FinTech

Startup Deutschland – ein FinTech-Niemandsland?
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FinTech liegt in der Luft. Viele Startups haben die Zeichen der Zeit erkannt, entwickeln neue innovative Finanz-Services und -Technologien und machen damit der klassichen Banken-Branche Konkurrenz. Wer spielt vorne mit und wie sieht die FinTech-Startup-Landschaft in Berlin aus?

London, New York, Hong Kong: das sind die Finanzzentren der Welt in denen täglich Billionenbeträge gehandelt werden. Das Internet steht kurz vor einem neuen digitalen Strukturwandel, der die konservative Bankenwelt auf den Kopf stellen wird. Die Rede ist von FinTech. Der Begriff verbindet Financial Services und Technology. Derzeit sprießen viele FinTech-Startups aus dem Boden und liefern mit ihren Produkten maßgeschneiderte Lösungen für die digitalisierte Kundenrealität. Für Banken entsteht dadurch ein Konkurrenzklima, das frischen Wind in die Finanzbranche bringt. Obwohl der Finanzsektor schon immer als ein wichtiger Motor neuer technologischer Entwicklungen galt, müssen auch etablierte Kreditunternehmen die Augen offenhalten, um nicht wichtige Marktanteile an neue FinTech-Startups zu verlieren. Weitab von der Startup-Szene zelebriert die klassische Finanzbranche traditionelle Rituale: Wolkenkratzer statt Hinterhof-Loft-Büro, Konferenztisch statt Tischtennisplatte, Bourbon Whiskey statt Club Mate. Gleichzeitig macht sich im Alltag der Bankkunden, abseits der großen Börsen, der digitale Fortschritt bemerkbar. Mobile Technologie wird immer häufiger genutzt und die Kunden erwarten entsprechend klare und einfach zu bedienende Finanzservices.

FinTech-Alternative zur Hausbank

Eine BITKOM-Studie hat ergeben, dass ein Großteil der Verbraucher künftig zu Gunsten von Finanzdienstleistern im Web auf ihre Hausbank verzichten würden. Demnach kann sich jeder fünfte deutsche Internetnutzer (22 Prozent) ab 14 Jahren vorstellen, Darlehen oder die Vermögensverwaltung über Finanzdienste von Technologieunternehmen abzuwickeln.

Das entspricht 12 Millionen Bundesbürgern. Klassische Filial- und Direktbanken blieben dabei außen vor. So lautet das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands BITKOM. „Eine wachsende Zahl von Internet-Unternehmen drängt in das Kerngeschäft klassischer Banken“, sagt BITKOM-Experte Steffen von Blumröder.

Verbraucher würden dabei für unterschiedliche Bankgeschäfte auf alternative Anbieter, sogenannte FinTechs, zurückgreifen. Als FinTechs werden Technologieunternehmen bezeichnet, die im Finanzgeschäft tätig sind. Jeder siebte Internetnutzer (14 Prozent) kann sich vorstellen, einen Kredit über solch einen Anbieter aufzunehmen. Statt von einer Bank würde sich jeder Neunte (11 Prozent) von alternativen Anbietern über seine persönlichen Finanzen beraten lassen. 7 Prozent würden sogar Teile ihres Privatvermögens von Internetdienstleistern verwalten lassen. Von Blumröder: „FinTechs bieten häufig intuitivere Anwendungen, um Bankgeschäfte zu erledigen.“ Schon heute können etwa Kontotransaktionen zwischen Privatpersonen direkt über Bezahl-Apps auf dem Smartphone abgewickelt werden oder über Chatfunktionen in Sozialen Netzwerken.

Aktuell kann sich allerdings die Mehrheit der Internetnutzer noch nicht vorstellen, auf Banken zu verzichten. Zwei Drittel (64 Prozent) bestätigen dies. Dennoch könnten sich die Banken nicht zurücklehnen, sagt von Blumröder. „Die gesamte Finanzbranche steht vor einem tiefgreifenden Wandel.“

Banken-Schwergewichte aus Großbritannien

Einige Banken haben die Zeichen der Zeit erkannt und versuchen sich nun in Stellung zu bringen. So hat sich London bereits zu einem Hotspot für FinTech-Startups gemausert. Dieses Beispiel zeigt, wie etablierte Banken und junge FinTech-Unternehmen zusammenarbeiten können. Ein Beispiel für so eine Kooperation zwischen der „alten“ Bankenwelt und den „jungen“ Unternehmen ist das Startupbootcamp, das zu einem der erfolgreichsten Accelerator-Programme für Startups zählt. Aussichtsreiche Geschäftsideen werden unter anderem mit einem Pre-Seed-Investment sowie mit Büroräumen und einem Mentorenprogramm unterstützt. Im Gegenzug erhält das Startupbootcamp 8 Prozent Unternehmensanteile. Während sich das Startupbootcamp in Berlin auf Geschäftsmodelle rund um die Themen Smart Transportation und Energie konzentriert, haben die Londoner Startupbootcamp-Kollegen FinTech für sich entdeckt.

Startup-Acceleratoren – mehr als Nächstenliebe

Banken-Schwergewichte wie Lloyds, MasterCard und Rabobank unterstützen das Startupbootcamp in London und sichern sich damit einen Platz in den vordersten Rängen in Sachen FinTech-Innovationen in Europa. Es dürfte aber klar sein, dass Lloyds und Co. den Startups nicht nur aus reinster Nächstenliebe helfen. Es geht eher darum, bei der Entwicklung neuer Finanztechnologien den Zug nicht zu verpassen und an vorderster Front mitzumischen. Alessandro Hatami, Digital Payments und Innovations-Chef von Lloyds Banking sagte über die Zusammenarbeit mit FinTech-Startups:

„We will work with Startupbootcamp to advise Startups on how to become more effective in working with large financial institutions, especially by providing insight on customers’ needs and expectations”.

Startup-Berlin – ein FinTech Niemandsland?

Und wie sieht die FinTech-Entwicklung hierzulande aus? Die Berliner Startup-Szene ist international nicht unbedingt für den Bereich FinTech bekannt. In der deutsche Hauptstadt finden sich allerdings deutlich mehr FinTech-Startups als so manch einer vermutet hat. Das zeigt auch folgende Grafik:

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 Aufmacherbild: stock analysis via Shutterstock / Urheberrecht: Phonlamai Photo

 

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