Gründer haben große Chancen auf Erfolg und Misserfolg

Startups: Jobmotor oder Risikomagnet?
Kommentare

Wer wagt, gewinnt – oder verliert. Dieses Prinzip ist Startup-Gründern wohl besonders gut bekannt und liegt in der Natur der Sache: Wer neue Wege beschreitet, kann sich eben auch verlaufen. Dennoch lassen sich einige „beliebte“ Fehler ausmachen, die die in Zukunft besser vermieden werden sollten.

Immerhin ein Drittel der Gründer in haben vor ihrem gegenwärtigen Startup bereits mindestens ein anderes Unternehmen gegründet, sagt zumindest der Deutsche Startup Monitor 2015. Andere Quellen sprechen davon, dass sich nur die Hälfte der neu gegründeten Internet-Startups am Markt behaupten kann. Richtig großen Erfolg soll sogar nur eines von zehn haben!

Nicht zuletzt deswegen sind Startups eine besondere Art von Unternehmen. Wer ein Startup gründen möchte, muss eine innovative Idee haben oder ein altes Produkt auf besonders ausgefallene Weise neu vermarkten. Auch der Unternehmenswert oder die Mitarbeiterzahlen müssen signifikant wachsen – ist das nicht der Fall, muss es zumindest angestrebt werden. Startups sind nämlich keine One-Man-Show.

Darüber hinaus muss laut Deutschem Startup Monitor ein Unternehmen jung sein, um als Startup zu gelten. Gäbe es keine Altersgrenze für Unternehmen, könnte ja auch Microsoft mit einer tollen Idee als Startup gelten. Das würde die Idee eines Startups allerdings ad absurdum führen. Darum gelten in der vom Bundesverband Deutsche Startups e.V. initiierten Befragung von Startup-Gründern Unternehmen nur dann als Startups, wenn sie nicht älter sind als zehn Jahre.

Der Deutsche Startup Monitor 2015

Um einen Überblick über die deutsche Startup-Szene zu erhalten, wurden für den Deutschen Startup Monitor 2015 insgesamt 1061 Datensätze von Startup-Gründern und leitenden Angestellten solcher Unternehmen ausgewertet. Die Befragung fand im April und Mai 2015 statt. Unter anderem gibt die Studie Auskunft darüber, in welchen Branchen die Startup-Szene derzeit besonders aktiv ist: Mit 15,3 Prozent liegt die SaaS-Branche in Führung, während sich IoT-Lösungen weit abgeschlagen auf dem vorletzten Platz finden. Nur 0,5 Prozent der Befragten Startups sind auf diesem Gebiet tätig.

Startups: eine Kultur des Scheiterns

Zu den wichtigsten Erkenntnissen des Deutschen Startup Monitors 2015 gehört, dass die Szene eine Kultur des Scheiterns pflegt. Neue Ideen werden schnell ausprobiert und wieder verworfen; ein Drittel der befragten Gründer hat vor dem aktuellen Unternehmen bereits mindestens ein weiteres Startup gegründet. Die Zahl der Insolvenzen dieser vorherigen Unternehmen ist jedoch erfreulich gering: Nur 3,4 Prozent der Gründer, die zuvor ein anderes Startup leiteten, gaben an, dass ihr Unternehmen pleite ging. Viele der zuvor gegründeten Unternehmen bestehen sogar weiterhin (36,1 Prozent), während 30,1 Prozent freiwillig eingestellt wurden.

Startup-Mentalität: Flexibel zum Erfolg

Dennoch zeigen diese Zahlen auch, dass Startup-Gründer flexibel sein müssen, um sich ständig neuen Anforderungen stellen zu können. Würde ihr aktuelles Startup scheitern, würden mehr als 80 Prozent der befragten Gründer weiterhin selbstständig arbeiten wollen. Das beweist, dass die Gründung von Startups mit einer gewissen Mentalität einhergeht.

Damit könnte auch zusammenhängen, dass Gründer in der Regel zufriedener mit ihrem Leben sind als Angestellte und ein größeres politisches Interesse zeigen. Gründer müssen mutig sein, dürfen nicht vor Herausforderungen zurückschrecken und sind auf ein passendes politisches Klima angewiesen. Berliner Startup-Gründer würden der Leistung ihrer Landesregierung allerdings nur die Schulnote 3- geben; immerhin gaben aber etwa 92 Prozent der Befragten an, dass sie wählen gehen würden. Gründen ist also ein Lifestyle, den die meisten der Befragten leben.

Startups als Jobmotor

Gelingt die Gründung, lohnt sie sich außerdem. Startups gelten nicht umsonst als Jobmotor. Alleine in Berlin beschäftigten Startups im Jahr 2015 56.000 Menschen und planten für die nächsten zwölf Monate die Einstellung von 24.000 neuen Mitarbeitern. Die Zukunftsplanung der befragten Gründer fiel 2015 allerdings konservativer aus als noch im Jahr 2014: Zwar gaben mehr der Befragten an, dass sie die Einstellung neuer Mitarbeiter planen; die Zahl der zu schaffenden Stellen lag jedoch mit durchschnittlich acht Positionen niedriger als noch im Vorjahr (mit einem Durchschnitt von 10 geplanten neuen Stellen).

berlin startup monitor

Der Startup-Status in Berlin laut dem Deutschen Startup Monitor 2015. Quelle: http://deutscherstartupmonitor.de/

Auch gab jedes fünfte der befragten Unternehmen an, mehr als eine Millionen Euro Jahresumsatz zu erzielen. Dem gegenüber stehen allerdings 24,5 Prozent, die angaben, entweder keinen Umsatz erzielt zu haben oder unter 25.000 Euro zu bleiben. Wohl gemerkt: Hier wurden nur die Unternehmen berücksichtigt, die zum Zeitpunkt der Befragung bereits ein vollständiges Geschäftsjahr abbilden konnten. Darum sank die Zahl der ausgewerteten Datensätze auf 537. Das Durchschnittsalter der befragten Unternehmen lag allerdings auch nur bei 2,8 Jahren, sodass es sich bei denjenigen Unternehmen mit geringem Umsatz um jüngere Gründungen handeln könnte. 88,6 Prozent der befragten Startups war nicht älter als fünf Jahre.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Die Ergebnisse des Deutschen Startup Monitors werfen also ein recht positives Bild auf die Startup-Szene. Dennoch müssen immer wieder Startups Insolvenz anmelden. Das derzeit bekannteste Beispiel ist wohl die Unister Holding GmbH, zu deren Portfolio Plattformen wie auto.de, shopping.de, reisen.de, ab-in-den-urlaub.de und einige weitere Websites aus verschiedenen Branchen gehören. Nachdem der Unternehmensgründer Thomas Wagner im Juli 2016 verunglückte, sind inzwischen vier Teilfirmen des Unternehmens insolvent.

Viele andere Startups scheitern oder geraten in eine unternehmerische Krise – auch ohne tragische Unglücke. Schließlich bergen innovative Geschäftsmodelle immer ein gewisses Risiko für den Misserfolg. Zu den teuersten gescheiterten Startups in Deutschland, die per Crowdfunding finanziert wurden, gehört beispielsweise die Tollabox, eine Abokiste für Kreativ- und Do-it-Yourself-Produkte. Wie Alexander Hüsing für das Portal Deutsche-Startups.de recherchierte, sammelten die Gründer der Tollabox zuerst 600.000€ per Crowdfunding und konnte sich dann doch nicht am Markt behaupten.

Startups als Risikomagnet?

Die Dichotomie eines erfolgreichen Crowdfundings bei späterem Scheitern des Produkts ist kein seltenes Phänomen in der Gründerszene. Am Beispiel der Tollabox lässt sich allerdings ein Prinzip illustrieren, das vielen Startups zum Verhängnis wird. Ihre Idee ist „nett“, aber nicht so gut, dass Menschen im großen Stil zugreifen und das Produkt kaufen. Diese Problematik erläuterte Alexander von Frankenberg, Gründer des High-Tech-Gründerfonds, bereits im Jahr 2013 gegenüber dem Tagesspiegel.

Viele Gründer stellen die falschen Fragen, bevor sie ein Produkt auf den Markt bringen.

Genau darin liegt eine der großen Schwierigkeiten bei der Gründung eines Startups. Viele Gründer stellen nämlich die falschen Fragen, bevor sie ein Produkt auf den Markt bringen. Ob potentielle Kunden das Produkt spannend finden, ist nicht der entscheidende Faktor. Der Gründer muss wissen, wer es wirklich kaufen wird. Darin liegt ein großer Unterschied, wenn es um die Marktforschung vor einer Gründung geht – und ein problematischer. Die zweite Frage ist nämlich viel schwerer im Voraus zu beantworten. Ausschalten lässt sich das Risiko eines Misserfolgs im Voraus also nie gänzlich. Insofern ist der Pivot, ein Prinzip aus dem Lean Management, bei dem hergebrachte Businesspläne und Produktideen über den Haufen geworfen werden, um einem neuen Ansatz Platz zu machen, ein wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Startup-Strategie. Das Festhalten an einer einmal gefassten Produktvision gehört hingegen zu den fatalsten Fehlern, die Gründer machen können.

Geduld und Geld

Andererseits erklärt Oscar Waterworth aber auch, dass Startups dann scheitern, wenn sie ihre ursprünglichen Ziele und Absichten vergessen. Auch das beste Produkt braucht Zeit, um sich am Markt zu bewähren; wer überstürzte Entscheidungen trifft, kann den besten Ansatz der Unternehmensgründung ebenfalls zerstören. Zwar muss der Markt reif für die Einführung eines neuen Produkts sein – ob das der Fall ist, kann aber zu Beginn oft nur eingeschätzt und nicht abschließend beurteilt werden. Risiken bleiben also immer vorhanden.

Auch das beste Produkt braucht Zeit, um sich am Markt zu bewähren.

Schließlich müssen Gründer aber ja auch durchhalten, bis ihr Produkt Erfolg haben kann. Kaum ein Startup schreibt von Anfang an schwarze Zahlen, die meisten sind auf Investoren angewiesen, um die ersten Jahre zu überstehen. Für die deutsche Startup-Szene werden falsche Kalkulationen innerhalb dieser Anlaufphase als häufiger Grund für das Scheitern von Startups genannt. Selbst wenn ein ausreichendes Investment auf Grundlage der vorherigen Berechnungen getätigt wurde, wird das Geld nicht ausreichen, wenn dabei wichtige Faktoren wie das eigene Einkommen vergessen wurden.

Minimum Viable Product als taktischer Fehler

Außerdem ist die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt zum Anheuern von Angestellten entscheidend dafür, ob ein Startup durchhält, bis sich der wirtschaftliche Erfolg einstellt. Zwar ist Sparsamkeit ein hohes Gebot für Gründer; die hohe Zahl derjenigen, die im Deutschen Startup Monitor angaben neue Mitarbeiter einstellen zu wollen, demonstriert aber auch ein anderes Prinzip: Das Produkt muss im Mittelpunkt stehen. Wer nicht rechtzeitig genug Personal anheuert, um das Produkt marktreif zu bekommen, wird scheitern.

Obwohl die eingangs zitierte Studie aber auch zeigt, dass immer mehr Startups den internationalen Markt anstreben, muss der Kernmarkt ebenfalls bedacht werden. So beschreibt Waterworth, dass ein Minimum Viable Product (MVP) im amerikanischen Raum einen guten Ansatz zum Test eines Produktes an realen Marktbedingungen darstellt; an anderen Märkten kann das aber auch ein Fehler sein. Auch zu unausgereifte MVPs stellen eher eine Hürde als ein Sprungbrett dar – zeigt das MVP nicht das Potential, sondern die Schwächen des Produkts, können damit keine Kunden gewonnen werden.

Zu unausgereifte MVPs stellen eher eine Hürde als ein Sprungbrett dar.

Fazit

Startups zum Erfolg zu führen ist in gewisser Weise eine Wissenschaft für sich. Zwar gibt es einige allgemein gültige Prinzipien dafür, wie der Einstieg in einen Markt gelingen kann; allzu sehr sollte jedoch niemand darauf vertrauen. Am Ende sind Startups ja immer ein Risikogeschäft: Wer neue Ideen umsetzen will, kann sich nicht darauf verlassen, dass das auch gelingt. Aber auch die Frage danach, was Erfolg ist, sollte differenziert betrachtet werden. Muss es immer das Unicorn-Business sein, um von einem Erfolg sprechen zu können? Muss jedes Startup endlos wachsen? Das schafft nicht jedes Unternehmen. Wenn aber ein Steady State erreicht wird, auf der ein kleines Unternehmen gut überleben kann, kann auch das durchaus ein Erfolg sein.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -