Startup iversity – Online-Universität kurz vor ihrer Feuertaufe
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The New York Times, The Huffington Post, TechCrunch und viele mehr: Der Pressespiegel des Startups iversity liest sich wie das who-is-who der internationalen Presse – viel Aufmerksamkeit für ein Startup, das sich anschickt die Hochschullehre ins digitale Zeitalter zu katapultieren. Bisher ist iversity jedoch nur ein Versprechen und hat seine Feuerprobe noch nicht bestanden.

Vor den Toren Berlins bereitet das rund 30-köpfige Team von iversity den Launch seiner ersten Massive-Open-Online-Course (MOOC) am kommenden Dienstag, den 15. Oktober vor. Die Idee, die hinter iversity steht ist schnell erklärt: Professoren zeichnen Kurse und Vorlesungen auf, die von jedem im Netz kostenlos aufgerufen werden können – Bildung für alle – per Mausklick. Zusätzlich runden multimediale Inhalte, der Austausch zwischen MOOC-Studenten untereinander, eine Erfolgskontrolle am Ende der Einheit sowie ein Zertifikat das Paket ab.

Bildung „Made in Germany“

Julia Bader hat sich eine Auszeit vom Launch-Countdown genommen und ist auf einen Kaffee zu uns in der Redaktion gekommen. Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen, erzählt sie, wie der Medienrummel losging: „Am 11. März 2013 haben wir in einer Pressemitteilung verkündet, dass wir Europas führender Anbieter offener Online-Lehrveranstaltungen werden wollen – das markiert den Start des internationalen Interesses. Heute erst habe ich eine Interview-Anfrage von der zweitgrößten Zeitung der Welt erhalten, die sitzen in Japan!“

Deutschland gilt im Ausland noch als Garant für hochwertige Autos, leckeres Bier und gute Bildung – aller PISA-Studien zum Trotz. Ein Zertifikat Made in Germany ist in zahlreichen Ländern viel wert.

Julia wirkt angesichts des kurz bevorstehenden Launchs noch recht entspannt und erläutert uns weitere Einzelheiten zum iversity-Prinzip: „Zusätzlich zur kostenlosen Teilnahmebestätigung, können Teilnehmer ein Zertifikat erwerben oder sogar mehrere Kurse belegen und so ein ganzen Studium absolvieren. Dank der Anerkennung von ECTS-Punkten, lassen sich die erbrachten Leistungen an Universitäten anrechnen.“

Immerhin blicken tausende Online-Kurs-Besucher erwartungsvoll auf das Startup im brandenburgischen Bernau. Das Spektrum der angebotenen Kurse ist breit gefächert. Von einer Einführung in die Betriebswirtschaften bis hin zu internationalem Argrarmanegement werden insgesamt 24 Kurse angeboten.

„Anbieter von Weiterbildungsangeboten müssen sich in der Regel erst einen Namen erarbeiten, um überhaupt ernst genommen zu werden. Unsere Inhalte kommen von den Dozenten selbst,“ erklärt Julia Bader. „Darüber hinaus haben wir in Zusammenarbeit mit dem Stifterverband für die Deutschen Wissenschaften einen Wettbewerb durchgeführt, bei dem 250.000 Euro zur Förderung der Produktion von zehn MOOCs ausgelobt wurden. An diesem Wettbewerb haben 250 Dozenten teilgenommen und Kurse vorgeschlagen.“

Die endgültige Auswahl der Gewinner erfolgte durch eine Jury, in der sich so hochkarätige Namen wie der ehemalige Hamburger Wissenschaftssenator Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, finden.

Anfang September haben Google, Shell und die Deutsche Bank iversity als Leuchtturmprojekt für Innovationen in der Bildung ausgezeichnet. Das sorgte zusätzlich für gute PR und Loorbeeren für eine Idee, die, sollte sie erfolgreich sein, viele Universitäten zum Umdenken veranlassen könnte. 

„Das ist ein wenig wie der Launch von Amazon damals, als Menschen ihre Bücher online bestellten und sich viele Buchhandlungen spezialisieren mussten, um konkurrieren zu können,“ sagt Julia und lehnt sich zurück. Vor Ihrer Zeit bei iversity war sie Programm Managerin bei der Körber Stiftung – ein sicherer Job mit viel Prestige. Warum hat sie die wohlige Wärme einer so altehrwürdigen Institution aufgegeben, um bei einem Startup zu arbeiten, will ich wissen.

Startups kennen die Richtung, in die sie wollen, kennen aber nicht den Boden auf den sie treten. Das hat mich unter anderem gereizt,

erklärt Julia ihre Motivation und schiebt noch mit einem Lachen nach: „Bei iversity nehme ich aber die Rolle der vorsichtigen Mitarbeiterin ein.“

In einem kurzen Interview fasst Julia den momentanen Stand der Lage von iversity zusammen:

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