Startup-Szene: Berlin bleibt Venture-Capital-Hauptstadt
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Berlin hat im VC-Bundesvergleich weiter die Nase vorn, gefolgt von Bayern und Hamburg. Wie der Hightech-Verband Bitkom und der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) mitteilen, wurden im Jahr 2013 insgesamt 254,8 Millionen Euro Venture Capital in Startups aus der IT- und Internetbranche investiert. Das sind etwa 15 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und ein Anstieg des Investitonsvolumens um 6 Prozent. 

Venture Capital Investionen in Deutschland nach Bundesländern

bitcoin

Quelle: http://www.bitkom.org/files/documents/140306_VC_grafik.jpg

Rund 54 Prozent der VC-Finanzierungen und damit ganze 136,2 Millionen Euro wurden nach der aktuellen Bitkom-Studie in Berlin investiert. Im Vergleich zu Bayern (45,7 Millionen) und Hamburg (13,3 Millionen Euro) gilt die Hauptstadt somit sehr deutlich als Innovationsstandort in Deutschland.

Bitkom-Vizepräsident Ulrich Dietz ist hoch erfreut, dass 2013 wieder deutlich mehr Risikokapital in die deutsche Startup-Szene geflossen ist, allerdings sei nach wie vor nicht von einem Finanzierungs-Boom zu sprechen. Im internationalen Vergleich rangiert Deutschland leider nicht auf den vordersten Plätzen, was die Summen an Risikofinanzierung angeht. In Ländern wie den USA oder Israel stehen wesentlich höhere Beträge an Venture Capital zur Verfügung.

Das Problem mit den Wachstumsfinanzierungen

Dietz warnt zudem, dass Deutschland aufpassen müsse, nicht den Anschluss zu verlieren, denn nach wie vor gibt es hier besonders Schwierigkeiten bei anschließenden Wachstumsfinanzierungen. So hatte bereits EVCA-Generalsekretärin (European Private Equity and Venture Capital Association) Dörte Höppner von einem Tal des Todes für viele Startups gesprochen.

Denn hierzulande kann man zwar vor allem in der Gründungsphase noch viel Unterstützung von Business Angels, Venture-Capital-Firmen (VCs) oder staatlichen Förderprogrammen erhalten, aber in der entscheidenden Wachstumsphase ist das nicht mehr so einfach.

Auch Höppner kritisiert dieses Problem, da die wenigsten Geldgeber bereit sind, Kapital über 1,2 Millionen in eine Idee zu investieren, obwohl gerade für die Realisierung und Sicherstellung von erfolgreichen internationalen Expansionen besonders hohe Finanzsspritzen nötig sind.

Deutschland hat noch Potential

Insgesamt 262 IT-Unternehmen wurden 2013 mit Venture Capital ausgestattet. Das sind sieben Unternehmen weniger als im Vorjahr. Im Vergleich der Bundesländer hat Berlin mit 136,2 Millionen Euro insgesamt 73 Startups gefördert und liegt damit deutlich vor Bayern mit 45,7 Millionen Euro für 41 Jungunternehmen und Hamburg mit 13,3 Millionen Euro für 18 Startups.

Der Großteil der bereitgestellten Mittel entfiel auf Startups aus den Bereichen Internet und Software. Lediglich 17,4 Millionen Euro gingen an Hardware-Startups.

BVK-Geschäftsführerin Ulrike Hinrichs ist ebenfalls erfreut, dass die Bundesregierung im Koalitionsvertrag Verbesserungen bei den Rahmenbedigungen für Venture Capital angekündigt hat. Allerdings fordert auch Hinrichs eine deutlich attraktivere Gestaltung des Umfeldes.

So formuliert Hinrichs:

Wenn die Politik eine Gründerrepublik Deutschland möchte, reicht es nicht, nur davon zu sprechen. […] Deutsche Startups sind immer noch zu wenig auf dem internationalen Radar der Geldgeber. Hier müssen Wirtschaft und Politik gemeinsam für mehr Aufmerksamkeit sorgen.

Außerdem müsse Deutschland für internationale und deutsche Investoren steuerliche Anreize schaffen, damit diese in deutsche Fonds investieren.

Deutschlands Vorteil ist, dass es nicht das Silicon Valley ist

Berlin Startup Academy (BSA) Gründer Christoph Räthke hat in seiner Laufbahn schon einigen Unternhemen auf die Beine geholfen. Auch er rät Gründern: Kommt nach Berlin. Seiner Erfahrung nach sind internationale Investoren gerade deswegen an der digitalen Szene in Deutschland und Europa interessiert, weil es hier sowohl eine gute Grundlage als auch den Raum für Wachstum gibt, und zwar mit deutlich niedrigerem Ressourcenbedarf als im kalifornischen Silicon Valley.

Deutschland darf nur nicht die Weiterentwicklung seiner digitalen Agenda verschlafen und den Anschluss an die rasanten Entwicklungen im Bereich der Förderprogramme verlieren. Wir sind auf einem guten Weg. Von daher gilt: weitermachen und optimieren.

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