Interview mit Michael Bingel zum Code Camp auf dem Startup Camp Berlin

Startup Camp Berlin: raus mit dem Minimum Viable Product!
Kommentare

Das Startup Camp Berlin ist als Early Stage Konferenz bereits seit einigen Jahren eine feste Größe in der Hauptstadt. In diesem Jahr warten die Veranstalter mit einer interessanten Neuerung auf: Focus Camps zu verschiedenen, für Startups relevanten Themen wie Business Angel, Fundraising, Legal, Growth und Code.

Am 8. und 9. April findet in der Hauptstadt wieder das Startup Camp Berlin statt; traditionell ein Treffpunkt für internationale Gründer, Investoren, Entrepreneure und Studenten. Im Fokus stehen die Chancen für Gründer in Deutschland. Im Rahmen von insgesamt 15 Focus Camps bietet das Event den Teilnehmern Sessions, Workshops und Diskussionen zu relevanten Gründerthemen, darunter Business Angel, Fundraising, Legal, Growth, Hardware IoT, PR, Marketing & Sales, FinTech, HR und Code. Wir haben uns mit dem Kurator des Code Focus Camps, Michael Bingel, über die Verbindung von Softwareentwicklung und Startups gesprochen.

Herr Bingel, was erwartet die Teilnehmer des Code Camps?

Michael Bingel: Das Code Camp richtet sich an technische Entrepreneure, die mit ihrem Startup noch am Anfang stehen. Wir haben Talks über Scrum, Hadoop, DevOps & Security, Rapid Development und Microservices – also ein guter Rundumschlag, wenn man sich noch technologisch orientieren möchte und noch Prozess- und Architektur-Entscheidungen treffen muss.

Michael Bingel

Robin TechMichael Bingel ist mit Technik & Startups eng verbunden. Nach dem IT-Studium heuerte er 2000 beim FinTech Paybox an, dem ersten Mobile Payment Startup in Deutschland. Nach MBA in Rotterdam und Konzern-Erfahrung ist er seit 2013 zurück in der Startup-Welt, hat mehrere AdTech Startups als CTO oder COO mitgegründet und engagiert sich beim Startup-Verband vor allem für technische Entrepreneure und das „Netzwerken“ zum Erfahrungs-Austausch.

Welche grundsätzlichen Tipps können Sie Startups in Bezug auf Softwareentwicklung und Code geben?

Michael Bingel: Meine Empfehlung ist ganz klar immer mit einem MVP zu starten, dem „Minimum Viable Product“. Ein möglichst einfaches Produkt möglichst schnell am Markt testen. Und nicht monatelang in der Dunkelkammer schrauben, um dann festzustellen, dass man am Markt vorbei entwickelt hat. Manchmal reicht auch ein Klick-Dummy, um den berühmten „Product-Market-Fit“ festzustellen.

Kann man sich als Startup eventuell an einer Art Checkliste entlang hangeln, um wichtige Entscheidungen bezüglich der eingesetzten Technologien zu treffen? Eine Analyse der inhouse vorhandenen Tech-Kenntnisse sollte immer am Anfang stehen, oder?

Michael Bingel: Genau, man muss sich die eigenen Kenntnisse anschauen und bewerten, ob man damit einen Prototypen bauen kann. Eine klare Checkliste gibt es nicht Es hilft mit anderen CTOs zu sprechen und deren Entscheidungen für oder gegen bestimmte Technologien zu verstehen. Dazu eigen sich besonders gut Meetups.

Ist Open Source in der Frühphase eines Startups immer „the way to go“? Oder ist die Entscheidung für „cutting edge technology“ in bestimmten Fällen sogar ein Muss?

Michael Bingel: Aus meiner Sicht werden Basis-Komponenten am Anfang immer Open-Source sein, so wie das Betriebssystem, der Web-Server, die Datenbank oder Messaging-Systeme. Diese Komponenten kann man lokal installieren oder im großen Maßstab in der Cloud betreiben. Oder man nutzt eine Plattform-As-A-Service und muss sich um viele Detailthemen gar nicht mehr kümmern, wie z.B. Skalierung und Software-Updates der darunter liegenden Komponenten.

Die Entscheidung für einen Technology-Stack hängt von vielen Faktoren ab. Welcher ist Ihrer Meinung nach der wichtigste? Time-to-market oder verfügbares Personal?

Michael Bingel: Time-to-market ist wichtig, aber das ist natürlich auch vom Personal abhängig. Der erste Prototyp wird meistens „quick & dirty“ mit den vorhandenen Kenntnissen zusammengestrickt. Kann man damit Kunden und Seed-Investoren überzeugen, dann ist auch Geld vorhanden, um das System bei Bedarf nochmal neu aufzubauen.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -