Startups in Deutschland: Deutscher Startup Monitor 2014
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Zum zweiten Mal hat der Verband Deutscher Startups eine umfassende Befragung von Gründern durchgeführt und präsentiert seine Ergebnisse im 2. Deutschen Startup Monitor (DSM).

Im Rahmen der Befragung wurden insgesamt 903 Jungunternehmen aus Deutschland befragt.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe „BerlinStartupInsights“ der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin sowie dem Beratungsunternehmen KPMG erstellt.

Neben Themen wie Finanzierung, Mitarbeiterbeteiligungen und Branche wurde auch die Fehlerkultur in Deutschland angesprochen, um eine Einschätzung der gesellschaftlichen Toleranz in Hinblick auf das Scheitern von Startups abzugeben.

Startups werden nach DSM durch folgende Faktoren definiert:

  • Alter: Startups sind jünger als 10 Jahre.
  • Innovationskraft: Startups sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell hoch innovativ.
  • Wachstum: Startups haben (und streben) ein signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum (an).

Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung werden in zehn Punkten zusammengefasst:

  • Startup-Innovationen basieren nicht ausschließlich auf Techologien, sondern auch auf innovativen Geschäftsmodellen.
  • Ganze 38 Prozent sehen den schwierigen Zugang zu Venture Capital für die weitere Unternehmensentwicklung als großes Hemmnis und Hindernis an.
  • Über 63 Prozent schätzen die Toleranz der Gesellschaft gegenüber dem Scheitern als gering ein.
  • Aktuell halten die Mitarbeiter von Startups 6 Prozent der Unternehmensanteile. Startup-Gründer sind sogar bereit, bis zu 13,3 Prozent Anteile abzugeben, um Mitarbeiter zu Teilhabern zu machen.
  • In den nächsten 12 Monaten werden von den befragten Startups 650 Mio. Euro Wachstumskapital benötigt.
  • Die befragten Gründer sind zu 90 Prozent männlich, verfügen zu 81 Prozent über einen Hochschulabschluss und sind durchschnittlich 34,9 Jahre alt.
  • Die an der DSM teilnehmenden Unternehmen beschäftigen durchschnittlich 16,7 Mitarbeiter, sind 2,7 Jahre alt und planen durchschnittlich zehn weitere Mitarbeiter in den nächsten 12 Monaten einzustellen. Startups gelten somit nach DSM als Jobmotoren.
  • Ganze 77 Prozent der Startups werden in Teams gegründet.
  • Über 70 Prozent der Gründer gehen von einem dauerhaften Verbleib im Unternehmen aus.
  • Beinah jeder zweite Gründer bescheinigt dem deutschen Schulsystem ein „mangelhaft“ (Note 6) im Hinblick auf Förderung und Vermittlung von unternehmerischem Denken und Handeln.

Nach wie vor findet ein Großteil der Gründungen in Deutschland in Berlin statt (39 Prozent). In München und der Region Rhein-Ruhr werden acht Prozent der Startups gegründet. Sieben Prozent der befragten Jungunternehmen sitzen in Hamburg und Schlusslichter und damit die gründungsärmsten Regionen bilden Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern mit je 1 Prozent sowie das Saarland mit weniger als ein Prozent.

Nach wie vor werden die meisten Startups im Bereich SaaS (rund 21 Prozent) gegründet. Danach folgen E-Commerce-Unternehmen mit 12 Prozent sowie Jungunternhemen aus dem Bereich Consumer Mobile/Web Application mit 11 Prozent.

Die Ergebnisse des DSM 2014 zeigen erneut konkreten Handlungsbedarf auf. Die Schwierigkeiten, ausreichend Kapital einzusammeln, um die Wachstumsphase erfolgreich zu überstehen, sind nicht neu. Auch die Tatsache, dass weniger Frauen als Männer gründen, wurde bereits häufig thematisiert.

Zwar zieht die EU Fördermittel und Programme besonders für junge Unternhemen an, trotz allem exisitieren auch noch rechtliche Hürden in Deutschland, die die Ausschüttung großer Investitionen von in- und ausländischen Investoren hemmen. Wie auch Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Startups betont, „ist die Politik gefragt zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Maßnahmen zu beschließen.“

Denn die Entwicklung eines erfolgreichen Startup-Ökosystems braucht vor allem Zeit. Die Anstrengungen der EU sowie der Bundesregierung im Rahmen der Digitalen Agenda zeigen zumindest, dass die Chancen einer florierenden Gründerszene erkannt wurden. Die schnelle und erfolgreiche Umsetzung obliegt allerdings zum Großteil der Politik. Und ganz wie es der DSM 2014 betont: Es ist Zeit zum Handeln.

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