Startup-Sommer: IT-Frauenpower in Berlin – Interview mit Emanuela Tumolo über Frestyl
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Während der Sommer Tausende in die Sonne lockt, arbeiten Startups an ihrer Unternehmensgründung, suchen Investoren, feilen an Ideen, an Monetarisierungsmodellen, und sie netzwerken was das Zeug hält.

Die Serie Startup-Sommer stellt Unternehmensgründer und ihre Konzepte vor. Heute sprechen wir mit Emanuela Tumolo, der Mitgründerin der Event-App Frestyl.



WebMagazin: Frestyl ist seit gestern das sechste Startup, das vom Telekom-Inkubator Hub:raum gefördert wird, herzlichen Glückwunsch! Erklär uns doch bitte das Prinzip von Frestyl, wie funktioniert Eure Idee?

Emanuela: Frestyl ist eine App, die Musik-Events aufspürt, auch wenn diese schon in wenigen Stunden anfangen – quasi Last Minute. App-Nutzern werden anhand ihres individuellen Musikgeschmacks Konzerte und Veranstaltungen in ihrer Nähe vorgeschlagen. Dank der Web-Application von Frestyl können Veranstalter und Promoter für ihre Events werben. Sie können zum Beispiel ihren gesamten Event-Kalender importieren – damit ersparen sie sich eine eigene Event-Seite.

WebMagazin: Was macht Frestyl besonders, wer sind Eure Mitbewerber und was unterscheidet Euch vom Rest?

Emanuela: Anders als bei anderen Musik-Plattformen bekommen Frestyl-Nutzer auch passende Konzert-Tipps in ihrer Nähe von bisher unbekannten Bands. Ein speziell entwickelter Crowd-Ranking-Algorithmus findet heraus, welche Location in Deiner Umgebung heute Abend besonders angesagt ist. Zusätzlich bekommen wir Hinweise von Szene-Kennern.

Mitbewerber sammeln meist Daten darüber, welche Musiker man bereits mag – es gibt jedoch keine Tools, um neue Bands live zu entdecken.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler Eures Monetarisierungskonzeptes, wie verdient Ihr Geld?

Emanuela: Frestyl ist für Fans grundsätzlich kostenlos. Veranstalter, die ihren Event-Kalender uploaden, müssen ebenfalls nichts dafür bezahlen. Es gibt jedoch die Möglichkeit, spezielle Werbemaßnahmen wie z.B. Sonderangebote einzustellen.

Sobald ein User diese Sonderangebote nutzt, wird eine Gebühr fällig. Wenn der App-Nutzer über die App auf die Veranstaltung aufmerksam geworden ist und diese tatsächlich besucht, zahlt der Organisator eine Provision an Frestyl. Dank Analytics-Auswertungen können wir den Organisatoren Tipps geben, wie sie ihre Veranstaltungen optimieren können. Das macht Frestyl zu einem risikolosen, digitalen PR-Tool.

WebMagazin: Wie seid Ihr auf die Idee von Frestyl gekommen und was habt Ihr vorher gemacht?

Emanuela: Das Gründer-Team besteht ausschließlich Frauen – alle drei halten einen Doktorgrad. Arianna Bassoli weist bereits zehn Jahre Erfahrung im Designen von Mobile-Music-Interfaces auf und ist zuständig für die Bereiche Business und Product. Johanna Brewer programmiert bereits seit Ihrer Kindheit und hat unter anderem Mobile Interfaces für Intel designt. Ich habe im Fach Soziologie promoviert und bin für das Marketing verantwortlich.

Mein Schwerpunkt liegt im Feld der Medienforschung und auf den Kulturkonsum von jungen Menschen. Die ursprüngliche Idee bestand darin, die größte Datenbank mit Live-Musik-Veranstaltungen zu schaffen.

Wir wollten aber, dass diese Infos direkt von den Nutzern hinzugefügt werden und nicht aus verschiedenen Quellen aus dem Netz bezogen werden. Zunächst entwickelten wir UGC, eine Web-basierte App, mit der man sich über Musik-Events in Rom informieren konnte. Die App war schnell sehr erfolgreich. Irgendwann hatten wir mehr Events auf unserer Seite als jedes andere Medium in der Stadt.

Allerdings war dieser Dienst schwer zu monetarisieren, so haben wir beschlossen, uns auf die Veranstalter zu konzentrieren,die ihre Events vermarkten wollten. Sie boten spezielle Werbe-Features an und merkten, dass dadurch mehr Menschen auf die Konzerte aufmerksam wurden. Die Veranstalter waren dann dazu bereit, für diesen Service zu zahlen. Wir haben uns auf dieses Geschäftsmodell konzentriert, um eine native App zu entwickeln.

frestyl

© Frestyl

WebMagazin: Wann werdet Ihr mit Frestyl launchen und wie finanziert Ihr Euch derzeit?

Emanuela: Gerade erst gestern haben wir eine Funding-Runde abgeschlossen. Wir werden nun als sechstes Startup des Inkubators Hub:raum mit Arbeitsräumen, einem Expertenteam und einer Seedfinanzierung in Höhe von 300.000 Euro unterstützt. Der Launch findet in der ersten Septemberwoche statt. Zunächst beschränken wir uns auf Musik-Events in Berlin.

 

WebMagazin: Was sind Eure nächsten Meilensteine und was wollt Ihr in den kommenden sechs Monaten erreichen?

Emanuela: In den nächsten Monaten möchten wir, dass immer mehr Organisatoren unsere Plattform nutzen, um ihre Musik-Events besser zu promoten.

Das Geschäftsmodell wird sich zunächst in Berlin beweisen, sodass wir Frestyl bald auch in anderen deutschen oder anderen europäischen Städten anbieten können.

 

WebMagazin: Was macht die deutsche Hauptstadt für Euch interessant?

Emanuela: Wir sind im August 2012 nach Berlin gekommen, um am Startupbootcamp teilzunehmen. Während des dreimonatigen Programms haben wir gemerkt, dass die Berliner Startup-Community schnell wächst und uns herzlich empfangen hat.

Alle sind sehr hilfsbereit und unterstützen sich gegenseitig. Außerdem kann man in Berlin günstig leben, es gibt viele Investoren, die nach neuen Startups Ausschau halten und die Musik-Szene floriert – wie geschaffen für Frestyl!

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