Fehlerkultur

Startups Anonymous: Kummerkasten für Gründer
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Auf Startups Anonymous teilen Gründer und Mitarbeiter ihre Probleme und Geschichten vom Scheitern. Doch was sagen diese anonymen Bekenntnisse über unsere Fehlerkultur aus?

Gründer zu sein ist oft nicht leicht. Auch in schlechten Zeiten muss man immer den optimistischen CEO geben, der das Team motiviert. Wohin sich aber wenden, wenn man Familie und Freunde schon zu genüge mit seinen Ängsten und Sorgen vor dem Scheitern überhäuft hat?

Gründersorgen und -geständnisse auf Startups Anonymous

Ein offenes Ohr findet man jetzt bei den anonymen Gründern von Startup Anonymous. Auf der Homepage kann jeder posten, was ihn gerade beschäftigt, ohne dabei seine Identität preiszugeben. Hier geben die User Ratschläge, teilen ihre Erfahrungen, ihren Enthusiasmus über ihr Projekt und ihre Geschichten vom Scheitern.

Unter verschiedenen Kategorien kann man auf der blau-weißen Webpage von seiner persönliche Startup-Story erzählen, im Q&A die Gründerkollegen um Rat fragen, ob man als Startup-CEO graues Haar haben darf oder unter den Confessions gestehen, dass man seine Kunden für Idioten hält. Aber auch von schwerwiegenden Problemen liest man hier, von Gründern, die kurz vor dem Bankrott stehen, oder von den Mentoren ihres Accelerators mit unlauteren Mitteln unter Druck gesetzt werden.

startups anonymous

Screenshot: https://startupsanonymous.com/

 

Fehlerkultur des Schweigens

Darüber hinaus finden sich unter den Posts viele Beiträge von Gründern, die ihr Projekt aufgeben mussten oder gerade kurz davor sind. „Wie sag ich es meinen Mitarbeitern oder meiner Familie?“, „Enttäusche ich nicht alle meine Unterstützer?“, „Soll ich es überhaupt wagen, einen Schlussstrich zu ziehen?“ – das sind die häufigsten Fragen und Bedenken.

Alles in allem zeichnet sich ab, die Bereitschaft, sich ein Scheitern einzugestehen geschweige denn öffentlich darüber zu reden, ist gering, sei es wegen dem gesellschaftlichen Erfolgsdruck oder den eigenen zu hohen Ansprüchen. In unseren Breitengraden gelten Fehler immer noch als etwas schlechtes, als ein persönliches Versagen, für das man sich rechtfertigen muss.

„Aus Fehlern lernt man“

Dabei sind Fehler eine wertvolle Informationsquelle für ein Unternehmen, denn auch das Ergebnis „so geht es nicht“ ist wichtig. Eine offene Kultur des Scheiterns würde für viele neue Ideen und Anstöße sorgen und einen produktiven Entwicklungsprozess in Gang setzen – es heißt nicht umsonst „aus Fehlern lernt man“.

Bei aller Kritik, unsere Fehlerkultur ist im Wandel und langsam öffnet man sich ein wenig mehr. In Fuck-Up Nights erzählen Gründer von ihrem Scheitern, damit andere daraus lernen können und die gleichen Fehler vielleicht vermeiden. Auch manche Unternehmen sind schon so weit und analysieren Fehler ihrer Mitarbeiter genau, nicht um den Verursacher anzuschwärzen, sondern um herauszufinden, wie man es in Zukunft besser machen kann.

Fehlergeständisse wichtig für Startups

Vor allem für Startups ist eine offene Fehlerkultur wichtig. Der Erfahrungsschatz innerhalb eines frisch gegründeten Unternehmens ist gering und die oft jungen Gründer und Mitarbeiter können viele Dinge aus den eigenen Fehlern und denen der Anderen lernen. Bis der Fehler als solcher aber als ein positiver Beitrag zu einer Lösung angesehen wird, braucht es wohl noch Zeit.

 

Aufmacherbild: office garbage near metal basket via Shutterstock / Urheberrecht: Smit

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