse anpassen und modular erweitern – je nach Bedarf lassen sich Sensoren und Geräte ergänzen oder austauschen.

WebMagazin: Was macht Casenio besonders, wer sind Ihre Mitbewerber und was unterscheidet Sie vom Rest?

Tim Lange: Es gibt mittlerweile viele Anbieter, die wie wir im Bereich Smart Home unterwegs sind, denn Smart-Home-Technologien – egal, ob sie den Wohnkomfort verbessern, zur Sicherheit beitragen oder Energie sparen – werden immer mehr zur Normalität. Allgemein versteht man unter Smart Home die Vernetzung von Haustechnik und Haushaltsgeräten und die Automatisierung wiederkehrender Abläufe – wenn zum Beispiel die Lichter in einem Raum angehen, sobald der Bewohner ihn betritt oder eine Heizung automatisch ihre Leistung herunterfährt, wenn ein Fenster in der Nähe geöffnet wird.

Aber bisher sind Produkte, die im Bereich Smart Home angeboten werden, entweder sehr schlicht oder sehr teuer. Smart Home ist aber vor allem dann spannend, wenn Geräte durch vernetzte Technik mehr als eine Funktion haben. Und sie sind für den Massenmarkt nur tauglich, wenn die Technik erschwinglich bleibt. Wir haben uns gedacht: Wenn wir ein umfangreiches und dabei einfach zu bedienendes und zu installierendes System entwickeln, können wir viele Kunden gewinnen. Casenio bietet ein sehr breites, individuell anpassbares Anwendungsspektrum und ist zudem kostengünstig – eine Grundausstattung mit Hauszentrale und einigen Sensoren ist ab etwa 500 Euro zu haben, dazu kommt eine Nutzungsgebühr, die ab 15 Euro monatlich kostet. Casenio lässt sich kabellos und ohne bauliche Veränderungen montieren, Internet- und Telefonanschluss sind ebenfalls nicht notwendig.

WebMagazin: Auf welcher Entwicklungsstufe befinden Sie sich gerade bzw. wann sind Sie live gegangen?

Tim LangeCasenio ist offiziell im Herbst 2014 gestartet. Davor haben wir das System ca. zwei Jahre bis zur Marktreife entwickelt. Die Hauszentrale und viele verschiedene Sensoren sind bereits am Markt erhältlich. Wir entwickeln das System und das Produktspektrum aber ständig weiter. Aktuell werden Vitalmessgeräte in das System integriert. Dann können Angehörige aus der Ferne sicherstellen, dass ihre Eltern oder Großeltern zum Beispiel regelmäßig ihren Blutdruck und Blutzucker messen und bei auffälligen Messwerten mit ihnen einen Arzt aufsuchen. Und natürlich kann sich der Nutzer selbst an die Messung erinnern lassen und seine Werte beobachten. Aufgrund der großen Nachfrage aus dem europäischen Ausland haben wir für 2015 außerdem die Internationalisierung von casenio auf der Agenda.

WebMagazin: Wie werden Sie finanziert?

Tim Lange: Aktuell läuft noch bis Ende Juni eine Crowdfunding-Kampagne auf www.startnext.com/casenio. Hiermit wollen wir 80.000 Euro einsammeln, mit denen wir die Anbindung der Bluetooth-Geräte an das System finanzieren wollen. Im Wesentlichen wird casenio aber von der „Mama“ finanziert – dem Mutterunternehmen „Die Netz-Werker“.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler Ihres Monetarisierungskonzeptes, wie verdienen Sie Geld?

Tim Lange: Wer das casenio-System nutzt, zahlt eine tägliche Grundgebühr ab 50 Cent inklusive zwei Benachrichtigungen. Jede weitere Benachrichtigung per SMS oder Anruf kostet zehn Cent, man kann sich auch kostenlos per E-Mail benachrichtigen lassen. Die Bezahlung erfolgt über ein Prepaid-System, das heißt, der Nutzer erwirbt eine Guthabenkarte für eine bestimmte Geldsumme und kann sein Gerät entsprechend damit aufladen.

WebMagazin: Wie sind Sie auf die Idee von Casenio gekommen und was haben Sie vorher gemacht?

Tim Lange: Viele Unglücke passieren daheim im Haushalt. Doch was ist, wenn in diesem Moment niemand da ist, um Hilfe zu leisten? So eine Situation erlebte 2012 einer unserer Mitarbeiter. Dieses Erlebnis war Auslöser für die Idee zu casenio.  Wir – eine Gruppe von Kollegen, die beim IT-Systemhaus „Die Netz-Werker“ in Berlin arbeiten – fragten uns: Was muss ein System können, das in solchen Situationen helfen kann? Es sollte ein System sein, das beiden Seiten gerecht wird – es muss ermöglichen, dass allein lebende ältere Menschen und Hilfebedürftige weiterhin selbstbestimmt und sicher im gewohnten häuslichen Umfeld leben können und sich Angehörige gleichzeitig weniger Sorgen um sie machen müssen.

Mit unserem IT-Wissen im Hintergrund wollten wir ein Produkt entwickeln, das eine Verbindung aus handelsüblicher Technik und innovativer IT schafft. Das Produkt sollte einfach in der Installation und Bedienung, unaufdringlich in der häuslichen Umgebung und günstig in der Anschaffung sein. Nach einer intensiven Planungs- und Entwicklungsphase, in die wir auch potenzielle Nutzer stark mit eingebunden haben – sind wir am Markt gestartet. Das durchweg sehr positive Feedback lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken.

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