Taxi-Rivale Wundercar macht trotz Verbot weiter
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Das Hamburger Startup Wundercar löst bei Taxifahrern und -verbänden heftige Proteste aus. Die Hamburger Wirtschaftsbehörde untersagte das ursprüngliche Konzept sogar. Private Fahrten gegen Trinkgeld seien gesetzlich unzulässig. Wundercar macht dennoch weiter.

In ganz Europa und Südamerika protestierten in letzter Zeit Taxifahrer und -unternehmen gegen private, illegale Beförderungen gegen ein Trinkgeld. Vor allem die App Uber war ein Thema, aber auch Wundercar und ähnliche Kollegen waren gemeint.

Wundercar bringt, wie Uber, seine Nutzer per Internet zusammen. „Lerne tolle Leute kennen“ heißt der Leitspruch der App. Um den sozialen Aspekt soll es bei den Fahrten mit Wundercar gehen. Die Fahrt sei im Grunde kostenlos, heißt es weiter auf dem Portal. Man zahle als Nutzer lediglich ein Trinkgeld in eigenem Ermessen – ausschließlich bargeldlos über das Internet. Von dieser Summe bekommt Wundercar 20 Prozent.

Existenzängste bei Taxifahrern

Am Mittwoch kam es zu europaweiten Protesten gegen die günstige und aus Sicht der Taxifahrer illegale Konkurrenz aus dem Netz. 

Firmen wie Wundercar oder Uber vermitteln im Netz die Dienste von Fahrern, die ohne Ausbildung, Versicherungen, Sozialabgaben und Gewerbeanmeldung für Trinkgeld fahren,

sagte Christian Brüggmann, Vorstand der Taxen-Union Hamburg Hansa der dpa. Die Branche werde damit mit Problemen wie Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung konfrontiert, die eigentlich überwunden seien. Auch Michael Müller, Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands e. V. (BZP), sieht den Rechtsbruch von Wundercar, Uber und Co. nicht darin, dass die Online-Dienste das Internet zu Fahrtenvermittlung nutzen, sondern darin, dass die Fahrten durch nicht berechtigte Konkurrenz – private Fahrer ohne Zulassung – durchgeführt werden. Man werde sich mit allen Mitteln gegen die ungeliebte Konkurrenz wehren, so Müllers offizielle Ankündigung:

Private Fahrer haben nun mal keine Zulassung auf dem Taximarkt – und sie zahlen in der Regel keine Steuern auf diese Fahrten, sind oft nicht für die Beförderung versichert, unterziehen sich keinen regelmäßigen Gesundheitschecks und legen oftmals keine Prüfungen über ihre Ausbildung und den technischen Zustand des Autos ab. Uber vermittelt gezielt an illegale Anbieter, das ist ein Missbrauch. Die Taxi- und Mietwagenunternehmen in Deutschland dagegen vermitteln ihren Fahrgästen legale Dienstleistungen nach den genannten Kriterien.

Wundercar drohen hohe Strafen bei Verstoß

Die Wirtschaftsbehörde Hamburg hat Wundercar verboten, Beförderungsdienstleistungen anzubieten, welche die Betriebskosten übersteigen. Sollte Wundercar das Verbot ignorieren, drohen dem Startup hohe Strafen, so eine Sprecherin der Behörde. Für einen Widerspruch bleibe ein Monat Zeit. Wundercar hat indes reagiert und sein Konzept leicht verändert.

Wurde den Fahrgästen bisher angezeigt, wie viel andere Nutzer im Durchschnitt für den gleichen Streckenabschnitt bezahlt haben, wird jetzt nur noch eine Empfehlung von 35 Cent pro Kilometer ausgesprochen, was den Betriebskosten entspricht. Jedoch ist es weiterhin möglich, nichts oder aber auch viel mehr zu bezahlen. Eine Sprecherin der Wirtschaftsbehörde bezeichnete den Schritt gegenüber der dpa als kosmetische Veränderung an der App. Das Verbot der App gilt weiterhin. 

Fahren als Kontaktbörse

Froh betont weiterhin den sozialen Aspekt der App. Bei Wundercar bekämen die Kunden keine Garantie auf komfortablen Transport. Man müsse sich im Unterschied zu Taxi-Fahrten mit dem Fahrer austauschen und werde auch aufgrund der sozialen Interaktion bewertet.  

Wundercar hat mittlerweile über 10.000 Nutzer. Derzeit ist die App vor allem in Berlin und Hamburg interessant, weil es genug Angebote gibt. Hamburg hat 3.300 Taxen, Berlin unterhält eine Flotte von rund 7.000 Fahrzeugen. Das Verbot ging nach hinten los. Seit Anfang der Auseinandersetzungen konnte sich Wundercar über 50 neue Nutzer pro Minute(!) freuen. Eine Expansion auf andere deutsche Großstädte steckt in den Startlöchern, Streit ist vorprogrammiert.

 

 

 

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